„Diese Diskussion findet nicht in Unterschleißheim statt

A92: Grüne stemmen sich gegen Autobahnausbau

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Grüne und ÖDP in Unterschleißheim halten den sechsspurigen Ausbau der A92 nicht mehr für nötig. Mit dieser Meinung standen sie im Stadtrat aber alleine da. Das Gremium äußerte aber ein paar Wünsche.

Unterschleißheim – Der Unterschleißheimer Stadtrat stimmt mehrheitlich mit 22:6 für den sechsstreifigen Ausbau der A 92, weil sich die Stadt Lärmminderung erwartet. Grüne und ÖDP vollzogen eine überraschende Kehrtwende. Sie halten den Ausbau der A 92 nicht mehr für notwendig, weil nach der Corona-Krise die zugrunde gelegten Verkehrsmengen völlig überholt seien.

Daher wollen sie, dass die Stadt ihre Stellungnahme neu formuliert und den Ausbau ablehnt, weil er den Zielen einer Verkehrswende widerspreche. Statt die Verbreiterung zu begrüßen, soll die Stadt einen besseren Lärmschutz einfordern. „Das ganze Geld sollte lieber in den öffentlichen Nahverkehr und die Sanierung der Autobahnen gesteckt werden“, sagte Jürgen Radtke (Grüne).

„Ich teile die Position nicht, dass...“

Ihm erwiderte Bastian Albrecht vom Bauamt: „Diese Diskussion findet nicht in Unterschleißheim statt, sondern im Landtag und im Bund, wo es um die Finanzierung geht.“ Bürgermeister Christoph Böck (SPD) erinnerte daran, „dass wir auf der A 92 erhebliche Staus hatten. Ich teile die Position nicht, dass wir den Ausbau langfristig nicht brauchen.“ Man werde die Prognosen erreichen, weil der Ballungsraum wachse. „Man darf nicht sehenden Auges die Chance vertun, die Lebenssituation der Anwohner massiv zu verbessern.“ SPD-Chef Thomas Breitenstein appellierte: „Wir setzen unsere gute Position aufs Spiel.“ Auch CSU-Sprecher Stefan Krimmer stellte sich gegen den Antrag der Grünen/ÖDP: „Es wäre die grundfalsche Entscheidung. Die Fahrzeugzahlen werden nicht zurückgehen.“ Die mit dem Ausbau einhergehenden Schutzmaßnahmen, wie Flüsterasphalt oder Schallschutzfenster, würden „viel mehr Lebensqualität“ bedeuten. Doch Grüne und ÖDP blieben bei ihrer Haltung: „Wir machen eine politische Aussage“, so Radtke.

Stadt schlägt Bahntrasse an Autobahn vor

Die Stadt behält auch ihre Forderung bei, dass Riedmoos und Hollern Nord als allgemeines Wohngebiet zu betrachten sind, „damit wir aktiven Lärmschutz dort erreichen, nicht nur für den Aufenthalt innen, sondern auch draußen“, so Böck.

Eine Idee von Grünen/ ÖDP nahm die Stadt aber in ihre Stellungnahme auf, die sie an die Regierung von Oberbayern adressiert: Entlang der A 92 soll eine Bahntrasse für den Fern- und Güterverkehr vorgesehen werden. Auch beim Lärmschutz fordert man mehr ein, als der Bund unter Berücksichtigung der Grenzwerte bisher zugesagt hat. Dafür brach Manfred Riederle (FDP) eine Lanze, der besonders die Siedlung Am Weiher im Blick hatte. „Die Lärmschutzwand macht im Vergleich zu den 600 oder 700 Millionen, die der Ausbau kostet, nur einen Kleckerlesbetrag aus. In Gräfelfing baut man eine ganze Einhausung, da geht es ja auch.“

Lesen Sie auch: Auch Schleißheim befürwortet den sechsspurigen A92-Ausbau, hat aber noch Wünsche

Mehr als eine Absage riskiert man ja nicht, war sich der Stadtrat einig und stimmte für die Forderung nach einem durchgehend neun Meter hohen Lärmschutz von der Birkhahnstraße bis zum Einkaufcenter Kaufland. Schließlich war eine 24.4-Mehrheit auch für ein Tempolimit mit 80 km/h nachts und 120 km/h tagsüber.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa / Sven Hoppe

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