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Genuss-Gutscheine als Dankeschön für die Pflegekräfte, die an ihr Limit gehen. Lions Club-Präsident Hermann Meyer und Einrichtungsleiter Jürgen Agne (r.). 

Genuss-Gutscheine

Als Dankeschön für pausenlosen Einsatz: Lions Club spendiert Pflegekräften ein Essen

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Während der Hochphase der Corona-Krise setzten die Pflegekräfte in Ober- und Unterschleißheim ihre Gesundheit aufs Spiel, um sich um andere zu kümmern. Dafür bekommen sie nun ein kleines Dankeschön.

Ober-/UnterschleißheimEin gutes Essen, dazu ein Schluck Wein – wem möchte man diese Freude nicht mehr wünschen als den Menschen, die an ihr Limit gehen, um Alte und Kranke zu versorgen. Und die dabei ihre eigene Gesundheit riskieren.

Der Lions Club Schleißheim dankt den Pflegekräften der Seniorenheime in Oberschleißheim und Unterschleißheim mit einer Gutschein-Aktion: Die 138 Pflegekräfte können in 18 Restaurants Genuss-Gutscheine im Wert von 25 Euro einlösen. Indirekt werde so auch die örtliche Gastronomie gefördert, sagt Hermann Meyer, Präsident des Lions Clubs.

„Zusätzliche Aufgaben zur ohnehin anstrengenden Arbeit“

Mirela Vukoje vom Unterschleißheimer Haus am Valentinspark und Jürgen Agne vom AWO-Senioren-Park in Oberschleißheim freuen sich über dieses Dankeschön. „Das Personal leistet seit Monaten zusätzliche Aufgaben zur ohnehin anstrengenden Arbeit“, sagt Agne. Die Anerkennung habe die Pflegebranche während der Corona-Pandemie in Wellenbewegungen erreicht.

„Am Anfang wurde die Leistung des Pflegepersonals in der Öffentlichkeit viel gelobt“, erzählt Agne. Die Nachbarn in der Straße hätten abends applaudiert, die Kinder aus der benachbarten Krippe malten Bilder. „Irgendwer legt immer bemalte Steine ab.“ Nette Gesten, „die tun den Mitarbeitern wirklich gut“.

Nach der Corona-Krise: Bleibt die Wertschätzung im Kopf?

Die Aufgaben in den Einrichtungen hätten sich seit März verschoben. „In der ersten Phase mussten die Pflegekräfte den fehlenden Kontakt zu den Angehörigen kompensieren, in der zweiten den Kontakt aufrecht erhalten über Skype oder Telefon“, so Agne. Jetzt, wo das Besuchsverbot zur Kontaktbeschränkung wurde, müssen die Besuche organisiert werden.

Mehr Geld für Pflegekräfte ist das Eine – die Pflegeprämie vom Bund beträgt bis zu 1000 Euro und wird bis 15. Juli ausgezahlt. Die AWO und der Freistaat haben zusätzliche Boni spendiert. Aber im Gesundheitswesen sei ein grundsätzliches Umdenken nötig. „Wenn wir so eine Lobby wie die Auto- oder Pharmaindustrie hätten, wäre einiges Besser“, sagt Jürgen Agne. Er wünscht sich, „dass die Wertschätzung, die die Branche zu Anfang der Krise bekommen hat, in den Köpfen hängen bleibt.“

„Wir haben hier einen großen Zusammenhalt“

Pfleger Stefan Hellrigl arbeitet seit neun Jahren im Haus. Acht Stunden mit Schutzkleidung, Handschuhen und Maske seien anstrengend, aber notwendig. Der 38-Jährige hat die Situation schnell akzeptiert und setzt die Hygieneregeln aus Überzeugung gewissenhaft um. Gerade die Patienten, die aus dem Krankenhaus zurückkommen, müssen 14 Tage isoliert bleiben. „Oft müssen sie dazu in ein anderes Zimmer umziehen. Das ist schwierig für die Bewohner. Wir müssen das umsetzen, aber der Mensch im hohen Alter versteht das nicht.“ Ärger und Beschwerden bekommen die Pflegekräfte ab. „Den fitten Leuten erkläre ich es, denen lese ich auch die Meldungen der Staatsregierung vor.“ Für andere, die neue Regeln sofort vergessen, brauche man eben Geduld, sagt er gelassen. „Das einzige, was ich tun kann, ist, die Leute zu schützen und Optimismus zu verbreiten.“ Das Schöne sei, „wir haben hier einen großen Zusammenhalt“.

Der 38-Jährige hat den Bonus vom Freistaat – 500 Euro – nicht beantragt. Von der Regierung ist er „etwas enttäuscht“. Die Politiker hätten mehr Präsenz zeigen können. „Für die alten Menschen hätte man doch so viel mehr machen können“, findet er, „zum Beispiel hätten mehr Tests mehr Sicherheit auslösen können.“

Coronavirus: Reihentests im Oberschleißheimer Heim

Erst jetzt – wo Tests für jeden möglich sind – wird es auch im Oberschleißheimer Heim Reihentests geben, für das Personal und für Risiko-Patienten, die Kontakt nach außen haben. „Nächste Woche fangen wir an“, sagt Jürgen Agne.

Lockerungen, über die sich andere freuen, darf sich die Pflege nicht erlauben: „Wir haben eine besondere Verantwortung, unsere Bewohner zu schützen“, sagt Agne. So viel Solidarität verdiene Anerkennung, sagt Lions-Präsident Hermann Meyer, dafür ist die Gutschein-Aktion ein besonderes Dankeschön.

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