Aufgeschnitten: eine der Drahthosen.
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Aufgeschnitten: eine der Drahthosen. 

Sabotage am Moosweiher

Falsche Tierliebe? Unbekannter schneidet Biber-Bissschutz auf

  • Günter Hiel
    vonGünter Hiel
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Schon wieder hat jemand die Baumschutzmaßnahmen am Unterschleißheimer Moosweiher am Furtweg sabotiert. Und damit das friedliche Zusammenleben von Mensch und Biber gefährdet.

Unterschleißheim – Der Unbekannte hat Gitterdrahthosen aufgeschnitten, die gefährdete Bäume vor Biberverbiss schützen sollen, meldet Birgit Annecke-Patsch vom Bund Naturschutz. Sie ist empört: „In wessen Interesse liegt es, gute Artenschutzarbeit zu sabotieren und eine friedliche Koexistenz von Mensch und Biber zu zerstören?“ Falls ein Tierschützer gemeint habe, dem Biber hier etwas Gutes zu tun, so irre der gewaltig.

Biber findet genug Nahrung

Durch vorbildliche Zusammenarbeit zwischen der Stadt Unterschleißheim, dem Bund Naturschutz und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises München seien am Weiher rund 50 gefährdete Bäume fachkundig durch die Drahthosen gesichert worden. Auch ohne diese Großbäume finde der Biber immer noch genug Nahrung, sagt Annecke Patsch. Der Fichtenforst am Weiher werde nämlich zu einem gewässertypischen Laubmischwald umstrukturiert. „Eine begrüßenswerte Entwicklung.“ Die dürfe nicht durch falsch verstandene Tierliebe sabotiert werden.

Angenagte Bäume könnten auf Spaziergänger fallen

Nach einer ähnlichen Aktion im März 2019 hatte die Stadt Unterschleißheim gewarnt: Das Verschieben der Drahthosen könne unter Umständen gefährliche Konsequenzen haben. Die angenagten Bäume könnten auf den Gehweg oder die Straßen im Furtweg und Am Weiher sowie auf die Fußpfade nördlich des Weihers fallen – und dort schlimmstenfalls Fußgänger erwischen.

Kabelbinder durchgeschnitten

„Vor einiger Zeit hatte jemand die Drahthosen um die Bäume hochgeschoben und mit Hölzern verkantet, sodass der Biber gemütlich unten durchschlüpfen und seiner Nagetätigkeit nachgehen kann“, sagte Birgit Annecke-Patsch. Der ursprüngliche Zustand wurde wiederhergestellt. Jetzt wurden die Kabelbinder, mit denen die Drahthosen um die Bäume zusammengehalten werden, durchgeschnitten, sodass einige Bäume jetzt gänzlich ohne Schutz sind. „Wer tut so was und warum“, fragt die Sprecherin des Bund Naturschutz.

Sensibles Gleichgewicht

Die Gitterdrahthosen sollen gefährdete Bäume vor Biberverbiss schützen und dem seinerseits streng geschützten Tier somit die Chance auf eine gute Nachbarschaft mit den Anwohnern am Furtweg möglich machen: Lebensraum für den Biber am Weiher auf der einen Seite, Erhaltung der Erholungsqualität und, ganz wichtig, Verkehrssicherheit auf der anderen Seite. „Für alle eine Win-win-Situation: ein Stückchen wilde Natur und Zivilisation auf engstem Raum“, sagt Annecke-Patsch. Das dürfe der Saboteur nicht gefährden. 

Auch am Feringasee in Unterföhring nagt der Biber

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