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In engen Kontakt gekommen: Oberstufenschülern und HPCA-Mitarbeitern ist ein kurzweiliges Stück gelungen.

Pionierstück überspringt Grenzen

Schüler zeigen Inklusionstheater

Unterschleißheim - „Geheimnisse im Kopf“ heißt das Inklusionstheaterstück, das der Profilkurs Theater der Oberstufe des Carl-Orff-Gymnasiums zusammen mit dem Heilpädagogischen Centrum Augustinum HPCA präsentiert hat.

Lautes Geklopfe. „Machen Sie die Tür auf“, kommt es aus einer Ecke des Raums. Vier Schüler tauchen auf. „Wir suchen Anton, Anton Brocke“, brüllen sie. Auf der in der Mitte des Raums aufgebauten Bühne stehen vier weitere Darsteller. Sie zittern. „Der ist nicht hier“, rufen sie ängstlich. 

Das Stück im Jugendzentrum Gleis 1 handelt vom Anderssein in der Gegenwart und in der deutschen Geschichte. Die Textgrundlage bildete das Buch „Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens“ von Elisabeth Zöller. Es spielt in der Zeit des Nationalsozialismus und handelt von dem jungen Anton, der seit einem Unfall körperlich beeinträchtigt ist und stottert. In der Schule muss er Anfeindungen und Schläge seiner Mitschüler und Lehrer über sich ergehen lassen. Außerdem muss Anton vor dem Euthanasie-Programm der Nazis flüchten. 

Der Profilkursleiter und Lehrer Michael Blum wählte die Lektüre, da sie einerseits Themen wie Diskriminierung und Behinderung enthält und andererseits historisch wie gesellschaftspolitisch wertvoll ist. Insgesamt ein halbes Jahr lang probte Blum mit den 15 Oberstufenschülern und 14 HPCA-Mitarbeitern. Zusammen entwickelten sie ein abwechslungsreiches Theaterstück, in dem gebrüllt, getanzt, geklatscht und mit Bauklötzen hantiert wird. Die Figuren werden von mehreren Darstellern gleichzeitig gespielt, während andere Schüler abwechselnd die Rolle des Erzählers übernehmen.

Diskriminierung und Grundrechte eines Menschen bringen die Zuschauer zum Nachdenken

Eingeworfene Monologe über Themen wie Diskriminierung und Grundrechte eines Menschen bringen die Zuschauer zum Nachdenken. Die Texte dafür wurden aus Aussagen der HPCA-Mitarbeiter erstellt. Außerdem lockern Musikeinlagen der Big Band des Gymnasiums das Stück auf. 

Auffallend ist der enge Kontakt und der liebevolle Umgang zwischen den Schülern und den HPCA-Beschäftigten. Bereits für die Proben wurden Teams, bestehend aus einem Gymnasiasten und einem Menschen mit Handicap, gebildet. Das hatte sowohl einen praktischen als auch einen sozialen Hintergrund: „Jeder unserer Gäste bekam einen persönlichen Lotsen“, erklärt Blum. Dadurch konnten sie sich Laufwege und Texte besser einprägen, denn die Teams waren auch während des Stücks immer zusammen. „Und das Vertrauen untereinander ist gewachsen“, fügt Blum hinzu. Es kam zu Gesprächen und Begegnungen, deren Inhalte in das Theaterstück eingebaut wurden. 

Ich fand es fantastisch."

Das gute Zusammenspiel fiel auch dem Publikum auf: „Es wurde toll umgesetzt. Man hat gesehen, wie viel Freude es allen Beteiligten gemacht hat“, erzählt Gritt Schwarz. Den Zuschauern hat das Stück sehr gut gefallen: „Ich fand es fantastisch“, betont etwa Joachim Schwarz. Sie sind sich einig, dass es solche Inklusionstheater öfter geben sollte. „Die Behinderten sind toll einbezogen worden“, meint Oliver evon Reppert. Und Zuschauerin Gritt Schwarz findet, „dass es ja viele Theaterstücke gibt, aber so etwas besonders ist“. Den Beteiligten gefiel die Arbeit an dem Theaterstück: „Ich bekam von den Schülern sehr positive Rückmeldungen“, sagt Blum. Auch er selber bezeichnet die Zusammenarbeit als eine „ganz tolle Erfahrung“: „Jeden Tag wurde ich von unseren Gästen mit funkelnden Augen und körperlicher Nähe begrüßt. Das passiert nicht oft.“ Blum bekam nach der Aufführung von seinen Schülern einen großen Teddybären überreicht. Und der hatte einen passenden Namen: Anton.

Josephin Bruhn

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