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Weg vom Einheitslook: Die Michael-Ende-Grundschule in Unterschleißheim wird abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut. Auf ihrem Dach könnten bis zu sechs Wohnungen mit je 50 Quadratmetern entstehen. 

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Mal ganz was Neues: Ein Schulhaus, auf dessen Dach man wohnen kann. Die Idee ist aber durchaus umstritten.

Unterschleißheim– Neue Wege schlägt die Stadt Unterschleißheim beim Schulbau ein. Erstmals will sie Wohnungen auf dem Schuldach der neuen Michael-Ende-Grundschule errichten. Ob das möglich ist? Und sinnvoll? – Das werden die Entwürfe zeigen, die Architekten den Stadträten in einem Wettbewerb vorstellen sollen.

Beispiele aus anderen Kommunen gibt es nicht. „Wir haben in Bayern keine Grundschule gefunden, die Wohnungen hat“, sagte Bürgermeister Christoph Böck (SPD). Trotzdem: Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, die Architekten für ein Mischkonstrukt aus Lernen und Wohnen zurate zu ziehen und deren Entwürfe zu prüfen.

Seit Januar vergangenen Jahres ist der Schulneubau an gleicher Stelle in den städtischen Gremien Thema. Nach einigem Hin und Her haben sich die Stadträte nach der ersten Architektenrunde entschlossen, die Michael-Ende-Schule, die derzeit 13 Klassen an der Raiffeisenstraße beherbergt, gleich größer, nämlich fünf- statt vierzügig zu bauen. Jetzt schreiben sie den Planern eine weitere grundlegende Veränderung ins Aufgabenheft: Etwa sechs Wohnungen sollen aufgestockt werden, je 50 Quadratmeter groß. Sie sollen über ein eigenes Treppenhaus zu erreichen sein.

Die Idee kommt von der CSU, die angekündigt hat, konsequent für alle städtischen Neubauprojekte günstige Wohnungen einfordern zu wollen.

Der Vorschlag wurde erst im Bauausschuss und jetzt im Stadtrat kontrovers diskutiert. Die SPD stimmte zwar dem Prüfauftrag zu, ist aber skeptisch: „In einer Schule müssen hohe Sicherheitsauflagen erfüllt werden“, sagte Katharina Bednarek. Außerdem würden zugunsten der Wohnnutzung die Freiflächen für die Kinder reduziert. „Der Sport in der Halle läuft bis 23 oder 24 Uhr“, sagte SPD-Fraktionssprecherin Annegret Harms, „das ist keine gute Lösung.“ Sie schlug vor, auf dem Gelände eher ein Wohnhaus zu bauen.

„Wollen wir einen vernünftigen Schulbau oder eine Eier legende Wollmilchsau?“, fragte Manfred Riederle (FDP). Er hat „massive Bedenken“, ob das Geld hierfür gut angelegt würde: „Es gibt hohe Konfliktpotenziale zwischen den Bewohnern und den Nutzern der Schule, zumal wir eine Ganztagsschule bauen.“

Ja, antwortete Stadtrat Theo Pregler (CSU), es sei wohl der erste Schulneubau mit Wohnnutzung in Bayern: „Ich weiß aber nicht, ob andere Kommunen dieselben Probleme haben wie wir.“ Er führte aus: „Für uns wird es immer schwieriger, unsere städtische Infrastruktur am Laufen zu halten, weil wir keine bezahlbaren Wohnungen haben und deshalb das Personal nicht finden. Wir haben ein relativ neues Seniorenheim, können es aber nicht voll nutzen, weil uns das Pflegepersonal fehlt.“ Diese Situation zeige sich auch bei vakanten Stellen in der Stadtverwaltung. Er appellierte: „Ich würde mir wünschen, dass wir experimentierfreudiger sind.“

Auch Jürgen Radtke (Grüne) warb: „Wir müssen neue Wege gehen. Wir müssen in die Höhe bauen, um überhaupt noch bezahlbare Wohnungen zu schaffen.“ Das sei in einer Umgebung mit vier- bis fünfgeschossigem Wohnungsbau auch verträglich.

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