Auch auf manchen Supermarktparkplätzen drohen Knöllchen. (Symbolbild)
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Die kommunale Verkehrsüberwachung verteilt knöllchen. (Symbolbild)

An der Bezirksstraße

Schandfleck in bester Lage: „Illegale Nutzung“ von ehemaligem Esso-Gelände

  • VonAndreas Sachse
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Das ehemalige Esso-Areal an der Bezirksstraße ist ein echtes Filetgrundstück. Derzeit ähnelt es allerdings eher einem Schandfleck. Ein beklagt „die illegale Nutzung durch Autos und Wohnmobile“

Unterschleißheim – Wofür hätte das Esso-Gelände nicht schon alles herhalten sollen? Als Seniorenstift, Heimatmuseum; für den Einzelhandel, Drogerie, Kino, Gastronomie, Weltladen. Jetzt soll ein Vollsortimenter her, der am besten gleich mehrere Branchen abdeckt. Wohnungen obendrauf, eine Tiefgarage darunter. So weit so gut, doch während die Stadt mit ihrem Partner von der Handelsberatung über die Zukunft der Flächen an der Bezirksstraße berät, scheint das frühere Esso-Gelände zusehends zu verkommen. In der Sitzung des Ferienausschusses beklagt Stadtrat Peter Rein (SPD) „die illegale Nutzung durch Autos und Wohnmobile“.

Herrenlose Fahrzeuge beleidigen Rein zufolge das Auge des Betrachters. Von dem alles andere als reizvollen Anblick abgelenkt, läuft man obendrein Gefahr, in einer der zahllosen Pfützen auf dem Gelände zu versinken. Der schadhafte Straßenbelag und ein verregneter Sommer schaffen beste Voraussetzungen für persönliche Dramen: „Die Pfützen sind so tief, dass man hernach gleich in die Waschstraße muss.“

„Ehrlich, das geht gar nicht“

Als das Größte in der Schreckensbilanz des zum städtischen Schandfleck verkommenden Esso-Geländes listet Rein die gewiss nicht genehmigungsfreien Aktivitäten eines geschäftigen Autohändlers auf. Offenkundig nutzt der Privatunternehmer die unübersichtliche Situation auf dem Grundstück, um seinem Geschäft nachzugehen. „Ehrlich, das geht gar nicht“, findet Rein.

Dabei gehört das 2400 Quadratmeter große Gelände der Stadt. Bürgermeister Christoph Böck (SPD) scheint überzeugt, das Schlimmste überstanden zu haben. Die Zukunft des Areals ist in die Wege geleitet. Und, so Böck: „Die Bemühungen der kommunalen Verkehrsüberwachung tragen Früchte.“ Tatsächlich sei er immer öfter mit Beschwerden von Leuten konfrontiert, die ihrer Ansicht nach all zu bald mit einem Knöllchen bedacht worden wären. Illegal abgestellte Fahrzeuge markiere die Polizei mit rotem Punkt als zum Abschleppen vorgesehen. Der schadhafte Belag soll voraussichtlich schon in den kommenden Wochen einer Straßenbaufirma überlassen werden, ergänzte Böck. Bis zu 10 000 Euro stehen zur Verfügung. „Das muss nicht ewig halten“, sagte Böck vor dem Hintergrund einer späteren Nutzung des Esso-Geländes. Der Parkplatz ist eh bald Geschichte. „Hauptsache wir kommen über den Winter.“

Vollsortimenter soll sich ansiedeln

Im vergangenen Herbst verständigte sich der Stadtrat auf eine Prioritätenliste. Um den Charakter der Bezirksstraße als Einkaufsmeile zu bewahren, wollen die Fraktionen das Gelände in erster Linie als Einzelhandelsfläche erschließen. Da ein Discounter wegen dem gegenüber liegenden Markt keinen Sinn ergibt, soll ein Vollsortimenter die Unterschleißheimer auf 940 Quadratmetern mit Angeboten aus den Branchen Lebensmittel, Drogerie und Haushaltswaren verwöhnen, als „Frequenzbringer“ zugleich benachbarten Läden Laufkundschaft zuführen. An zweiter Stelle folgt das viel diskutierte Seniorenstift mit Wohnungen. Café und Weltladen schließen die Liste ab. Das Seniorenstift ist laut Stefan Krimmer (CSU) in der Pegasusstraße mittlerweile ideal untergebracht. Auf Rang zwei der Liste würde er stattdessen die Drogerie setzen.

Ob ein Vollsortimenter die Lücke wird schließen können, bleibt seiner Ansicht nach abzuwarten. „Möglichst zeitnah jedenfalls muss eine befriedigende Lösung her.“ Rein versicherte Krimmer derweil seiner Unterstützung. „Ich teile seine Sorgen.“ In letzter Zeit hätten sich mehrere Unterschleißheimer an ihn gewandt. „Die Leute können nicht nachvollziehen, weshalb man die Tankstelle nicht hat stehen lassen, bis klar ist, was hernach kommen soll“, so Krimmer: „Das Chaos an der Bezirksstraße gefällt keinem.“

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