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Auf einen Supermarktparkplatz sind diese Standbetreiber während der Coronakrise ausgewichen. Ein „Schmankerl-Wochenende“ in Unterschleißheim soll als Volksfest-Ersatz dienen, den Bürgern eine Freude machen und den existenzbedrohten Schaustellern helfen.

Schmankerl-Wochenende und neues Kultur-Konzept für Unterschleißheim

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The show must go on – auch mit einer Viruskrise muss das Leben irgendwie weitergehen. Die Stadt Unterschleißheim wagt sich als eine der ersten aus der Deckung – mit einer Alternative zum Volksfest und einem ganz neuen Kulturkonzept.

Unterschleißheim – Die Stadt Unterschleißheim holt ein wenig öffentliches Leben zurück auf ihre Straßen und Plätze. Weil bis Ende August, alle Großveranstaltungen untersagt sind, ist auch das für Pfingsten geplante 69. Lohhofer Volksfest abgesagt. Nun schlägt Unterschleißheim neue Wege ein, um wenigstens ein Stückchen Gemeinschaftsgefühl aufleben zu lassen. Die Stadt richtet über Pfingsten ein Schmankerl-Wochenende aus: Stände werden aufgebaut, wo es Festbier und Essen zum Abholen gibt.

Zudem erhalten rund 6000 Senioren und Menschen mit Behinderung demnächst Post von Bürgermeister Christoph Böck (SPD) mit einer Zehn-Euro-Verzehrmarke, die sie in den örtlichen Wirtshäusern einlösen können. Die Gutscheinaktion hatte die CSU beantragt, zum Ausgleich für den beliebten Seniorennachmittag beim Volksfest, wo Senioren und Menschen mit Behinderung traditionell im Festzelt Hendl und Bier gratis erhalten.

Debatte um ein Herbstfest

„Dieser Antrag war uns in der Verwaltung nicht unangenehm“, sagte Wolfgang Streidl, der Leiter des Ordnungsamtes, als die Idee der CSU in der Sitzung des Hauptausschusses zur Diskussion stand. Auch der Stadt sei „eine Belebung im Ort“ wichtig, allerdings stellte Streidl einen Alternativvorschlag zur Debatte, um das gesellschaftliche Leben in der Stadt und die wirtschaftliche Lage der Schausteller anzukurbeln: ein Herbstfest als „Ort des Wiedersehens“, sobald dies wieder erlaubt sei. Es könnte – ohne Festzelt – von Donnerstag bis Sonntag stattfinden, auch die Schaustellerfamilien könne man so unterstützen. „Die haben seit dem Christkindlmarkt keinen Euro mehr verdient.

Doch diese Idee ging den Räten zu weit. Friedrich Kiener (CSU), der stellvertretende Versorgungsarzt im Landkreis, warnte: „Ein Fest geht im Moment nicht.“ Man sollte die Dinge „seuchenpolitisch betrachten und nicht emotional“. Auch Benjamin Straßer (SPD) riet zur Zurückhaltung: „Ein Festzelt kriegen wir nicht kompensiert“, es gelte, die Risiken abzuwägen. CSU-Fraktionschef Stefan Krimmer sprach sich für die Gutschein-Aktion aus: Die Corona-Krise werde in der Gastronomie „viele Existenzen zerreißen“. Die Stadt könne da mit rund 60 000 Euro einen „Riesenbeitrag“ zur Hilfe leisten.

Schmankerl-Wochenende wird eine Mischung aus Volksfest und Wochenmarkt

„Die Zeit ist noch nicht reif, für ein Herbstfest“, stellte Böck fest und brachte die Schmankerl-Tage in die Diskussion. „Da können alle profitieren.“ Man wolle „,kein Fest auf Biegen und Brechen“, sagte Streidl, betonte aber: „Man sollte der gesamten Bevölkerung ein Angebot machen, nicht nur einem kleinen Teil.“ Der CSU-Antrag fördere Senioren, „aber was machen wir für den Rest?“ Streidl verwies auf München und Erding, wo man ein „Volksfest to go“ mit Ständen und Fahrgeschäften an vielen Plätzen dezentral plane. Bei einem Schmankerl-Wochenende zu Pfingsten an mehreren Plätzen könnten sich die Menschen Essen und Festbier kaufen, „mit Abstand, wie beim Wochenmarkt.“

Einstimmig wurde die Gutscheinaktion beschlossen, das Schmankerl-Wochenende fand mit 7:4 eine Mehrheit, CSU und FDP stimmten dagegen. Beide Aktionen seien „sportlich“, sagte Wolfgang Streidl, „aber die Verwaltung hat bisher immer alles geschafft.“

Neue Formate für Kulturveranstaltungen

Auch die Kultur soll in Unterschleißheim „nicht völlig unter den Tisch fallen“. Das ist Kulturamtschefin Daniela Benker ein großes Anliegen. Sie schlägt alternative Veranstaltungsformate vor, für die der Hauptausschuss einstimmig einen Etat von 35 000 Euro freigab. Live-Streams mit Unterschleißheimer Künstlern aus dem Festsaal und kleine Konzerte auf dem Rathausplatz sollen die Bürger mit Kultur versorgen. Die inhaltliche Diskussion wird am Mittwoch der Kulturausschuss führen.

Zehn Euro für Senioren und Menschen mit Behinderung

Rund 6000 Senioren und Menschen mit Behinderung in Unterschleißheim bekommen per Post einen Zehn-Euro-Gutschein, den sie im gesamten Monat Juni in den Unterschleißheimer Gastronomie-Betrieben verzehren können. Oder sie lassen sich ein Gericht von einem der örtlichen Restaurants nach Hause liefern und verrechnen die zehn Euro an der Haustür. Bei den Schmankerl-Tagen an Pfingsten wird das Festbier ausgeschenkt, das die Unterschleißheimer Brauerei „Crew Republic“ noch vor dem Lockdown für das Lohhofer Volksfest gebraut hatte. An vier Orten in der Stadt werden Stände aufgebaut, an denen es süße und herzhafte Speisen zu kaufen gibt, wie Hendl, Steckerlfisch oder gebrannte Mandeln. „Aufhenthaltscharakter“ sollen die Schmankerl-Tage nicht haben, „aber doch ein wenig Flair bringen“, betonte Bürgermeister Christoph Böck (SPD), es werden Sicherheitsabstände angezeichnet, Masken sind Pflicht.

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