+
Einen Weg aus der Schuldenfall zeigt Sonja Hausner dos Santos (l.) von der Caritas Tanja Hübner auf – eine von 1500 Betroffenen, die sich voriges Jahr beraten ließ.

Hilfe fand sie bei der Schuldnerberatung der Caritas

Mit dem Krebs wuchsen die Schulden: Betroffene spricht offen über ihre Situation

  • schließen

Tanja Hübner hat das Schicksal übel mitgespielt. Erst ein kurzfristiger Kredit, dann die Schockdiagnose Krebs - die Schulden wuchsen. Heute spricht sie offen über ihre Situation.

Unterschleißheim – Ein Kredit, den sie nicht mehr bezahlen kann, Leasingverträge für die Autos der Söhne und dazu die Schockdiagnose Krebs: Vom Schicksal gebeutelt und wegen der Liebe zu ihrer Familie ist Tanja Hübner in die Schuldenfalle geraten. Mehrere Tausend Euro ist sie in den Miesen, kann den Betrag trotz eines festen Jobs nicht abbezahlen. Verzweifelt hat sie sich an die Caritas gewandt, um eine Lösung zu finden.

Ihr geht es wie immer mehr Menschen im Landkreis, fast 1500 Menschen sind im vergangenen Jahr zur Schuldnerberatung der Caritas gegangen. Tanja Hübner ist eine von ihnen. Uns erzählt die Frau aus dem nördlichen Landkreis ihre Geschichte. Weil ihr ihre Situation nach wie vor unangenehm ist, wurde ihr Name geändert.

Die finanziellen Nackenschläge häufen sich innerhalb weniger Monate

Angefangen hat das Dilemma 2014 mit dem Tod der Mutter. Bis dahin habe die alleinerziehende Kassiererin, die „eigentlich nicht schlecht“ verdient, ihr Leben gut gemeistert. „Und plötzlich ist man ein paar Tausend Euro im Minus“, beschreibt sie. Der Tod der Mutter kam unerwartet, es war nichts vorbereitet. Ein Kredit für die Beerdigung musste her. Schnell. Die Ratenzahlung an die Bank war anfangs kein Problem.

Auch die Leasingverträge für die Autos der Söhne nicht. Dann der zweite Rückschlag: Einer der Söhne ist von heute auf morgen arbeitslos, staatliche Unterstützung gibt es nur wenig, Hübner verdient zu gut. Der dritte Schock lässt nicht lange auf sich warten: Diagnose Lungenkrebs. 2015 wird Hübner operiert, ist acht Monate krankgeschrieben. „Am Ende des Jahres haben fast 6000 Euro gefehlt. Das hat mich aus der Bahn geworfen“, sagt sie.

„Ich habe Schulden gemacht, die bezahl’ ich auch.“

Trotzdem versucht die 55-Jährige die Situation zu meistern. „Ich habe Schulden gemacht, die bezahl’ ich auch.“ Dabei hofft sie auf Verständnis der Bank, schildert unter Tränen die Situation und bittet, die monatlichen Raten zu reduzieren. Vier Stunden dauert das Gespräch. Das Ergebnis: „Sie haben mich so lange bearbeitet, bis die Raten noch höher waren.“

Hübner kann die Überschuldung nicht mehr verhindern. „Ich hatte teilweise kein Geld für Lebensmittel.“ Trotzdem sei Privatinsolvenz nie eine Option gewesen. Doch das Geld langt nicht. Sie weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Hübner leidet, das Verhältnis zu den Söhnen, die sie immer so gut es geht unterstützt hat, ebenfalls. Sie bekommt Depressionen.

Im Oktober 2017 wendet sie sich verzweifelt an die Caritas in Unterschleißheim. Hübner vertraut sich Sozialpädagogin Sonja Hausner dos Santos an, erklärt, wie es so weit kommen konnte. Oft unter Tränen. Auch heute geht ihr das Geschehene noch spürbar nahe. Es fällt ihr schwer, darüber zu sprechen.

Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Trennung befeuern die Verschuldung

Hübners Geschichte steht fast schon exemplarisch dafür, wie Menschen in die Schuldenfalle geraten. „Es geht häufig um die Familie“, erklärt Hausner dos Santos, „da bezahlt man auch mal eine Rechnung oder nimmt einen Kredit auf.“ Kommen plötzliche Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Trennung dazu, überschulden sich viele. Bei Hübner war es der Krebs.

Doch seit vergangenem November darf Hübner auf ein Ende ihrer Überschuldung hoffen. Nach langer Verhandlung mit der Bank, ist eine Lösung gefunden. In 60 Raten zahlt sie in den nächsten fünf Jahren die verbliebenen Schulden zurück. „Das Hauptaugenmerk liegt auf der Existenz: Miete, Strom, Essen, das Ticket für die Fahrt zur Arbeit. Dann schauen wir, welche Raten machbar sind“, erklärt Hausner dos Santos. Viel kann Hübner nicht zahlen – doch damit dieses Bisschen klappt, isst sie weniger als früher.

Sie nimmt die Umstellungen gerne in Kauf, wenn sie dafür nicht um ihre Existenz bangen muss. Sie ist froh, sich an die Caritas gewandt zu haben, empfiehlt diesen Schritt weiter – auch wenn er sehr peinlich gewesen sei. Nicht gut zu sprechen ist die 55-Jährige auf die Bank. „Was die gemacht haben ist eine Frechheit. Da sitzt ein Mensch, der seine Schulden bezahlen will.“ Sie ist sich sicher: „Hätten sie mir nur ein bisschen niedrigere Raten bewilligt, wäre das nicht passiert.“

Sie hofft, so bald wie möglich mit dem Thema abschließen zu können. Etwas Unvorhergesehenes darf aber nicht passieren. Ausgerechnet jetzt ist der Krebs zurück.

Caritas Schuldnerberatung

Die zentrale Anlaufstelle für die Schuldnerberatung der Caritas im Landkreis München ist in Ottobrunn, Putzbrunner Straße 11a. Kontakt unter Tel. 089/60 85 20  34 oder Mail an schuldnerb-tfk@caritasmuenchen.de. Auf der Homepage der Caritas (www.caritas.de) ist es zudem möglich, sich online beraten zu lassen.


Lesen Sie auch: Liebesengel für das späte Glück: Diese Frau spielt Amor für alle über 50

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

FDP Hohenbrunn will Politik im Sinne von Jimmy Schulz machen
Der Verlust des Jimmy Schulz wiegt schwer. Die FDP Hohenbrunn will nun Politik im Sinne ihres verstorbenen Gemeinderats machen. Dessen Sohn steht auf der Liste für die …
FDP Hohenbrunn will Politik im Sinne von Jimmy Schulz machen
Große Übersicht: Alle Christkindlmärkte im Landkreis am dritten Adventswochenende
Auch am dritten Adventswochenende laden überall im Landkreis München die Christkindlmärkte zum Einkaufen und Glühweintrinken ein. Wo was geboten ist, erfahrt ihr hier.
Große Übersicht: Alle Christkindlmärkte im Landkreis am dritten Adventswochenende
Die Täter kamen mit Gas: Geldautomat in Oberschleißheim gesprengt
Die Polizei sucht dringend Zeugen: Maskierte Täter haben in Oberschleißheim einen Geldautomaten gesprengt.
Die Täter kamen mit Gas: Geldautomat in Oberschleißheim gesprengt
Er prägte eine ganze Gemeinde: Trauer um Unternehmer-Legende Friedrich Martin Ruf
Friedrich Martin Ruf hat Höhenkirchen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt wie kaum ein anderer. Nun ist er mit 92 Jahren gestorben
Er prägte eine ganze Gemeinde: Trauer um Unternehmer-Legende Friedrich Martin Ruf

Kommentare