Das Tierheim in Unterschleißheim: zu eng, zu wenig Platz, schwierige hygienische Umstände.
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Das Tierheim in Unterschleißheim: zu eng, zu wenig Platz, schwierige hygienische Umstände.

Unterschleißheim: Hoffnung für den Tierschutzverein

  • vonAndreas Sachse
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Die Zustände im Unterschleißheimer Tierheim sind schwierig. Haus und Gelände entsprechen nicht den Anforderungen. Jetzt aber gibt es Hoffnung.

Unterschleißheim – Seit Jahren ringt der Tierschutzverein mit den Bedingungen im Unterschleißheimer Tierheim „Agneshaus“ Am Weiher. Geld für eine neue Einrichtung war bisher nicht da. Die Zustände vor Ort gelten als kritisch. Jetzt scheint eine Lösung greifbar: Bürgermeister Christoph Böck (SPD) stellt dem Verein ein neues Haus in Aussicht. „Es ist etwas Konkretes in Sicht“, sagte er beim Sommerfest des Vereins.

Ohne ins Detail zu gehen, sprach Böck von „einem neuen Tierschutzheim“, einem neuen Gebäude nebst dazugehörigem Grundstück. Zwar bedürfe die Angelegenheit noch der Zustimmung der politischen Gremien der Stadt. Eine solche Lösung aber hält Böck für ganz im Sinne der Stadträte. Die Vorsitzende des Vereins, Christine Förster, hatte auch bei dem Fest von der leidvollen Geschichte des Vereins erzählt, von den umsorgten Tiere und den überlasteten Mitarbeitern.

Wie berichtet, hatten Vertreter des deutschen Tierschutzbundes die Einrichtung in Unterschleißheim besucht und einen Mängelkatalog mit 200 Punkten erarbeitet. Für Christine Förster letztlich ein positives Ereignis, verbunden mit der Hoffnung auf Veränderung: „Sonst tut sich hier nichts“, sagte sie. Kurz darauf wagte der Verein einen Vorstoß. Der Wunsch, 100.000 Euro aus dem von der Stadt eingerichteten Bürgerhaushalt in eine neue Unterkunft investieren zu können, blieb aber unerfüllt. In dem speziellen Haushalt stehen lediglich 100 000 Euro für alle Bürger-Vorschläge zur Verfügung. „Das war zu groß“, räumt Förster heute ein, „zu unspezifisch.“

Im laufenden Jahr hat der Verein eine Quarantänestation für Fundtiere beantragt. „Eine dringend nötige Verbesserung“, wie Förster sagte. Und die Aussichten sind nicht schlecht: „Wir sind oben auf der Liste.“

Der Verein erhält rund 3000 Euro jährlich von der Stadt, die zudem gesetzlich verpflichtet ist, Veterinärkosten innerhalb der ersten 28 Tage nach Aufnahme eines Tieres zu tragen. „Das ist nicht viel, aber es ist okay“, sagte Förster. Ohne Spenden aber läuft nichts. Für Förster eine schwierige Situation. Manchmal schäme sie sich angesichts der Zustände auf dem Grundstück, sagt sie. Etwa dann, wenn finanziell gut gestellte Menschen Geld gäben und sie sie dann durch die Anlage führen müsse.

Obwohl die Lage mit gegenwärtig 30 Katzen entspannt ist, teilen sich Tier und Mensch im Agneshaus eine Küche. Schräg über der Badewanne ruht die Waschmaschine. Die wenigen Räume des Hauses, das nie ein Tierheim hätte werden sollen, sind trotz der Enge mithilfe von Draht in noch engere Gehege unterteilt. „Da musst Du kreativ sein und handwerklich was drauf haben“, sagte Vereins-Vize Sascha Allwein. „Es gibt keine gerade Wand.“ Auch keine Fliesen. „Desinfizierbar ist das natürlich nicht.“ Die Katzenklos sind gereinigt, die Fressnäpfe gut gefüllt und blitzblank. Dennoch stinkt es. „Überall pappt Zeugs an der Wand“, konstatierte Förster. Das Haus müffelt feucht – was auch an den viel zu kleinen Fenstern liegen mag. „Lüftungstechnisch ist das ein Debakel.“

Der junge Kater, genannt Wino Winowsky, springt derweil das Gitter hoch. Er freut sich tierisch über jeden Besuch. Wenn ihm danach ist, kann er jederzeit hinaus, durch eine Klappe ins Freigehege. Lieber aber streicht er um jedes einzelne Bein seiner Besucher. Für Christine Förster besitzt jedes Tier einen Charakter. Mit bescheidenen Möglichkeiten ist sie bemüht, es den Tieren behaglich zu machen. „Und wenn es nur ein alter Plastikstuhl ist, über den wir ein Handtuch werfen.“ Sie nennt das „waschbare Wohnlichkeit“ und schiebt hinterher: „Es muss ja weiter gehen.“

Unter diesen schlechten Umständen aber vielleicht nicht mehr allzu lange.

Kontaktdaten

Das Tierschutz-Notruftelefon ist zu erreichen von Montag bis Sonntag in der Zeit von 10 Uhr bis 12 Uhr und von 15 Uhr bis 20 Uhr, unter Tel. 0162/322 95 55. Auch per Mail an info@tierschutzverein-schleissheim.d. Spenden bitte an: Raiffeisenbank München-Nord. IBAN: DE02 7016 9465 0002 6200 22 BIC: GENODEF1M08 (an)

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