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Mädchen an die Maschinen: So werben Firmen um weiblichen Nachwuchs

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Von: Laura May

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Mädchen in einer Werkstatt der Linde GmbH
Probieren geht vor Studieren: Die Mädchen arbeiten in den Werkstätten der Linde GmbH an eigenen Werkstücken. © Robin Lauerer

Immer noch gibt es kaum Frauen in technischen Berufen. Das soll sich durch gezielte Bildungsprojekte wie dem Technik-Camp der Linde GmbH Unterschleißheim bald ändern.

Unterschleißheim – In den Vorlesungssälen technischer Universitäten sitzen oft wenig Frauen. Das ändert sich nur sehr langsam. Eine Reihe an Bildungsprojekten, wie etwa das Technik-Camp für Mädchen mit der Linde GmbH in Unterschleißheim, versucht, junge Frauen deshalb für die sogenannten MINT-Berufe, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, zu begeistern.

An zwei Tagen konnten Schülerinnen zwischen zwölf und 14 Jahren bei dem Gas-Giganten Linde in Unterschleißheim in technische Berufe hineinschnuppern und sogar an eigenen Werkstücke praktische Erfahrungen sammeln. „Mir hat es einerseits gefallen, meinen eigenen Elektromotor bauen zu dürfen und zum anderen hat es mir gefallen, den anderen Mädchen beim Bau ihres Motors zu helfen“, erzählt eine Teilnehmerin nach dem Camp.

Weniger als ein Viertel Frauen im Lehrsaal für Informatik

Dass die Bemühungen durchaus Brisanz haben, geht aus Zahlen der LMU hervor. So konnte etwa in den letzten zehn Jahren der Anteil der Informatik-Studentinnen nur um fünf Prozent auf 21 Prozent gesteigert werden. Bei Ingenieurwissenschaften sind es nur 24 Prozent. Dabei gibt es gerade in der MINT-Branchen gute Berufsaussichten.

Die Bildungsinitiative „Technik - Zukunft in Bayern 4.0“ organisiert 16 praxisnahe Bildungsprojekte vom Kindergartenalter bis zum Berufseinstieg. Seit über 20 Jahren setzt sie sich mit Bildungsangeboten für die Nachwuchsförderung ein. Jährlich gibt es rund 100 Veranstaltungen mit über 10 000 Teilnehmern.

Metallindustrie ist auf weiblichen Nachwuchs angewiesen

Mädchen auf Fabrikgelände mit gelben Westen
Die Fragen der Teilnehmerinnen beantwortete Ausbilder Richard Zieglmeier (l.) bei einem gemeinsamen Rundgang über das Linde-Gelände in Unterschleißheim. © Robin Lauerer

Die Branche braucht die Tüftlerinnen der Zukunft und setzt sich deshalb für sie ein. Gefördert wird die Initiative von den Arbeitgeberverbänden der Metall-und Elektroindustrie, dem Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und zahlreichen Kooperationspartnern wie den Firmen Bosch oder Knorr sowie diversen Hochschulen.

Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände, Bertram Brossardt bestätigt die Relevanz der Camps: „Um im internationalen Wettbewerb weiterhin einen Spitzenplatz einzunehmen, brauchen die bayerischen Unternehmen auch in Zukunft hochqualifizierte Nachwuchskräfte.“ Dass es nicht allein um Gleichberechtigung gehe, sondern die Förderung junger Frauen in technischen Berufen auch gut fürs Geschäft ist, bekräftigt auch Gabriele Engl, Leiterin Ausbildung bei der Linde GmbH: „Ein expliziter Fokus auf mehr Vielfalt sowie ein höherer Frauenanteil in unserem Unternehmen helfen dabei, erfolgreicher zu sein und nachhaltige Lösungen für die Zukunft zu finden.“ Ihr selbst habe der Werdegang über MINT spannende Berufsperspektiven eröffnet, deshalb wolle sie sich dafür einsetzen jungen Frauen die Einstiegsbarrieren in technische Berufe einzuebnen.

Feriencamp fördert nicht nur technische Fertigkeiten

Neben den technischen Fertigkeiten sollten bei dem Feriencamp auch soziale und pädagogische geschärft werden. „Das Ferienprojekt stärkt nicht nur die Technikkompetenz, sondern trainiert auch Teamwork, Eigenverantwortung und Kommunikationsfähigkeit“, ergänzt Madlen Rast, Projektleiterin von „Technik – Zukunft in Bayern 4.0“.

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