Die Michael-Ende-Schule in Unterschleißheim soll neugebaut werden.
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Eine schier unendliche Geschichte: In fünf Jahren hat der Stadtrat 22 Mal über den Neubau der Michael-Ende-Schule beraten. Nun gibt es einen Kostendeckel: 50 Millionen Euro. (Archivbild)

„Sehr ambitionierten Terminplan“

Abspecken an der Michael-Ende-Schule: Stadt muss 20 Millionen einsparen

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Beim Neubau der Michael-Ende-Grundschule muss die Stadt Unterschleißheim sparen. 20 Millionen Euro müssen gestrichen werden. Zudem gibt‘s jetzt eine Kostengrenze.

Unterschleißheim – Die Stadt Unterschleißheim muss sparen. Beim Neubau der Michael-Ende-Grundschule will sie 20 Millionen Euro abspecken. Nachdem die Kosten auf 70,7 Millionen explodiert waren, denkt die Stadt um und setzt sich eine Kostengrenze von 50 Millionen Euro.

22 Mal haben die Stadträte über den Neubau innerhalb der vergangenen fünf Jahre diskutiert. Zwischendurch wollten sie Wohnungen auf dem Dach bauen, dann wurden Räume für Musikschule und Stadtkapelle integriert, die Kosten stiegen. Mit der Corona-Krise kam das Umdenken. Einige Stadträte wollten die Neubaupläne vorerst ganz fallen lassen. In den Haushaltsberatungen einigte sich der Stadtrat auf einen neuen Kurs: Die Schule wird gebaut, 50 Millionen Euro müssen aber reichen.

„Sehr ambitionierten Terminplan“

Die Architekten haben inzwischen drei Millionen Honorar für Planungen erhalten, die jetzt stark überarbeitet werden, was wiederum Geld kostet. Bürgermeister Christoph Böck (SPD) will das Projekt vorantreiben, auch die Architekten ziehen mit und legten einen „sehr ambitionierten Terminplan“ vor.

Der Grundstücks- und Bauausschuss lässt die Planer verschiedene Sparpotenziale untersuchen. Ein wesentlicher Punkt ist die Idee, das Schulkonzept zu ändern. Die Landeshauptstadt München und das bayerische Sozial- und Kultusministerium haben das Modellprojekt „Kooperative Ganztagsbildung“ entwickelt, bei dem Lehrer und Sozialpädagogen in einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft eng zusammenarbeiten und das gesamte Schulgebäude nutzen. Eltern können flexibel tage- oder stundenweise eine Betreuung für ihr Kind bis spätestens 18 Uhr buchen. Dabei gibt es keine Mindestbuchzeit, auch in den Ferienzeiten können sich Eltern auf Betreuungsangebote verlassen.

Hat der Sozialausschuss beim Schulkonzept ein Wörtchen mitzureden?

Hort und Mittagsbetreuung würden bei diesem Konzept in ihrer bisherigen Form auf lange Sicht wegfallen. Für beide Einrichtungen waren bisher eigene Räume vorgesehen, die sich dann erübrigen würden. Das Personal könnte berufsbegleitend geschult werden und in den kooperativen Ganztag wechseln.

Allerdings ist noch keine Entscheidung gefallen, auch der Sozialausschuss hat beim Schulkonzept ein Wörtchen mitzureden. Geprüft wird auch, ob die derzeit 47 Tiefgaragen-Stellplätzen und Lagerflächen im Untergeschoss verringert werden können. Bisher sollen Musikschule und Stadtkapelle im Gebäude integriert werden, nun wird erwogen, ob diese externen Nutzer eventuell in einem späteren Bauabschnitt berücksichtigt werden. Eventuell könnte die Musikschule später auf die Turnhalle aufgestockt werden. Ein weiterer Ansatz ist, die Klassenzimmergröße von 75 auf 68 Quadratmeter zu reduzieren.

„Das ist nicht schön, aber...“

Im Mai wollen die Planer die Zwischenergebnisse vorstellen. Wenn zügig Beschlüsse gefasst werden, kann im Januar 2022 die alte Turnhalle abgerissen und die Baustelle eingerichtet werden. Läuft alles nach Plan, wäre derNeubau spätestens 2025 fertig.

Brigitte Weinzierl (CSU) adressierte die Bitte, dass die alte Turnhalle nach Möglichkeit erst nach Ostern abgerissen werden sollte: „Hallen werden in Unterschleißheim besonders im Winter benötigt.“ Die Grundschüler werden in der Bauphase zum Sportunterricht mit dem Bus in die FOS/BOS gefahren. „Das ist nicht schön, aber wenn wir Geld sparen wollen, können wir nicht immer das Beste vom Besten machen“, sagte Böck.

Jürgen Radtke (Grüne) kommt der Zeitplan „wie ein wilder Ritt“ vor, den man „nie und nimmer“ einhalten könne, zumal über das Schulkonzept mit allen Seiten gesprochen werden müsse. Böck entgegnete: „Wir beschließen nichts, wir beginnen die Untersuchungen.“ Man sollte parallel arbeiten, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

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