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Der Neubau vom Münchner Ring aus gesehen.

Vorhaben kostet Stadt wohl bis zu 62 Millionen Euro

Kinder vor Kosten: Grundschule wird trotz Corona-geplagter Finanzlage neugebaut

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Die Kosten für den Neubau der Michael-Ende-Schule in Unterschleißheim schnellen nach oben. Die Stadträte im Bauausschuss hielten dennoch am Vorhaben fest. Die CSU wollte es aufschieben.

Unterschleißheim– Trotz der ungewissen Finanzlage, die auf die Stadt zukommt, hält Unterschleißheim am Neubau der Michael-Ende-Grundschule fest. Der Bauausschuss entschied mit 8:3, dass die Architekten weiterplanen sollen. Weil sich im Haushalt massive Einbußen abzeichnen und sich der Neubau enorm verteuert, plädiert die CSU für eine Verschiebung.

Die Planer legten jetzt die genaue Kostenschätzung vor. Die Stadt muss für den Neubau an der Münchner Straße 62 Millionen Euro investieren und einen Puffer von zehn Prozent einplanen, also Mittel von 68,2 Millionen Euro bereitstellen. Das sind 42 Prozent mehr, als im September taxiert, als man mit 43,7 Millionen rechnete.

CSU befürchtet: „Kein Geld mehr für andere Projekte“

Die CSU forderte eine Vollbremsung: „Wir sollten den Neubau auf einen Zeitpunkt verschieben, wenn wir das Geld dafür haben“, sagte Ludwig Pettinger, man sollte das bestehende Schulhaus ertüchtigen, sonst habe man „kein Geld mehr für andere Projekte“. Pettinger warnte, der Neubau würde alles verschlingen, was man auf der hohen Kante habe.

Die CSU-Position kommentierte Bürgermeister Christoph Böck (SPD) lakonisch: „Es überrascht mich nicht, aber ich bedauere es.“ Seit 15 Jahren bestehe Sanierungsbedarf, die Zahlen zeigten zudem, dass die Stadt dringend neue Schulplätze benötigen würde. Während die Schule bisher vierzügig ist, wird die neue Schule fünfzügig geplant. „Ich könnte ja noch verstehen, wenn man vorschlägt, auf die Musikschule zu verzichten“, sagte Böck „aber ein pauschaler Stopp ist unsinnig. Was sollen wir Familien sagen, die einen Schulplatz brauchen?“ Die Stadt sei in der glücklichen Lage, einige Rücklagen zu haben (77 Mio., Anm. d. Red.), „die Michael-Ende-Schule steht bei mir in der Prioritätenliste ganz oben“, betonte Böck, „dass wir sie wirklich brauchen, ist Fakt angesichts der Schülerzahlen.“

Darum steigen die Kosten so eklatant

„Ist das die neue Oppositionspolitik der CSU?“, fragte Annegret Harms (SPD). Tino Schlagintweit (Grüne) mahnte: „Was lange geplant ist, sollte man nicht über Bord werfen.“ Auch Martin Reichart (FB) sieht das so: „Die Notbremse können wir immer noch ziehen, aber nicht heute.“ Aber auch von der SPD kam Kritik. Harms bedauert, dass Schule, Hort und die Mittagsbetreuung der Nachbarschaftshilfe (NBH) eigene Räume nutzen, „schade, dass nicht mehr Möglichkeiten gefunden wurden, Räume gemeinsam zu nutzen“. Viele Zimmer stünden nachmittags leer, „für mich ist es nicht genügend ausdiskutiert“. Das Bauamt erklärte, Hort und Mittagsbetreuung stünden laut der Vorgaben eigene Räume zu, auch wenn eventuell bald die Ganztagsschule eingeführt werde. „Das Gebäude ist eine Zwischenlösung.“

Die Architekten haben ihren Entwurf grundlegend überarbeitet, als mit Musikschule, Nachbarschaftshilfe, Stadtkapelle, Sängerkreis und SV Lohhof neue Nutzer dazukamen. Die Kosten stiegen, weil der frühere Kostenüberschlag ungenau war, bei dem die Fachplaner nicht einbezogen waren. Ein weiterer Grund ist, dass die Musikräume vom Untergeschoss in die Obergeschosse verlegt wurden und daher auf der Turnhalle zwei Geschosse entstehen. Das erfordert eine stärkere Konstruktion. Die Technik habe das Bauvolumen in alle Richtungen vergrößert.

Aber es wird auch ein Batzen eingespart: 3,9 Millionen fallen weg, weil nicht in allen Bereichen eine Lüftungsanlage montiert wird, stattdessen werden automatische Fensterklappen nachts für Frischluftzufuhr sorgen. Bei Material und Gestaltung sollen weitere Einsparmöglichkeiten gesucht werden. Im nächsten Schritt untersucht die Stadt, ob sie Fördermittel erhalten könnte. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Schule im Herbst 2022 bezogen werden.

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