Ist und bleibt BMW-Fan: Als Hans Reichenberger  zum Unternehmen kam, wurde die Isetta entwickelt.
+
Ist und bleibt BMW-Fan: Als Hans Reichenberger zum Unternehmen kam, wurde die Isetta entwickelt.

Hans Reichenberger feiert seinen Ehrentag im eigenen Zuhause

„Es war einiges los“: Unterschleißheimer blickt auf ein Jahrhundert zurück

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
    schließen

100 Jahre ist Hans Reichenberger alt geworden. Zu seinem Ehrentag blickt er mit uns auf „sein Jahrhundert“ zurück, auf seine Zeit bei BMW und das Leben in Lohhof.

Unterschleißheim – Hans Reichenberger hat in Unterschleißheim seinen 100. Geburtstag mit Familie, Freunden und Nachbarn gefeiert. „Es war einiges los“, erzählt der Jubilar munter und aufgeschlossen am Telefon. Beeindruckt zeigte sich auch Gratulant Bürgermeister Christoph Böck von der Geistesfrische des Hundertjährigen, dem seine Selbständigkeit nach wie vor sehr wichtig ist. Dass man ihm die 100 Jahre so gar nicht ansieht, dafür macht er seine Gene verantwortlich und meint gutgelaunt: „Die ganze Verwandtschaft sieht gut aus!“

1921 wurde Hans Reichenberger als viertes von fünf Kindern in Hannesried in der oberpfälzischen Gemeinde Tiefenbach geboren. Seine Eltern hatten eine Landwirtschaft, mit 13 Jahren begann er die Lehre zum Spengler, ein Beruf, mit dem es Hans Reichenberger weit brachte.

Nach der Ausbildung arbeitete er bei den „Junkers Flugzeug- und Motorenwerken“ in Aschersleben. Im Harz lernte er als 17-Jähriger in Ballenstedt das Segelfliegen und erwarb den Segelflugschein. „Jeden Sonntag waren wir am Hang“, erinnert er sich an seine Jugend.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er an der Höheren Fliegertechnischen Schule in Brandenburg eingesetzt. Die letzten Kriegstage erlebte er in Schönau im Sudetenland, von wo er zu Fuß und auf Lastwagen der Besatzer zurück in die Heimat kam. In der Oberpfalz hatte er beim Tanzen seine zwei Jahre jüngere Frau Else kennengelernt, die mit dem Großteil ihrer Familie aus Schlesien geflüchtet war. Nach dem Krieg heirateten sie. Hans Reichenberger fand eine Stelle bei BMW, das Paar zog nach München, wo 1950 Tochter Gisela zur Welt kam.

Nach dem Krieg fing er bei BMW an

Bei BMW erlebte Hans Reichenberger die Anfänge der Automobil-Sparte in Bayern mit. Vor dem Krieg hatten die „Bayrischen Flugzeugwerke“ in den beiden Münchner Werken erst Motorräder hergestellt, bald darauf stieg das Unternehmen in den Flugzeugbau ein. Erst nach dem Krieg wurden hier Autos gebaut. Das erste Nachkriegsmodell war der BMW 501/502, ein Luxuswagen mit geschwungener Karosserie, der wegen seiner ausladenden Kurven den Spitznamen „Barockengel“ trug. Zugleich bot BMW den Kleinstwagen Isetta an. Beide Modelle brachten nur Verluste ein. Die Firma stand kurz vor dem Aus, bevor Herbert Quandt einstieg und das Blatt wendete. Die Modelle wurden sportlicher, schnittiger und erschwinglicher. Auch die Reichenbergers kauften sich einen eigenen Wagen, den BMW 700.

Nachdem Hans Reichenberger die Industriemeisterprüfung abgelegt hatte, arbeitete er als Fertigungsplaner an der Schnittstelle zwischen Entwicklung und Produktion. „Wir beanstandeten, welche Teile eines Modells man nicht fertigen konnte, die mussten neu entwickelt werden.“ Die Arbeit an den Prototypen gefiel ihm. „Ich habe meinen Beruf geliebt, Arbeiten war für mich keine Last.“ Am Ende seiner Laufbahn 1984 war er Abteilungsleiter der Verbindungsingenieure. Bis heute ist er dem Konzern verbunden und freut sich über die jährliche Einladung zum „Rentnertreffen“.

Der BMW 502 war nach dem Krieg der erste Modell, Hans Reichenberger (3.v.l.) kann sich gut erinnern. (Repro)

Ins Reihenhaus nach Lohhof zog er 1978 mit seiner Frau Else, wo sich das Ehepaar in der Nachbarschaft sehr wohl fühlte. Hans Reichenberger schloss sich den Berg- und Wanderfreunden an, erklomm viele Gipfel, war Wanderführer und auch Kassier. Zum 90. Geburtstag schenkte der Verein seinem Ehrenmitglied neue Wanderstöcke, weil die alten zerbrochen waren. Noch mit weit über 90 unternahm er leichtere Touren. 2016 verstarb seine Frau im Alter von 93 Jahren im Pflegeheim. Er selbst wohnt weiterhin in seinen eigenen vier Wänden, unterstützt von Hilfsdiensten und der gut organisierten Fürsorge seiner Tochter. Nicht nur das Wandern hat ihn jung gehalten, sondern auch die Gymnastik. „Ein bissl mach ich immer, aber aus meiner Sicht zu wenig“, sagt der Jubilar.

Das erste eigene Auto war ein BMW 700. Hans Reichenberger fuhr viele weitere Modelle als Dienstwagen. (Repro)

Weitere Nachrichten aus Unterschleißheim und dem Landkreis München finden Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare