Notdürftig hat die Stadt mit Farbe die Richtung für die Radfahrer aufgesprüht. Doch ursprünglichen Markierungen sind längst verblichen.

Gefährliche Unterführung an der Dieselstraße in Unterschleißheim

Kampf den Geisterradlern

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Roland Schreitter von der Freien Bürgerschaft hat den Geisterradlern den Kampf angesagt. Und übt Kritik an der Einschätzung durch die Stadt, die in der Unterführung an der Dieselstraße keine Gefahrenstelle sieht.

Unterschleißheim– Die Sünderin zögert noch einen Augenblick an der Querungshilfe. Dann hat sie freie Bahn. Sie stemmt die schwarzen Chucks in die Pedale, umkurvt mit wippendem Pferdeschwanz einen entgegenkommenden Radfahrer und verschwindet in der Unterführung. Auf der anderen Straßenseite steht Roland Schreitter, gelbe Hose, Karohemd und dunkle Sonnenbrille, und sagt: „Meine Güte.“ Wieder eine.

Seit Jahren ärgert sich Roland Schreitter über die Verkehrsführung.

Roland Schreitter wehrt sich gegen Falschfahrer im Tunnel

Ob die junge Frau aus Unwissenheit oder aus Bequemlichkeit als Geisterradlerin durch die Unterführung in der Unterschleißheimer Dieselstraße gefahren ist, vermag Schreitter nicht abzuschätzen. „Da ist auch viel Sturheit dabei“, vermutet er, ganz generell gesprochen. Denn die junge Frau ist kein Einzelfall. Schreitter hat beobachtet, dass selten eine halbe Stunde vergeht, ohne dass jemand auf der Gegenspur durch den Tunnel braust. Seit fünf Jahren ärgert sich der 74-Jährige über die betongewaltige Unterführung unter den Gleisen hindurch. So lange, wie es das Bauwerk schon gibt. Nicht, weil ihm die alte Lösung mit der Schranke lieber wäre. Sondern weil er die neue in ihrer jetzigen Form für gefährlich hält.

„Muss erst einer sterben?“

Manfred Past, ehemaliger Chef des SPD-Ortsvereins, brach sich beide Arme, als ihn ein junger Mann in der Rechtskurve vom Rad kegelte (wir berichteten). Schwere Unfälle verzeichnet die Stadt bisher dort nur zwei, stuft die Unterführung nicht als Gefahrenstelle ein. Doch von Beinahe-Kollisionen berichtet fast jeder Unterschleißheimer Radler, den man auf die Stelle anspricht. Auch Schreitter, bei der Freien Bürgerschaft aktiv, erinnert sich daran, wie ihn fast zwei Postler mit ihren schweren Rädern abgeräumt hätten. Auch sie seien als Falschfahrer durch die Unterführung gerauscht. „Was muss denn passieren, damit die Stadt was unternimmt?“, fragt Schreitter. „Muss erst einer sterben?“

Diese Grafik der Stadt erklärt, wie die Radfahrer die Unterführung nutzen sollen. grafik: stadt unterschleissheim

Aus seiner Sicht sind die Geisterradler in der Dieselstraße vor allem das Ergebnis misslungener Verkehrsführung und ungenügender Beschilderung. Schreitter deutet auf den Asphalt zu seinen Füßen. „Was soll das denn sein?“, fragt er sarkastisch. Das dort mit weißer Farbe aufgemalte Fahrradsymbol samt Richtungspfeil ist so abgewetzt, dass es kaum mehr zu erkennen ist. Daran hat sich wohl noch jemand gestört: Mit neongrüner Sprühfarbe wurde nachgebessert.

Wie es seitens der Stadt Unterschleißheim heißt, hat die Fahrradbeauftragte der Stadt die Markierungen aufgesprüht. Die verblichenen Zeichen sollen bei den nächsten Markierungsarbeiten wieder erneuert werden.

Umweg erinnert an Landeanflug eines Flugzeugs

Die meisten Geisterradler, so Schreitter, kämen aus dem Grünzug von der Carl-von-Linde-Straße her – an jener Zufahrt ist die Wegführung besonders mau. Hinweisschilder sind rund um das Bauwerk dünn gesät. Dabei erschließt sich die Routenführung nicht so leicht. Als Schreitter erklärt, wie ein Fahrradfahrer regelkonform von der Raiffeisenstraße in die Hauptstraße gelangt, gestikuliert er sich fast einen Knoten in die Arme. Das Wort „einschleifen“ fällt, denn die Radler müssen dafür eine Runde über eine Brücke drehen. Ein bisschen erinnert der Umweg an den Landeanflug eines Flugzeugs.

Mehr Hinweisschilder nötig

Damit die Fahrradfahrer das alle mitmachen und kapieren, findet Schreitter, bräuchte es viel mehr Hinweisschilder, Richtungspfeile Fahrbahnmarkierungen. Er verweist auf Kampagnen gegen Geisterradler in Memmingen und Regensburg. „Das können wir doch auch“, sagt er. Am liebsten wären dem 74-Jährigen Schilder, wie sie an österreichischen Autobahnauffahrten stehen. Eine solche neongelbe Hinweistafel mit dem Symbol einer abweisenden Hand und der Aufschrift „Radfahrer – Stop – falsch“ hat er sogar schon gebastelt. Doch bei der Stadt hätten seine Beschwerden nicht gefruchtet.

Thema im Stadtrat

Politisch soll bei der nächsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses mehr Schwung in die Sache kommen. Dann plant die Freie Bürgerschaft in Person von Stadtrat Martin Reichart, die Geisterradler sowie die umstrittene Verkehrsführung zu thematisieren.

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