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Mit bunten Plakaten setzten sich die Schüler für den Klimaschutz ein.

Schüler streiken

Fridays for Future: Unterschleißheim verlegt die Demo auf den Pausenhof

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Im Carl-Orff-Gymnasium in Unterschleißheim demonstrierten die Schüler für den Klimaschutz, damit schlossen sie sich dem globalen Klimastreik an.

Unterschleißheim – Plakate in allen Formen und Farben, bunt verziert, recken die Schüler vom Carl-Orff-Gymnasium (COG) in Unterschleißheim in die Höhe. Auf ihnen stehen Sprüche wie „Besser Schmetterlinge im Bauch als Mikroplastik“ oder „Das Klima verändert sich – warum wir nicht?“. Die Jugendlichen demonstrieren für besseren Klimaschutz. Aber nicht wie Tausende am Königsplatz, sondern im Innenhof der Schule. Sie haben ihr erste eigene „Fridays for Future“-Demo organisiert.

Direktor steht hinter der Pausenhof-Demo

Die Idee kam vom Direktor, doch die Schülermitverantwortung (SMV) des Gymnasiums übernahm die Vorbereitungen – und hat arbeitsreiche Wochen hinter sich.

Andreas Hautmann, Schulleiter des Carl-Orff Gymnasiums, findet, dass der Klimaschutz ein Thema ist, dass alle etwas angeht. „Ich kann die Schüler nicht alle zum Königsplatz schicken, wo die große Demo stattfindet. Das verstößt gegen unsere Aufsichtspflicht“, sagt Hautmann. Sein Vorschlag: Eine Pro-Klimaschutz-Veranstaltung auf dem Schulhof. „Es geht ja an diesem besonderen Freitag darum, sich regional für den Klimaschutz einzusetzen, also vor Ort aktiv zu werden“, sagt der Direktor.

Hunderte Schüler demonstrieren im Pausenhof

Nach der vierten Stunde war es den Schülern freigestellt, mitzustreiken oder am Unterricht teilzunehmen. Die meisten wählten die Demo. Ab 11 Uhr füllte sich der Pausenhof mit Jugendlichen aller Jahrgangsstufen. Die Schülervertreter verlangten mehr Initiative vor Ort – aber Bürgermeister Christoph Böck hielt den kritischen Fragen zur Klimapolitik der Stadt Unterschleißheim stand. „Vor einer Woche fand ein Klimaworkshop im Bürgerhaus statt. Da kamen viele Vorschläge zusammen“, ruft Böck vom Schulvordach aus per Mikro der Schülermenge zu. Ein Aktionsplan sei in Arbeit.

Den Jugendlichen ist es vor allem wichtig, Plastik zu vermeiden. Der Vorschlag der Schülersprecher: Plastik-Heftumschläge gegen Papierumschläge auszuwechseln. Eine Idee die auch dem Bürgermeister gefällt. „Es ist toll, dass auch die Schule zum Klimaschutz beiträgt“, sagt er. „Wir müssen alle unser Verhalten ändern.“

Vier-Tage-Woche für die  Schüler sei nicht machbar

Eine langfristige Lösung für die „Fridays for Future“ hat sich Direktor Hautmann noch nicht überlegt: „Für uns ist das auch alles Neuland. Man muss von Woche zu Wochen schauen, wie sich die ganze Aktion entwickelt.“ Prinzipiell habe er kein Problem damit, sporadisch Klimaschutz-Demos auf dem Schulgelände abzuhalten. Eine Vier-Tage-Woche für die Schüler sei aber nicht machbar. Der Geist von Greta Thunberg weht an diesem Tag durch den Unterschleißheimer Pausenhof. Ist sie eine Heldin? Der Bürgermeister findet: „Ja!“ Der Schulleiter sieht das anders.

Lesen Sie auch: Weltweiter Klimastreik: Vor Auftritt beim Klimagipfel - Greta sendet Gänsehaut-Botschaft

Die Meinung der Schüler:

Matilda engagiert sich in ihrer Gemeinde für den Klimaschutz.

Matilda (16)

 „Ich finde es unglaublich, dass so viele Jugendliche zur Demo auf die Straße gehen. Da herrscht einfach eine unglaubliche Stimmung. Wir kämpfen für die Zukunft, damit unsere Kinder nicht in einer Welt leben, in der man mit Atemmasken vor die Tür gehen muss. Ich bin auch im Jugendrat und setze mich für Umweltthemen ein.“

Tobias glaubt nicht, dass die Demo etwas ändert.

Tobias (17)

„Ich war noch auf keiner Klimaschutz-Demo. In Wirklichkeit bringt das auch nichts. Hier in Deutschland bestimmt die Wirtschaft, was gemacht wird, und nicht die Politik. Vor der Zukunft habe ich keine Angst, als Schüler der zwölften Klasse lebe ich im Hier und Jetzt. Heute bin ich hier, weil ich mir das Ganze mal anschauen wollte.“

Erik steht hinter der Klimaschutz-Bewegung.

Erik (16)

„Natürlich gibt es auch Leute, die die Demos zum Schwänzen nutzen. Aber der Großteil steht wirklich zu 100 Prozent dahinter. Ich gehe heute nach der Schule auch noch auf den Königsplatz zum Streiken. Über Social Media ist da eine richtig große Reichweite entstanden, die viele Leute dazu bringt, zusammen auf die Straße zu gehen.“

Isabelle war schon oft auf einer Klimaschutz-Demo.

Isabelle (16)

„Letztes Jahr war ich auf meiner ersten Klimaschutz-Demo. Das Gefühl, wenn alle für das gleiche kämpfen, ist überwältigend. Meine Eltern unterstützen mich in der Sache nicht, aber mir persönlich ist sie sehr wichtig. Ich wünsche mir, dass die Schulen tolerant mit den Demos umgehen und eine Lösung finden, dass wir weitermachen können.“

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