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Klare Worte: CSU-Stadtrat Theodor Pregler geht mit Fraktion und Ortsverband hart ins Gericht.

Einige Dinge missfallen ihm besonders

„Ich muss nicht jeden Stil mittragen“: CSU-Stadtrat kritisiert Partei und erklärt Rückzug

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Nach 25 Jahren im Stadtrat für die CSU tritt Theodor Pregler bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr an. Im Interview spricht er über die Gründe seines Rückzugs und übt Kritik an „seiner“ CSU.

Unterschleißheim – Der Unterschleißheimer Stadtrat ist gesegnet mit starken Persönlichkeiten, die Erfahrung und Urteilskraft einbringen. Eine starke Stimme ist Theodor Pregler. Ausgerechnet er will bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr für die CSU kandidieren. Der Top-Manager eines Luftfahrtunternehmens war sechs Jahre Zweiter Bürgermeister, viele Jahre Ortsvorsitzender der Jungen Union und später der CSU. Er beteiligte sich bis vor Kurzem aktiv an allen Wahlkämpfen. Pregler ist seit 25 Jahren CSU-Stadtrat und genießt Respekt bei allen Fraktionen, weil er für seine Anliegen eintritt, auch gegen Widerstand. Dass sich der Mann der klaren Worte aus der Kommunalpolitik zurückzieht, überrascht und wird von vielen Bürgern bedauert. Welche Gründe ihn bewogen haben, erklärt der 56-Jährige im Interview. 

Sie waren 25 Jahre mit Herz und Seele Stadtrat. Was ist der Grund dafür, dass Sie jetzt nicht mehr für die CSU kandidieren?

Die Entscheidung ist lange gereift. Es gibt für mich mehrere Beweggründe. In den vergangenen zwölf bis 18 Monaten haben sich Positionen der CSU ergeben, mit denen ich nicht glücklich bin. Da war die potenzielle BMW-Gewerbeansiedlung zwischen Oberschleißheim und Unterschleißheim. Es war vereinbart, dass man die Angelegenheit nicht öffentlich macht, solange, bis man gemeinsam die Öffentlichkeit informiert. Und dann macht sich eine Stadtratsfraktion öffentlichkeitswirksam vom Acker und lässt die anderen im Regen stehen, als hätte man mit der Vereinbarung nichts zu tun gehabt. Ein weiterer Punkt war der Umgang mit Lorena Allwein... 

Sie sagte als CSU-Stadträtin in der Diskussion um das geplante Zwangsarbeiter-Mahnmal, dass es schon zu viel Erinnerung an Nationalsozialismus gebe. Sie forderten daraufhin Allweins Rücktritt, die aber erst Monate später aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat zurückgab. 

Die Frage ist, was ist man als Fraktion bereit zu tolerieren. Ein weiterer Punkt für mein Ausscheiden ist die Frage, wie der Meinungsfindungsprozess in einer Fraktion stattfindet. Wie hört man sich zu? Lässt man sich ausreden? Oder kommen Killerphrasen, wie: Das darf man nicht arithmetisch sehen, das muss man politisch betrachten. Da wird immer stärker mit Wählerstimmen argumentiert, und es wird einem nahegelegt, bei Sitzungen nicht anwesend zu sein. 

Man wollte Ihnen den Mund verbieten?

Nein. Ein Verbot ist ja gar nicht möglich, aber da wird der starke Wunsch adressiert, doch bitte bei diesem oder jenem Thema nichts zu sagen, denn das könnte ja auf die Fraktion zurückfallen, wenn man sich gegen den vermeintlichen Wählerwillen positioniert. Diese Art des Umgangs miteinander finde ich wenig wertschätzend. Noch ein Grund war für mich, dass sich ein in Ansätzen populistischer und polemischer Wahlkampfstil abzeichnete, und man dem Wettbewerber Halbwahrheiten bis Unwahrheiten unterstellte. Wer als Kandidat auf der Liste steht, trägt das mit. Und das muss ich nicht. 

Können Sie ein Beispiel nennen? 

