+
Die Magnetschwebebahn rast mit bis zu 150 Stundenkilometer auf einer Teststrecke in der Oberpfalz hin und her.  

Magnetschwebebahn für alle

Der Transrapid kommt zurück

  • schließen

Einmal ist er gescheitert, aufgegeben noch nicht: Die Freien Wähle bringen den Transrapid für den ÖPNV im Landkreis ins Spiel. Er hätte große Vorteile. 

Landkreis – Die Debatte um Perspektiven im öffentlichen Nahverkehr im Landkreis München ist um eine Attraktion reicher: Die Freien Wähler (FW) bringen eine Magnetschwebebahn ins Spiel und verweisen auf vielversprechende Versuche eines bayerischen Unternehmers.

Das in Sengenthal in der Oberpfalz ansässige Bau-Unternehmen „Max Bögl“ arbeitet seit mehreren Jahren am Konzept für eine Magnetschwebebahn. Die tot geglaubte Antriebstechnik, die für den Transrapid genutzt werden sollte, hat das Bauunternehmen weiterentwickelt.

Auf der 800 Meter langen Teststrecke der Firma soll der Prototyp bereits 65 000 Kilometer zurückgelegt haben. Der Zug fährt ohne Fahrer. Ein Abteil kann bis zu 127 Passagiere aufnehmen. Jeder Zug soll aus wenigstens zwei Abteilen bestehen. Das Unternehmen verlegt die Testfahrten nach China, wo eine längere Strecke zur Verfügung steht. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometern und auf Strecken von 5 bis 30 Kilometern gilt die Schwebebahn aus der Oberpfalz als mögliche Ergänzung für den Nahverkehr.

Leiser, günstiger, grüner

„Keine Sorge“, beruhigte Kreisrat Otto Bußjäger (FW) die Fraktionen im Kreistag: „Das hat nichts mit Stoibers Transrapid zu tun.“ Bußjäger erinnerte damit an die frühen 2000er Jahre, als der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) von einer Transrapid-Verbindung schwärmte, die Fahrgäste in nur zehn Minuten vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen bringen sollte. Das Projekt scheiterte 2008 an unerwartet hohen Kosten und am Widerstand der Kommunen im Landkreis-Norden.

Den Freien Wählern im Kreistag geht es laut Bußjäger weder um Geschwindigkeit noch um Prestige. „Die Magnetschwebebahn stellt eine innovative, neue Lösung für die Verkehrsprobleme im Landkreis dar“, begründete Bußjäger den in den Kreistag eingebrachten Antrag seiner Fraktion. „Sie ist leise, wesentlich günstiger als U- und S-Bahn, und sie fährt emissionsfrei.“

Nicht die einzige Zukunftsversion für Münchens Verkehr:

Lesen Sie die Pläne über fliegende Taxis.

Im Verlauf der Debatte um ein Verkehrskonzept für den Landkreis hatte Landrat Christoph Göbel (CSU) vor gut einem Jahr mit vergleichbaren Argumenten eine Seilbahn ins Spiel gebracht: leise, eine Alternative und Ergänzung für Bus und Bahn, kein Feinstaub, konkurrenzlos günstig. Während ein Bus-Kilometer 20 Millionen Euro kostet, die U-Bahn bis zu 250 Millionen Euro, kostet die Seilbahn nur acht Millionen Euro. Einen Magnetschwebebahn-Kilometer schätzt das bayerische Unternehmen „Max Bögl“ auf 50 Millionen Euro.

Eine Linie schon im Kopf

„Uns geht es darum, Impulse zu setzen“, sagte Bußjäger. „Wir wollen Schwung in die Debatte bringen.“ Als Variante für den Nahverkehr sei das Konzept bisher nicht gedacht worden. Auf die Frage nach einem denkbaren Einsatzort für die Schwebebahn hielt sich der stellvertretende Landrat zurück. „Wir haben eine Linie im Kopf, wollen die Diskussion zunächst aber linienneutral führen.“

Die seit den 1970er Jahren ernsthaft erforschte Schwebebahn-Technologie galt viele Jahre lang als die Hoffnung der deutschen Industrie. Der Transrapid sollte die Tempolücke schließen zwischen Flugzeug und Bahn, als Hightech-Produkt „Made in Germany“ in die Welt gehen und dem Export-Land Nummer eins zugleich Einnahmen in Millionenhöhe bescheren. Nach einem Unfall im Jahr 2006 mit 23 Toten auf der Teststrecke im Emsland war der Transrapid für den Bund jedoch gestorben. 

Die Bahn wünschte ohnehin keine Konkurrenz im eigenen Haus. Die Kosten für potenzielle Strecken – etwa Hamburg-Berlin, Dortmund-Düsseldorf oder München-Flughafen – waren zudem zwischenzeitlich explodiert. Allein in Stoibers „Zehn-Minuten-Zug“ hatte Berlin 1,4 Milliarden Euro an Forschungskosten gepumpt.

So erfreut sich momentan nur China dieser Technologie. Seit dem Jahr 2004 verbindet der „Shanghai Maglev Train“ die Millionen-Metropole mit dem Flughafen Pudong.

Ein Güterzug einer Privatfirma ist ungebremst durch die Oberpfalz gerauscht. Nur weil DB-Mitarbeiter schnell reagierten, kam es zu keinem Unglück.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gute Nachrichten: Mehr Schutzausrüstung im Kampf gegen die Corona-Epidemie
Einen Hauch Frühlingsstimmung verströmten Landrat Christoph Göbel (CSU) und Gesundheitsamtschef Gerhard Schmid am Mittwoch, als sie den aktuellen Stand zum Kampf gegen …
Gute Nachrichten: Mehr Schutzausrüstung im Kampf gegen die Corona-Epidemie
Angebliche Shisha-Party: Polizei wittert Corona-Verstoß - und macht dabei unverhoffte Entdeckung
Einen unverhofften Beifang hat die Polizei bei München bei einer Kontrolle der Ausgangsbeschränkungen gemacht. Die Beamten entdeckten etwas, das sie nicht vermutet …
Angebliche Shisha-Party: Polizei wittert Corona-Verstoß - und macht dabei unverhoffte Entdeckung
Coronavirus im Landkreis München: Vier Tote in Unterhachinger Pflegeheim - 963 bestätigte Infektionsfälle
Das Coronavirus versetzt den Landkreis München in den Ausnahmezustand. Mittlerweile sind mehrere Menschen gestorben, viele sind infiziert. Alle Infos hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Vier Tote in Unterhachinger Pflegeheim - 963 bestätigte Infektionsfälle
Unbekannte brennen Parkbank auf Spielplatz ab
In der Nacht von Montag auf Dienstag trafen sich mehrere Personen an einem Grünwalder Spielplatz. Unbekannte Täter brannten eine Parkbank ab. 
Unbekannte brennen Parkbank auf Spielplatz ab

Kommentare