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Familie, neun Kinder, sucht... Asylhelfer unterstützt, Afghanen Wohnung zu finden

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Von: Charlotte Borst

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Suchen und hoffen: (v.l.) Friedrich Koopmann, Alamzeb A. und Asylsozialarbeiter Boubacar Bah.
Suchen und hoffen: (v.l.) Friedrich Koopmann, Alamzeb A. und Asylsozialarbeiter Boubacar Bah. © Dieter Michalek

Eine afghanische Großfamilie sucht eine Wohnung. Das sei „besonders schwierig“, sagt Asylhelfer Friedrich Koopmann aus Unterschleißheim, der die Familie bei ihrer Suche unterstützt.

Unterschleißheim – Seit sechs Jahren sucht eine elfköpfige Familie aus Unterschleißheim eine Wohnung. Die Hoffnung hat Alamzeb A. noch nicht verloren, auch wenn er bisher kein Glück hatte. „Wenn ich sage, dass ich sieben Söhne und zwei Töchter habe, rufen Vermieter nicht mehr zurück“, berichtet der afghanische Familienvater in fließendem Deutsch. Mit seiner Frau und den neun Kindern wohnt er in der Flüchtlingsunterkunft an der Siemensstraße 1. Der älteste Sohn hat eine Ausbildung begonnen, der kleinste besucht die Kita, die anderen gehen zur Schule.

Das siebenstöckige Haus bietet auf jeder Etage zwölf Zimmer. Die Bewohner teilen sich je Stockwerk eine Küche und die sanitären Anlagen. Die elfköpfige Familie bewohnt vier Zimmer auft insgesamt 70 Quadratmetern. Essen, Spielen, Schulaufgaben machen, Schlafen – alles findet auf dem Boden statt, für Möbel ist kein Platz.

„Ein Hauptproblem ist die Wohnungssuche“

Friedrich Koopmann ist hartnäckig, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen. Seit sechs Jahren ist der 68-Jährige im Asylhelferkreis aktiv und kommt mindestens einmal in der Woche in die Unterkunft. Er unterstützt Bewohner bei Bewerbungen, gibt Nachhilfe oder Schwimmunterricht.

Vor allem um Geflüchtete aus Somalia, Syrien und Afghanistan kümmert er sich, und gemeinsam haben sie schon einiges erreicht, was Schule und Ausbildung betrifft. „Ein Hauptproblem ist die Wohnungssuche“, sagt Koopmann. Aber Hartnäckigkeit hilft: Erst neulich konnte eine vierköpfige Familie aus Eritrea nach langer Suche in eine Wohnung in Oberschleißheim ziehen. „Das Ehepaar hat auf sehr viele Anzeigen geantwortet, es hat lange gedauert und war mühsam.“ Aber irgendwann trafen sie auf den richtigen Vermieter. Koopmann versprach dem Eigentümer der Wohnung, er würde für das Ehepaar seine Hand ins Feuer legen. „Dann hat es geklappt.“

„Aus meiner Sicht braucht dieser Fall öffentliche Unterstützung“

Doch im Fall der elfköpfigen Familie wendet Koopmann sich nun an die Öffentlichkeit: „Aus meiner Sicht braucht dieser Fall öffentliche Unterstützung, denn er ist besonders schwierig.“

Alemzeb A. arbeitete in seiner Heimat Kunar im nordöstlichen Afghanistan als Lehrer an einer Schule und setzte sich dafür ein, dass auch Mädchen zum Unterricht kamen. Er besuchte Familien auf den Dörfern, um sie davon zu überzeugen, dass auch für Töchter eine Schulbildung wichtig ist. Er wurde von Taliban verfolgt und floh nach Deutschland. 2017 wurde er als Flüchtling anerkannt und holte seine Familie nach.

Seine Frau und er sind sehr um die Bildung ihrer Kinder bemüht, aber auch besorgt, weil in der Unterkunft nicht die nötige Ruhe zum Lernen herrscht. „Es ist oft laut auf den Gängen und in der Küche“, erzählt der 38-jährige Familienvater. Eine schwierige Situation, die schon zu lange dauert. Sozialwohnungen sind rar, besonders für große Familien. Er hofft, dass er auf dem freien Wohnungsmarkt eine Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnung findet. Das Jobcenter unterstützt mit Wohngeld. Gemeinsam mit Alamzeb A. und Friedrich Koopmann hofft auch Asylsozialarbeiter Boubacar Bah, dass ein kinderfreundlicher Vermieter eine Perspektive eröffnet. „Die Familie ist sehr bemüht und verdient jede Unterstützung“, sagt er.

Kontakt: Friedrich Koopmann freut sich über Ideen oder Wohnungsangebote im Raum zwischen München und Freising und leitet sie weiter: friedrich.koopmann@web.de.

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