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Hier bahnte sich der Unfall an: Manfred Past fuhr durch die Unterführung gen Gewerbegebiet.

„Ich war ein Pflegefall“

An dieser Unterführung: Unfallopfer berichtet von Geisterradler

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Als Knochenbrecherstrecke könnte sich der Radweg unter der S-Bahn in der Dieselstraße erweisen, fürchten Anwohner. Manfred Past berichtet von einem Frontalzusammenstoß, dessen Folgen ihn noch quälen.

Unterschleißheim – So schnell kann Manfred Past gar nicht schauen, da liegt er schon auf dem Asphalt. Ein Ellenbogen gebrochen, der andere angeknackst, Bänderriss im rechten Handgelenk, so lautet die spätere Bilanz der Ärzte. Mit dem Kopf ist der Unterschleißheimer gegen die Betonwand gerasselt; sein Radhelm ist hinüber. Besser der als der Schädelknochen. Drei Wochen lang sind beide Arme des 62-Jährigen in Gips. „Ich war ein Pflegefall“, sagt er.

Schwer lädiert: Der 62-Jährige hat sich einen Ellenbogen gebrochen und den anderen angeknackst.

Dass ihm eine Odyssee an Arztbesuchen, Physiotherapiestunden und Schmerzen über Schmerzen blüht, ahnt Past höchstens, als er in der Unterschleißheimer Hauptstraße auf dem Asphalt des Radwegs liegt. Gerade hat ihn ein Geisterradler frontal abgeräumt. Ein Falschfahrer, der ihn ausgerechnet an der unübersichtlichsten Stelle der Unterführung erwischte: An dem scharfen Rechtsknick, den Past in Richtung Allguth-Tankstelle nehmen wollte. Dort habe er auch noch einer Frau ausweichen müssen, die ihr Rad schob – ihm entgegen, also auch in die verkehrte Richtung.

Heute, Wochen später, bekommt der 62-Jährige vor lauter Zerrungen und Schmerzen noch nicht einmal ein Gurkenglas geöffnet. Doch fast so sehr wie die körperlichen Spätfolgen seines Unfalls plagt ihn die Situation in der Unterführung. Schließlich gebe es auf beiden Seiten der Straße einen abgetrennten Geh- und Radweg. Obwohl es also eigentlich gar nicht zu Gegenverkehr kommen dürfe, spielten sich gerade zu Stoßzeiten immer wieder lebensgefährliche Szenen ab, berichtet Past. Das habe nicht nur er beobachtet, sagt der ehemalige SPD-Ortsvorsitzende; auch Anwohner hätten sich deshalb bei ihm gemeldet.

Strafanzeige gegen den Unfallgegner

Past ärgert sich über die Stadt, die Polizei und die Radfahrer: Die Behörden hätten es versäumt, die Stelle ordentlich auszuschildern und abzusichern, Verstöße gegen die Fahrtrichtung würden weder kontrolliert noch geahndet. Und dann sind da auch noch die uneinsichtigen Radler selbst: „Viele verwechseln persönliche Freiheit mit Verantwortungslosigkeit“, findet Past. Immer wieder beobachte er, wie sie ungebremst mit über 30 Sachen und in der Gegenspur durch die Unterführung rauschten. „Was für ein Wahnsinn“, diagnostiziert der Unterschleißheimer. Als seine Frau ihn nach dem Unfall zusammenklauben musste, seien mehrere weitere Falschfahrer vorbeigerauscht, als Antwort auf einen Zuruf habe das Paar einen ausgestreckten Mittelfinger kassiert.

Ein Sprecher der Stadt Unterschleißheim bestätigt, dass sich der Unfall im Wesentlichen so zugetragen hat, wie von Past geschildert. Es habe aber in den vergangenen zweieinhalb Jahren, seit die Unterführung entsprechend ausgebaut ist nur einen weiteren – behördlich dokumentierten – Unfall gegeben. Auch wegen eines Geisterradlers. Ein Unfallschwerpunkt sei an der Stelle nicht erkennbar, das habe auch eine routinemäßige Verkehrsbeschau im vorigen Herbst ergeben.

Sein Unfallgegner, ein junger Mann, habe nur ein paar blaue Flecken davongetragen. „Ich war doch auf dem Radweg“, zitiert ihn Past, der sich glücklich schätzt, wegen des vorangegangenen Ausweichmanövers bei dem Unfall ohnehin fast gestanden zu haben. Doch nun hat der Unfall auch noch eine finanzielle Dimension angenommen. Für Radfahrer gibt es keine Pflicht-Versicherung. Der Unfallgegner sei Asylbewerber, nicht haftpflichtversichert, arbeite im Niedriglohnsektor. Obwohl es wenig zu holen gibt und es der junge Mann wohl nicht leicht im Leben hat, will Past nun Strafanzeige stellen. Notfalls bis zur Lohnpfändung, auch auf Rat aus dem Helferkreis, wie er erzählt. Denn von dem jungen Mann ist er enttäuscht, nicht ein Mal habe dieser sich nach dem Unfall gemeldet, sei offenbar uneinsichtig und ohne schlechtes Gewissen. Auch auf das Angebot einer außergerichtlichen Einigung habe er einfach nicht reagiert. Rund 3000 Euro Kosten bleiben derweil an Past hängen, schätzt er, darunter das geschrottete Rad im Wert von 1200 Euro. Sein Anwalt habe ihm nur trocken geraten: „Such dir nächstes Mal bitte ein Auto aus.“

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