Wenn behauptet wird, die SPD habe den Hochhausbau in Unterschleißheim betrieben. Ja, unter Bürgermeister Hans Bayer wurden Hochhäuser gebaut, aber in der Ära Rolf Zeitler entstanden auch Hochhäuser. Ich kann viele Halbwahrheiten rauspicken, aber das beleidigt eigentlich die Intelligenz. Man muss nicht jeden Stil mittragen. Es hat keinen Sinn, für eine Gruppierung zu kandidieren, die sich mehrheitlich ein Programm und einen Stil gibt, und dann ständig dagegen zu argumentieren. Da sollte man konsequent sein. 

Sie sind vor 25 Jahren als Demokrat angetreten, ist Ihr Abschied aus der Kommunalpolitik ein verärgertes Hinwerfen oder ein Rückzug mit Wehmut? 

Ein Rückzug mit Wehmut, aber ohne Groll. Es ist ja meine eigene Entscheidung. 

Werden Sie aus der CSU austreten? Ziehen Sie den Wechsel zu einer anderen Partei in Erwägung? 

Weder noch. Ich war immer ein aktives CSU-Mitglied. Auch wenn es eine Zeit gab, in der ich mit der CSU gehadert habe. Das war 2016 bis 2018 im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage, als die CSU die CDU für deren Haltung angegriffen hat, da habe ich mich mit meinen Werten nicht mehr vertreten gesehen. Aber das ist ja inzwischen korrigiert worden. 

Werden Sie eines Tages in die Kommunalpolitik zurückkehren? 

Ich war 25 Jahre politisch aktiv, es muss dann auch mal gut sein. Dann sollen andere die Diskussionen führen, und sich den Kopf machen. Es gibt ja Leute, die sich engagieren wollen. Vielleicht schreibe ich ab und zu mal eine Kolumne, eher so wie die Zuschauer vom Balkon der Muppet-Show. Ich werde die Lokalpolitik sehr aufmerksam verfolgen, nicht weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte, sondern weil es mich interessiert, was in meiner Lebensumfeld passiert. 

War es ein Fehler, Stefan Krimmer als CSU-Bürgermeisterkandidat aufzustellen? 

Die Partei hat mit weit überwiegender Zustimmung Stefan Krimmer aufgestellt, bei einer Gegenstimme... Er hat sich in den letzten Jahren mit unglaublich großer Zeitinvestition engagiert. Das nehme ich zur Kenntnis. 

Haben Sie einen Wunsch für Unterschleißheim? 

Dass sich jeder Stadtrat vor Augen hält, dass auch seine Kollegen im Gremium sehr viel Freizeit für das Amt investieren, und man auch anderen Standpunkten eine Chance gibt, und nicht meint, man müsste anderen nicht zuhören. Das bürgerschaftliche Engagement nehme ich heute nur wahr, wenn jemand sich in seiner unmittelbaren Nachbarschaft von etwas gestört sieht. Und dann sind alle anderen blöd und verstehen das Thema nicht, nur man selber. Sogar wirtschaftliche Interessen werden einem da unterstellt.

Denken Sie da an das neue Wohngebiet am ehemaligen Siemens-Parkplatz? 

Ja, am Business-Campus haben wir das mit der Weiher-Siedlung erlebt, ebenso, als es um die Verkehrsregelung in Lohhof-Süd ging oder vor Jahren mit dem Wohngebiet am Berglwald. Bürgerschaftliches Engagement sollte sich noch viel mehr zeigen, wenn ich nicht gerade gegen etwas vor meinem Gartenzaun bin. 

Ihr abschließender Appell? 

Bitte, liebe Bürger, bringt euch ein, ihr seid so kompetent, jeder einzelne ist heute besser qualifiziert, kann Webseiten bauen und vieles mehr. Bringt euch mit euren vielen Fähigkeiten in die öffentliche Diskussion ein.

Lesen Sie auch: Urbanes Zentrum wird konkret: Stadtrat bewilligt Entwürfe - So geht‘s jetzt weiter

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