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Alle Verkehrsteilnehmer bald mit gleicher Berechtigung? An diesem Zukunftskonzept für die Unterschleißheimer Bezirksstraße scheiden sich die Geister.

Probelauf von Shared Space

Geschäftsleute befürchten Niedergang

  • vonAndreas Sachse
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An „Shared Space“ scheiden sich die Geister. Während die Veranstalter nach dem Probelauf am Samstag in der Unterschleißheimer Bezirksstraße den Daumen heben, lehnen Geschäftsleute das Konzept des geteilten Raumes kategorisch ab.

Unterschleißheim– „Shared Space“ sieht Radfahrer, Autos und Fußgänger als gleichberechtigt an. Auf Hinweisschilder wird bewusst verzichtet. Im Ergebnis sollen Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoller miteinander umgehen. Erfahrungen aus Städten wie Memmingen scheinen zu belegen, dass sich die Aufmerksamkeit von Autofahrern ohne Verkehrszeichen tatsächlich erhöht.

Obwohl SPD, Grüne und ÖDP als Veranstalter sichtlich bemüht waren, beim ersten Durchlauf für gute Stimmung zu sorgen, Anlieger und Passanten in den Versuch einzubeziehen, haftete die Bezirksstraße am Samstag zwischen 9 und 13 Uhr etwas von einem Endzeit-Szenario an. Schaufenster waren verhangen. Schilder mit der Aufschrift „Zu verkaufen“ standen für den Protest der Geschäftsleute.

Juwelierin warnt

„Shared Space ist unser Untergang“ hatte Juwelierin Petra Sonntag schon zu Wochenbeginn gewarnt. Sonntag ist in der Interessenvertretung der Geschäftsleute, der Werbegemeinschaft Bezirksstraße, engagiert. Hinter „Shared Space“ verbirgt sich ihrer Ansicht nach der Plan für eine Fußgängerzone. Ohne die Möglichkeit, die Läden mit dem Auto anzufahren, fürchtet Sonntag, Kunden an Internetshops und Outlet-Center zu verlieren.

Stadtrat wehrt sich gegen Schwarmalerei

Gegen diese Art der Schwarzmalerei wehrt sich Stadtrat Thomas Breitenstein (SPD): „Die wissen ganz genau, dass keine Fußgängerzone geplant ist.“ Dennoch würden Geschäftsleute die Mär von der Fußgängerzone wie eine Drohkulisse vor sich hertragen: „Das wurmt mich!“

Jolanta Wrobel (ÖDP) wundert, noch immer mit Ängsten konfrontiert zu sein, wonach Anlieger der Bezirksstraße Umbaukosten für „Shared Space“ zu tragen hätten. „Was für ein Blödsinn! Die Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) ist doch längst Geschichte.“

Zu einhundert Prozent hinter dem Konzept

Stiller Protest mit Schlagworten. So plakatierten die Geschäftsleute.

Auch Jürgen Radtke (Grüne) steht zu einhundert Prozent hinter dem Konzept. „Man wirft uns vor, wir würden keine Rücksicht nehmen.“ Dabei sei den Veranstaltern daran gelegen, die Geschäftsleute an Bord zu holen. „Shared Space erhöht den Verkehrsfluss und die Sicherheit.“ Man könne weiterhin vor Geschäften parken. Mehr Raum zum Einkaufen, zum Flanieren: „Shared Space wertet die Bezirksstraße auf.“

Edith Trausan (53) von Schreibwaren „Moll“ traut derlei Offenbarungen nicht. „Was meinen Sie, warum wir so viele Kunden ans Gewerbegebiet verlieren? Da gibt’s genug Parkplätze!“ Die Boutique, Rossmann, Kinderkleidung, der Spielwaren-Shop: Alles weg! „Hat der Müller Markt kaputt gemacht“, sagt Trausan: „Die Parfümerie und wir, wir kämpfen noch.“

Martin Birzl, Sprecher Team Agenda 21, hat Verständnis für die Nöte von Anwohnern und Geschäftsleuten. „Es ist nicht lange her, da mussten Anlieger den Umbau der Bezirksstraße finanzieren.“ Die Strabs gibt es nicht mehr. Ängste sind geblieben.

Bevor die geplante Tiefgarage auf dem Esso-Grundstück nicht fertig gestellt ist, wird aus Shared Space nichts werden. Zu wichtig ist die Parkplatz-Thematik.

Lesen Sie auch: Angst vor der Fußgängerzone: Geschäftsinhaber in Bezirksstraße protestieren am Samstag

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