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„Das ist etwas sehr Kostbares“: Diethart Zimmermann steht Sterbenden zur Seite.

Ein neuer Kurs zur Ausbildung startet demnächst

Gesprächspartner am Sterbebett: Hospizbegleiter berichten von ihrer Arbeit

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Hospizhelfer begleiten Sterbende in den letzten Zügen ihres Lebens. Und das ist gut. Denn viele treiben Erinnerungen oder gar Schuldgefühle um, über die sie so sprechen können. 

Unterschleißheim Wenn sich der Tod im Leben einstellt, ist es gut, nicht allein zu sein. Für einem Menschen in seinen letzten Monaten, Tagen, Stunden Ansprechpartner zu sein, das haben sich Hospizhelfer zur Aufgabe gemacht. Sprechen wollen Sterbende nämlich über einiges. In Unterschleißheim bietet die Gruppe „Wegwarte“ nun wieder ein Grundseminar für Ehrenamtliche an, die zuhören und da sein wollen, wenn sich das Leben dem Ende neigt.

Diethart Zimmermann ist einer von 13 Hospizhelfern in der Stadt. Der 77-Jährige besucht überwiegend Patienten im örtlichen Seniorenzentrum „Haus am Valentinspark“, aber auch zuhause in privater Umgebung. Einmal pro Woche macht sich Zimmermann auf den Weg zu Schwerkranken oder Sterbenden.

Hospizhelfer bringen wichtige Fähigkeiten mit ans Sterbebett

„Es muss sich erst eine Beziehung aufbauen.“ Diethart Zimmermann hat helle blaue Augen, sein Blick ist ruhig, während er respektvoll von der Nähe berichtet, die sich zu den Sterbenden einstellt. „Das ist etwas sehr Kostbares.“ Aufmerksamkeit, Offenheit, Gelassenheit sind Fähigkeiten, die Zimmermann ans Sterbebett mitbringt. Über das, was war und vielleicht noch kommt, zu sprechen, Leid und Angst auszuhalten, dazu hat ihn die sechsmonatige Ausbildung befähigt.

„Erinnerungen kommen auf, auch Konflikte und Schuld sind ein großes Thema am Lebensende“, sagt Verena Gräfin von Plettenberg (59), eine der beiden Ausbilderinnen. Auf solche Situationen werden die Helfer vorbereitet. „Die Patienten spüren, da ist jemand, der keine Berührungsängste hat.“

Als Hospizhelfer geeignet? „Das kann man herausfinden“

Ein Grundseminar über drei Abende ist der erste Schritt: „Da kann man herausfinden, ob Hospizbegleitung etwas für mich ist“, sagt Verena von Plettenberg. Danach finden Eignungsgespräche mit den Kursleiterinnen statt. Wer sich weiter einlassen möchte, durchläuft ein viermonatiges Aufbauseminar im Landratsamt. Die Kosten trägt der Landkreis.

Bilden die Hospizbegleiter aus: Verena Gräfin von Plettenberg (l.) und Petra Meyer-Miethke.

Die Ausbildung und Praxis hätten ihn selbst sehr verändert und bereichert, sagt Zimmermann, „das ist sehr spannend“. Gespräche mit Angehörigen nach dem Tod eines Patienten seien einfacher geworden: „Hemmungen sind weg. Es entstehen automatisch gute Gespräche.“

Kerstin Kubo koordiniert die Einsätze der Hospizbegleiter in Unterschleißheim und Garching. Sie macht Erstbesuche bei den Patienten und arbeitet eng mit den Seniorenheimen zusammen. In schwierigen Situationen gibt sie Hospizhelfern Rat. Einmal im Monat sprechen die Ehrenamtlichen über ihre Erfahrungen und bekommen viermal im Jahr Supervision. „Wir sind keine Einzelkämpfer“, sagt Zimmermann, der inzwischen stellvertretender Vorsitzender der Hospizgruppe Wegwarte ist.

„Die elektronischen Geräte standen plötzlich still, das war’s“

Die beiden Kursleiterinnen begleiten seit über 25 Jahren Menschen am Lebensende. Petra Meyer-Miethke (69) berichtet von ihrer Motivation. Ihre drei Kinder waren damals noch klein, als eine Freundin, die selbst Mutter von zwei Kindern war, bei einem Autounfall schwer verletzt wurde. Die Familie rechnete mit ihrem Tod, erzählt die 69-Jährige. Vor ihrem ersten Besuch auf der Intensivstation, musste Meyer-Miethke lange ausharren, bis ein Arzt sie mit Mundschutz und Kittel ans Krankenbett ließ.

Dann kam sie täglich und erlebte, wie Patienten im Saal allein und unbeachtet starben. „Die elektronischen Geräte standen plötzlich still, das war’s. Irgendwann kam eine Schwester und deckte den Körper mit einem weißen Tuch ab.“

So einsam aus dem Leben zu scheiden – „das kann doch wohl nicht sein“, sagte sie sich. Ihre Freundin überlebte. Sie selbst schloss sich dem Christopherus Hospizverein an. „Ich habe gemerkt, dass das Thema Hospizbegleitung für mich eine Berufung ist“, sagt sie. „Das Leben ist nicht einfacher geworden mit dieser Thematik, aber viel interessanter und ehrlicher.“

Neue Schulung:

Dienstag, 25. Juni, Mittwoch, 3. Juli, Donnerstag, 4. Juli, jeweils 17 bis 21 Uhr, Familienzentrum, Alexander-Pachmann-Straße 40. Das landkreisübergreifende Aufbauseminar erstreckt sich über 15 Termine von Oktober bis Januar und findet in einer Außenstelle des Landratsamtes an der Nockherstraße in München statt.

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