Glühwein ohne Christkindlmarkt: Darauf müssen sich die Tölzer heuer einstellen. Die Stadt will vier bis sechs gastronomische Stände in der Marktstraße zulassen. FOTO: DPa
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Glühweingenuss in anderer Form gibt es heuer in Unterschleißheim.

Für ein bisschen Vorweihnachtsstimmung

Christkindlmarkt entfällt: Diese Alternative hat sich die Stadt überlegt

  • vonAndreas Sachse
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Der Christkindlmarkt in Unterschleißheim findet heuer nicht wie gewohnt statt. Weil die Stadt den Bürgern die vorweihnachtliche Tradition allerdings nicht verwehren will, plant sie eine Alternative.

Unterschleißheim – Mit einer Kombi-Lösung stemmt die Stadt Unterschleißheim sich dem Corona-Absage-Frust entgegen. Vier Winterinseln und ein Nikolausmarkt sollen darüber hinweg trösten, dass der traditionelle Christkindlmarkt abgesagt ist.

Anfang des Monats hatte der Unterschleißheimer Ältestenrat dem Weihnachtsmarkt die Absage erteilt. Keine zwei Wochen darauf tritt die Stadt mit einem alternativen Konzept auf den Plan: An vier geeigneten Standorten sollen sich an den Adventswochenenden von Freitag bis Sonntag drei bis vier Stände zu jeweils einer „Winterinsel“ gruppieren.

Bisher 25 Standleute sind interessiert, darunter 13 Gastronomen. Ortsansässige Lokale dürfen sich ebenfalls zu einer Winterinsel zusammen tun. Auf dem Rathausplatz ist am Nikolauswochenende außerdem ein Nikolausmarkt geplant. Der Wochenmarkt wird Samstag, 5. Dezember, hinter das IAZ verlegt. Die Veranstaltung ist für die zwölf gemeldeten essensfreien Standler gedacht. Ein Auftritt von Knecht Ruprecht und seinem Meister, dem Heiligen Nikolaus, ist geplant.

Keine Mehrweg-Becher aus Hygienegründen

Bereits als das Land im Mai in den Corona-Krisenmodus wechselte, galt eine der ersten Sorgen der Deutschen ihrem Christkindlmarkt. Zu Recht, wie man inzwischen sieht. Unterschleißheim aber zählt zu den Kommunen, die im Traum nicht daran denken, die Bürger vor den Festtagen im Stich zu lassen. Die Empfehlung des Ältestenrats, sich eines neuen Konzepts zu behelfen, nahm man sich in bewundernswerte Weise zu Herzen, wie Stadtrat Manfred Riederle (FDP) im Hauptausschuss bemerkte.

Nach den Kriterien der Dezentralität und der Flächenerweiterung soll ein Christkindlmarkt To-Go-Besucher möglichst in Bewegung halten. In der Rückbesinnung auf überwunden geglaubte Umweltsünden, wie das Einweggeschirr, hofft die Stadt, Abstandsvorgaben garantieren zu können. Bei Einsammel-Tassen bestünde die Gefahr, dass Marktbesucher allzu lang am Glühweinstand verweilen, um hernach den Tassen-Pfand zu kassieren. Ein Spülcontainer wäre mit 15 000 Euro für vier Wochen außerdem zu teuer, womöglich sogar unhygienisch. Und obwohl selten etwas Gutes geschieht, wenn Alkohol und Corona-Regeln aufeinander treffen, raten Veranstalter von Weihnachtsmärkten von einem strikten Alkoholverbot ab: Christkindlmarkt ohne Feuerzangenbowle, das geht gar nicht.

„Gut möglich, dass der Markt am Ende platzt“

Für die vom Landkreis dringend empfohlenen Corona-Regeln ist an den Winterinseln die Stadt zuständig. Ein Ordnungsdienst kontrolliert Mindestabstand & Co.. Persönliche Daten werden der Rückverfolgung wegen registriert. Die Gastronomen organisieren den eigenen Bereich. Für die zwölf Standl ohne Essen am Nikolauswochenende gilt das Infektionsschutzkonzept des Wochenmarkts.

Dass der ein oder andere Betreiber an Corona-Regeln verzweifeln könnte, ist Bürgermeister Christoph Böck (SPD) durchaus bewusst. „Die Frage ist, ob sich der Markt für sie lohnt.“ Um Standlern die Teilnahme schmackhaft zu machen, verzichtet die Stadt auf Standgebühren und anderweitige Zahlungen. Wichtig sei es, den Unterschleißheimern zu Weihnachten etwas zu bieten.

Dabei ist ungewiss, ob es überhaupt so weit kommt. Mit Blick auf die jüngsten Infektionszahlen sieht Stadtrat Riederle schwarz. Ohnehin steht für ihn mehr im Vordergrund, zu verhindern, das Unterschleißheim den kritischen Wert der 7-Tage-Inzidenz knackt. Brigitte Huber (Grüne) hofft das freilich nicht. Aber es sei, so sagte sie „gut möglich, dass der Markt am Ende platzt“. Von Vorneherein gar nichts zu planen, wäre aber das falsche Signal.

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