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Mächtiger Stamm: Gut 200 Jahre ist die Eiche, der größte Baum im Wäldchen, das wie eine Insel im Acker liegt.
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Romantisch wie in einem Gemälde. Die Schönheit der gefährdeten Landschaft liegt dem Vorsitzenden des Bund Naturschutzam Herzen.
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Eine leichte Bodenkante markiert die einstige Be festigungsanlage, die umgeben vom ehemaligen Riedweiher ein Ausflugsziel der höfischen Jagdgesellschaft war. Fotos: Gerald Förtsch

Bauminsel über verschwundenem See

Gefährdeter Lieblingsplatz: Im Grünzug könnte Gewerbestandort entstehen

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Der Erhalt des Grünzugs hinter dem Business Campus in Unterschleißheim ist für Tino Schlagintweit eine Herzensangelegenheit. Die 30 Hektar zwischen Ober- und Unterschleißheim sind in den Focus der Öffentlichkeit geraten. 

Unterschleißheim – Tino Schlagintweit stapft durch das Unterholz zwischen uralten Eichen. Bis zur Brust ragen ihm Springkraut und Brennnesseln. Mit einem Stecken schlägt der Biologe wie mit einer Machete um sich und bahnt dem kleinen Trupp aus der Redaktion des Münchner Merkur einen Weg. Dann tritt der 60-Jährige am Rand eines Kartoffelackers ins Freie und zeigt zu seinem Lieblingsort: ein kleines Wäldchen, wie eine Insel mitten auf dem Acker. Eine knorrige Eiche ragt heraus.

Bauminsel über verschwundenen See

„Hierher führen keine Wege“, sagt Schlagintweit. „Das Wäldchen kann man nur besuchen, wenn gerade nichts angebaut wird.“ Also vor der Aussaat oder nach der Ernte. Wie gerade jetzt. Die Kartoffeln sind geerntet, der Boden gepflügt und geeggt.

„Mit neun Jahren kam ich schon hierher. Da war ich gerade alt genug, um mit dem Fahrrad loszuziehen“, erzählt der Unterschleißheimer. Für die Buben aus Oberschleißheim, wo Schlagintweit aufwuchs, war der geheimnisvolle Wald ein verlockendes Ziel. Der Mann im grünen Hemd schmunzelt. „Hier haben wir auf einem Esbit-Kocher Spiegeleier gebacken.“

Sein Blick schweift umher: „Sehen Sie die leichte Erhebung auf dem Feld?“ Er zeigt auf eine Bodenwelle, „das war das Ufer des ehemaligen Riedweihers.“ Wenige Kilometer nördlich von Schloss Schleißheim verbirgt sich tief unter dem Acker eine quadratische Schanzanlage, mit vier Eckbastionen. Vor einem Jahr entdeckten Denkmalforscher die Miniaturfestung wieder, als sie historische Karten und digitale Geländemodelle auswerteten.

Freizeitlandschaft der höfischen Gesellschaft

„Die Festung lag im Jagdrevier der höfischen Gesellschaft“, erzählt Schlagintweit. „Kurfürst Ferdinand Maria ließ sie zwischen 1653 und 1656 anlegen, mitten in einem künstlichen See, dem Riedweiher.“ Weiher und Festung gehörten damals, ebenso wie Alleen und Sichtachsen zum Jagdrevier des Hofes. „Das war eine super repräsentative Umgebung.“

In den späteren Jahren verlandete der künstliche Riedweiher. Es entstanden Feuchtwiesen und Wälder. Aus dieser Zeit stammt seine Lieblingseiche mit ihrem mächtigen Stamm. „Sieht hier doch aus wie ein Landschaftsgemälde im Stil der Romantik“, Schlagintweit ist begeistert. Dass das Wäldchen nur 200 Meter hinter dem Business Campus und 150 Meter neben dem geplanten Gewerbepark Korypheum liegt, dass die Landshuter Straße in Sichtweite vorbeiführt und das Rauschen der A92 zu hören ist, könnte man tatsächlich aus manch einer Perspektive ganz vergessen.

Oberschleißheim liebäugelt mit Gewerbepark im Grünzug

 

Die rund 30 Hektar zwischen Ober- und Unterschleißheim sind in den vergangenen Monaten in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. BMW wollte hier auf Feldern und Wäldern zwischen Unter- und Oberschleißheim einen neuen Standort bauen. „Das alles würde versiegelt.“ Er macht eine weite Armbewegung. Nachdem diese Pläne gescheitert sind, will die Gemeinde Oberschleißheim innerhalb ihrer Gemeindegrenzen einen Gewerbepark ansiedeln.

Kopfschütteln. Die Vorstellung, dass Wäldchen und Äcker weiteren Bürogebäuden zum Opfer fallen, empört den Vorsitzenden der Bund Naturschutz-Gruppe Schleißheim. „Dieses Grün ist unverzichtbar.“ Es soll den westlichen Teil des ersehnten Moos-Haide-Parks bilden. „Wir müssen uns im Ballungsraum frühzeitig Grenzen setzen, damit wir in den nächsten 40 Jahren hier noch eine Lebensqualität haben.“

Der Kurfürst konnte vor 350 Jahren in weiter Landschaft lustwandeln. „Was davon übrig ist, müssen wir erhalten“, sagt Schlaginweit, gerade an dieser Stelle ist der Schutz der Natur für ihn eine Herzensangelegenheit.

Lesen Sie aus unserer Serie „Lieblingsplatz“ auch Das Bankerl auf dem Hof der Eier-Oma in Oberhaching

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