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Der 70 Meter hohe Wohnturm mit 18 Geschossen und einem Lokal ganz oben war Ziel des Zorns.

Neues Viertel in Unterschleißheim

Wegen Protest der Bürger: Wohnturm schrumpft - so hoch soll er jetzt werden

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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An dem Konzept für ein neues Viertel in Unterschleißheim haben Bürger lautstark Kritik geübt. Mit ihrem Protest hatten sie Erfolg: Der Wohnturm  schrumpft.

Unterschleißheim – Leidenschaftliche Reaktionen haben die Pläne für das Unterschleißheimer Wohnviertel an der Landshuter Straße hervorgerufen. Rund 200 Bürger kamen zur ersten Präsentation. Ihr Zorn konzentrierte sich auf das 18-geschossige, 70 Meter hohe Wohnhochhaus, in dem vor allem Ein-Zimmer-Apartments geplant sind. Inzwischen hat der Investor die Kritik aufgegriffen: Das Hochhaus wird auf unter 50 Meter beschränkt.

Der Auftakt der Bürgerbeteiligung verlief turbulent. Zunächst stellten Stephan Hof, Geschäftsführer der Business Campus GmbH – eine Tochter von DV Immobilen –, Architekt Gernot Vallentin und Bürgermeister Christoph Böck (SPD) im Lokal „Freiraum“ ihre Ideen vor. DV Immobilien und Stadt planen auf dem Parkplatz zwischen den Gewerbebauten des Business Campus und der 50 Meter entfernten Weihersiedlung ein innovatives Wohnquartier. Von der etwa drei Hektar großen Fläche ist rund ein Drittel im Eigentum der Stadt, so dass auch kommunale Wohnungen geschaffen werden.

Neues Viertel: Architekten wollen Bürger früh einbinden

Detailliert fragten die Eigentümer der Reihenhäuser am Fastlingerring nach, verlangten eine konkrete Höhenangabe für den Wohnturm und äußerten lautstark Entrüstung, als die 70 Meter genannt wurden.

Einen Vorgeschmack auf die zu erwartende Hochhaus-Debatte gab die Diskussion mit den Anwohnern der Weihersiedlung.

Warum die Bevölkerung nicht schon vor dem Architektenwettbewerb einbezogen worden sei? Wieso ihnen der zweite Sieger des Architektenwettbewerbs vorenthalten werde? Man wolle eine Alternative sehen. Stephan Hof antwortete: „Es ist wichtig, dass man den Architekten die Ziele klar vermittelt. Daran schließt sich die Bürgerbeteiligung an, sonst bekommt man Konzepte, hinter denen man selbst nicht steht.“

Neues Viertel: Gibt‘s einen Bürgerentscheid?

Alfred Biller, Mitinitiator der Bürgerinitiative „Stadt mit Maß“, die für eine harmonische Stadtplanung eintritt, fragte den Bürgermeister: „Wird es über dieses erhebliche Projekt einen Bürgerentscheid geben, den die Stadt initiiert?“ – Darauf antwortete Böck lakonisch: „Wenn der Stadtrat das will.“

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Ebenso wie Hof forderte er die Zuhörer auf, Anregungen und Kritik zu äußern. Im Anschluss füllten viele ausgelegte Zettel aus. Auch online ist eine Beteiligung weiterhin möglich auf der Webseite www.wohnviertel.mitsprechen.com.

Nun reagieren Investor und Stadt eine Woche später auf die Kritik. Christian Bretthauer, Geschäftsführer der DV Immobilien, und Bürgermeister Böck gaben gestern in einer Mitteilung der Stadt bekannt, dass das Hochhaus auf unter 50 Meter gekappt wird. Das übrige Konzept – autofrei mit verbundenen Dachgärten und Gemeinschaftsräumen – bleibt erhalten.

Neues Viertel: Anwohner werfen Investoren vor, Zahlen zurückzuhalten

Auch dem Vorwurf der Anwohner, es würden Zahlen zurückgehalten, begegnen Investor und Stadt: Sie geben umfassende Informationen auf der Webseite www.wohnviertel.mitsprechen.com. Am 13. September lädt die Stadt zu einer weiteren Veranstaltung ins Bürgerhaus ein.

Der Konflikt um die Nachverdichtung entbrannte schon im Herbst 2018 an den drei Parkhäusern am Emmy-Noether-Weg, von denen eines acht Geschosse hat und im Sichtfeld der Anwohner ist. Im Anschluss belebten diese die Bürgerinitiative „Stadt mit Maß“ neu: Sie war 2012 mit einem Hochhaus-Bürgerentscheid erfolgreich. Die Bürger hatten sich mehrheitlich für eine Höhenentwicklung von maximal 50 Metern ausgesprochen.

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