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Das Ballhaus-Forum wurde in Private-Public-Partnership realisiert und 2005 von der Apollo-Verwaltungsgesellschaft eröffnet. Die Stadt mietet die Kongress-, Sport- und Kulturhalle für rund 1,4 Millionen Euro pro Jahr und ist Mitgesellschafterin der Apollo. 

Schimmel Auch im Untergeschoss

Pfusch am Bau im Ballhaus-Forum

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Ein Fass ohne Boden irgendwie. Das Ballhaus-Forum in Unterschleißheim hat schon wieder Probleme.

Unterschleißheim– Pfusch am Bau, Schimmel und ein Wasserschaden: Das Ballhaus-Forum ist seit zehn Jahren durch immer neue Schreckensmeldungen zum Sorgenkind in Unterschleißheim geworden. Doch die Stadt hofft, dass 2018 ein Großteil der Sanierungskosten erstattet wird.

So beliebt das Kongress-, Sport- und Kulturzentrum an der Anna-Wimschneider-Straße auch ist – die schöne Fassade hat inzwischen tiefe Risse bekommen: Die Sanierungskosten der Stadt für das 2005 in Betrieb gegangene Haus sind mittlerweile auf 859 000 Euro gestiegen.

Diese Summe führte auch in der jüngsten Stadtratssitzung zu Verdruss: Das Ballhaus-Forum sei ein „schwarzes Loch“, sagte Annegret Harms. „860 000 Euro!“, stöhnte die SPD-Fraktionssprecherin und fragte besorgt: „Wo geht das hin? Wie wird sich das weiterentwickeln?“ Stadträtin Harms ist sich sicher: „Die Sanierung wird uns 2018 weiter beschäftigten, und es werden sich neue Schäden auftun.“

Hintergrund sind Undichtigkeiten am Dach, die schon 2008 auftraten. Seither läuft ein Beweissicherungsverfahren. „Das mussten wir abwarten. Da waren uns bisher leider die Hände gebunden, wohl wissend, dass der Zustand des Gebäudes nicht besser wird“, sagt Thomas Stockerl, Sprecher der Stadt.

Doch jetzt sieht er Licht am Ende des Tunnels. Die Stadt will sich außergerichtlich mit dem Generalunternehmer einigen, der das 25 Millionen-Gebäude errichtet hat und nach Meinung der Stadt noch für Mängel gerade stehen muss. „Die Willensbildungen gibt es“, sagt Stockerl, man strebe einen Vergleich an. Sobald dieser geschlossen sei, soll das Dach saniert werden. Anschließend werden auch die Innenräume im zweiten Stock instand gesetzt. Hier muss der Breitensport seit Monaten auf Räume verzichten, die die Stadt aufgrund von Schimmelbefall vorsorglich geschlossen hat.

Unabhängig davon hat 2016 eine geborstene Wasserleitung im Untergeschoss einen gravierenden Wasserschaden verursacht. Seit August 2016 laufen hier die Reparaturarbeiten. „Das ist ein Versicherungsfall“, erklärt Stockerl. Zwar laufen parallel zu den fortgeschrittenen Sanierungen noch die Bewertungen der Sachverständigen, aber die Stadtverwaltung ist zuversichtlich, dass die Kosten von 481 000 Euro für den Wasserschaden von der Gebäudeversicherung der Apollo-Verwaltungsgesellschaft, die Eigentümerin des Gebäudes ist, erstattet werden. „Das Schiedsverfahren ist auf der Zielgeraden“, erklärt Stockerl: „Die Sachverständigen bewerten den Schaden noch und kommen hoffentlich im Frühjahr zu demselben Ergebnis. Wir gehen davon aus, dass wir den Schaden ersetzt bekommen und werden auch darauf drängen.“ Andernfalls soll ein Obmann entscheiden.

Einen weiteren Tiefschlag erlebte die Stadt allerdings im November 2017: Im Zuge der Reparaturen im Untergeschoss traten Brandschutzmängel zu Tage. – Und erneut sieht sich die Stadt mit Pfusch am Bau konfrontiert. Es zeigte sich, dass bei Trockenbauwänden im Flur, bei der Verkabelung der Brandmeldeanlage und bei der Sicherheitsbeleuchtung der Brandschutz nicht korrekt ausgeführt worden war. „Das mussten wir bereinigen“, sagte Stockerl. Auch diese Kosten müssen mit dem Generalunternehmer geklärt werden.

Und damit nicht genug: Jetzt wurde Schimmel in den Lüftungskanälen im Untergeschoss gefunden. Der Stadtrat entschied zähneknirschend mit 28:2, weitere 146 000 Euro für die Sanierung zuzuschießen.

Die Freien Bürger lehnten dies ab. „Seit Jahren werden die Baumängel kritiklos hingenommen“, schimpfte Martin Reichart (Freie Bürgerschaft): „Der Brandschutz ist nicht korrekt ausgeführt worden, da ist falsch gebaut worden. Ich bin der Meinung, die drei möglichen Verursacher sind identifizierbar.“ Verantwortlich sei Architekt, Baufirma oder Generalunternehmer.

Bürgermeister Christoph Böck (SPD) widersprach Reichart: „Ich weise zurück, dass wir das kritiklos hinnehmen.“

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