+
“Saugefährlich“: An der Bahnunterführung kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen.

„Eine Maßnahme reicht nicht, es braucht ein ganzes Bündel“

Nach Unfällen in dieser Unterführung: So will die Stadt die Geisterradler einbremsen

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
    schließen

Mindestens zwei Unfälle haben sich an der Bahnunterführung Bezirksstraße/ Hauptstraße ereignet. Geisterradler sorgen immer wieder für gefährliche Situationen. Damit soll jetzt Schluss sein.

Unterschleißheim – Mit einem Bündel von Maßnahmen geht Unterschleißheim gegen Geisterradler im gesamten Stadtgebiet vor. Der Fokus liegt aber auf der Bahnunterführung Bezirksstraße/ Hauptstraße, wo es immer wieder zu gefährlichen Situationen durch Geisterradler kommt. Es gab mindestens zwei schwere Unfälle, weil Fahrradfahrer die Unterführung entgegen der Fahrtrichtung durchquerten. Die Problematik wird in der Öffentlichkeit diskutiert, seit der Tunnel vor zweieinhalb Jahren eröffnet wurde. Ab Frühjahr 2021 soll eine Kampagne die breite Bevölkerung sensibilisieren.

Und nicht nur das: Piktogramme und Pfeile auf den Radwegen werden erneuert. An den Einfahrten werden zwei „Radfahrer verboten“-Verkehrszeichen aufgestellt. Die Stadt wird Gespräche mit Polizei und kommunaler Verkehrsüberwachung führen, damit es mehr Kontrollen gibt und Geisterradler gestoppt und bestraft werden.

Situation an Unterführung „saugefährlich“

„Eine Maßnahme reicht nicht, es braucht ein ganzes Bündel“, sagte Bürgermeister Christoph Böck (SPD) im Umwelt- und Verkehrsausschuss. Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen hat ergeben, dass bis zu 20 Prozent der Radfahrer auf Radwegen entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung fahren. Forschungsergebnisse und Unfallstatistiken zeigen, dass rund zehn Prozent der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern durch Geisterradeln provoziert werden. Das Fahren gegen die Fahrtrichtung zählt damit zu den Hauptunfallursachen im Radverkehr.

Die Situation an der Bahnunterführung nannte Bernd Knatz (ÖDP) „saugefährlich“, er appellierte an die Verwaltung, „eindringlich auf Polizei und Kommunale Verkehrsüberwachung einzuwirken“. Denn bisher sind die kommunalen Ordnungshüter gegenüber Radfahrern zurückhaltend, „dabei geht es eher um ihre eigene Sicherheit“, sagte Böck.

Das Ziel: langfristige Verhaltensänderung

Martin Reichart (FB) sieht die geplante Kampagne skeptisch: „Man erreicht die, die sich sowieso vernünftig verhalten. Aber diejenigen, die den dramatisch kürzeren Weg nehmen, werden wir nicht erreichen.“ Mit Einbahnstraßen-Schildern werde man vielleicht eher diejenigen stoppen, „die schlecht sehen oder nicht gern sehen“. Deswegen sollte man die Kampagne durch stärkere Strafverfolgung flankieren.

Lesen Sie auch: Roland Schreitter von der Freien Bürgerschaft hat den Geisterradlern den Kampf angesagt

Thomas Breitenstein (SPD) berichtete von guten Erfahrungen in der Stadt München, hier seien die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung speziell für den Kontakt mit Radfahrern geschult worden: „Die meisten Radler geben ihre Personalien an, wenn sie gestoppt werden, und zahlen die Strafe.“

Die neue Fahrradbeauftragte Alisa Utz wird die Kampagne nach dem Konzept der Erfurter Fachhochschule starten, „um auch langfristig auf eine Verhaltensänderung hinzuwirken“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Etappe 3 der „Tour de Landkreis“: Auf den Spuren des Militärs und der Politik
Für den Urlaub daheim haben wir eine Radtour durch den Landkreis erstellt. Die „Tour de Landkreis“ ist 141 Kilometern lang, portioniert in sechs Etappen. Heute: …
Etappe 3 der „Tour de Landkreis“: Auf den Spuren des Militärs und der Politik
Plötzlich am Gardasee umgefallen: Urlauberin leidet an schlimmen Corona-Spätfolgen und hat konkrete Warnung
Anneliese Figue infizierte sich mit dem Coronavirus - und erkrankte schwer. „Ich selbst habe Corona total unterschätzt“, sagt sie und möchte nun andere Menschen warnen.
Plötzlich am Gardasee umgefallen: Urlauberin leidet an schlimmen Corona-Spätfolgen und hat konkrete Warnung
Bewegungsparcours und Streuobstwiese: So sieht‘s jetzt am Waldfriedhof aus
Einen Bewegungsparcours und eine Streuobstwiese hat die Arbeitsgruppe Ortsleitbild am Waldfriedhof in Putzbrunn verwirklicht.
Bewegungsparcours und Streuobstwiese: So sieht‘s jetzt am Waldfriedhof aus
Unbekannter zerkratzt sechs Autos in Unterföhring
In Unterföhring hat ein bislang Unbekannter mehrere Fahrzeuge zerkratzt. Die Polizei sucht Zeugen. 
Unbekannter zerkratzt sechs Autos in Unterföhring

Kommentare