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Warnwesten übergestreift und los geht die Exkursion. Sarah Guttenberger (AgfK, 4.v.r.), Klaus Helgert (ADFC, Mitte) und Martin Singer (5.v.r.) prüfen die Lage für die Radfahrer.

Zertifikat erhalten

Unterschleißheim offiziell „fahrradfreundlich“ - aber es gibt noch Verbesserungspotenzial

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Jetzt ist es offiziell: Unterschleißheim ist „fahrradfreundlich“. Das Zertifikat hat die Stadt verliehen bekommen. Doch die Arbeit geht weiter.

Unterschleißheim – Erleichtert fallen sich Bürgermeister Christoph Böck (SPD) und Fahrradbeauftragte Petra Halbig in die Arme. Nach intensiver Prüfung steht fest: Die Stadt ist „fahrradfreundlich“.

Auf dieses Ziel hat die Stadt fünf Jahre hingearbeitet und es jetzt im zweiten Anlauf erreicht. „Wie wohl und sicher kann man sich als Radfahrer in Unterschleißheim fühlen?“, das erkundete einen Tag lang eine Bewertungskommission unter Leitung von Martin Singer aus dem Verkehrsministerium. Die langjährige Fahrradbeauftragte und aktuelle Klimabeauftragte Petra Halbig präsentierte in einem zweistündigen Vortrag bisherige Maßnahmen. Besonders punktete die Stadt mit dem Radverkehrskonzept, das ein externes Büro erarbeitet hat und das jetzt nach und nach abgearbeitet wird.

Ein Vorzeigeprojekt steht am Lohhofer Bahnhof

Die Bürger können am Förderprogramm für Pedelecs und Lastenräder teilnehmen und ein Lastenrad kostenlos leihen. Zudem hat die Stadt die Zahl der Fahrradständer deutlich erhöht: Ein Vorzeigeprojekt steht am Lohhofer Bahnhof, eine überdachte, beleuchtete, doppelstöckige Parkgelegenheit für 160 Fahrräder. Auch das MVG-Mietradsystem wird laut Halbig in der Stadt gut angenommen.

Am Nachmittag startete die Delegation dann zur Rundfahrt. Ein großes Thema waren Sicherheit und Übersichtlichkeit. In der Nelkenstraße und in der Stadionstraße dürfen die Radfahrer wählen, ob sie auf dem Radweg oder der Straße fahren, die Benutzungspflicht von Radwegen wurde aufgehoben, weil Radfahrer auf der Straße besser gesehen werden und schneller vorankommen.

Radexpertin Petra Halbig (l.), Stadträte Bernd Knatz (ÖDP, 2.v.l.) und Brigitte Huber (Grüne), Albrecht Bastian.

Vom Gehweg verbannt wurden die Radler allerdings in der Bezirksstraße, um Unfälle mit Fußgängern zu vermeiden. Rote Markierungen wurden – zum Beispiel im Bereich der Raiffeisenstraße/ Dieselstraße – aufgetragen, um Autofahrer zu warnen. Alle Einbahnstraßen wurden überprüft, einige wurden im Gegenverkehr für Radfahrer freigegeben: die Carl-Meuth-Straße, die Wilhelm-Busch-Straße und die Keplerstraße. All das sind Pluspunkte in den Augen von Sarah Guttenberger von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AgfK) und Klaus Helgert vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC).

„Entweder müssen wir hier umbauen, oder...“

Es gab aber auch Kritik, zum Beispiel an der Unterführung am Unterschleißheimer S-Bahnhof: Radfahrer müssen auf den langen Rampen absteigen und schieben. „Für viele ein Ärgernis. Schließlich werden sie auf einer Radelroute mit Schildern dort hingeleitet“, sagt ÖPD-Stadtrat Bernd Knatz. „Entweder müssen wir hier umbauen oder die Radroute über die Les-Crès-Brücke führen.“ Am Münchner Ring kritisierte Klaus Helgert vom ADFC, dass der Radweg zu schmal ist zum Überholen, daher sollte das Radeln auf der stark befahrenen Straße erlaubt werden.

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Freude pur: Bürgermeister Christoph Böck und Petra Halbig jubeln, als das Ergebnis verkündet wird.

Nach der Radtour wurde es spannend: Die Kommission zog sich eine halbe Stunde zurück. Dann stand fest: Unterschleißheim darf sich sieben Jahren fahrradfreundlich nennen. Jubelnd reagierten die Stadträte. „Das ist aber keine Endstation“, sagt Verkehrsreferent Knatz: „Wir müssen noch besser werden, sonst sind wir das Zertifikat in sieben Jahren wieder los.“

Doch zunächst ist ein großes Ziel erreicht: Am 22. November nimmt Bürgermeister Christoph Böck im Münchner Künstlerhaus das Schild „Fahrradfreundliche Kommune“ entgegen, gemeinsam mit acht weiteren Kandidaten, darunter Würzburg, Regensburg und Schweinfurt.

Der Nachbargemeinde Oberschleißheim ist die Auszeichnung zur „fahrradfreunlichen Kommune“ verwehrt worden.

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