+
Die Bürgerbeteiligung ergab eine „Flut von Anregungen“.

Nach Kritik an den Plänen: Stadtmitte wird schlanker

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
    schließen

Nach der Kritik von Bürgern hat die Stadt Unterschleißheim die Pläne für die neue Stadtmitte abgespeckt. Die CSU wollte das Projekt derweil komplett neu aufrollen.

Unterschleißheim – Viele Unterschleißheimer haben beim Großprojekt „Neue Stadtmitte“ mitgeredet. Ein wichtiges Thema war die Dichte der Bebauung und die Höhe der künftigen Gebäude zwischen S-Bahnhof und Rathausplatz. Nach der Auswertung der Bürgerbeteiligung werden jetzt die Baumassen reduziert. Das hat eine Stadtratsmehrheit mit den Stimmen von SPD, Grünen und ÖDP beschlossen.

Um diese beiden Grundstücke geht es.

Mehr als 600 Bürger informierten sich in den vergangenen Wochen aus erster Hand über die drei Konzepte,die als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgegangen waren. Inzwischen wurde „eine Flut von Anregungen“ ausgewertet. „Alle drei Entwürfe wurden gelobt und alle drei abgelehnt“, sagte Willi Bock von der Kommunikationsagentur Heller & Partner. „Nicht alle kritisierten die Hochhäuser.“ Deutlich wurde, dass besonders Wohnungen im Stadtzentrum gewünscht sind. Ein Votum sei besonders klar geworden: „Die Bürger wollen, dass es voran geht“, sagte Bock. Hervorzuheben sei die Ruhe und Sachlichkeit bei der Bürgerbeteiligung.

Die Baureferenten der Stadtratsfraktionen haben die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung mit den beiden Grundeigentümern diskutiert. Das Ergebnis mündete in den am Donnerstag gefassten Beschluss: Die Geschossfläche wird um zwölf Prozent gekappt. Auch die Nutzungen wurden festgelegt: Wohnen wird gestärkt auf Kosten von Büro- und Hotelflächen. Das Verhältnis von 60 zu 40 Prozent wird korrigiert. Nun gilt auf Antrag der Grünen 70 Prozent Wohnen und 30 Prozent Gewerbe. Das Hotel wird maximal 140 Zimmer haben, zuvor waren bis zu 170 Zimmer vorgesehen.

Lesen Sie auch: Hochhäuser, Hotels, Läden: So sollte das Stadtzentrum ursprünglich ausschauen

Auf Antrag der Grünen wird die versiegelte Fläche stärker reduziert. „Der Kubus der Gebäude soll schmaler werden, dafür dürfen die Gebäude höher sein“, sagte Grünen-Sprecher Jürgen Radtke. Die Grundflächenzahl (GRZ), die bestimmt welcher Flächenanteil eines Grundstücks bebaut werden darf, liegt nun beimaximal 0,9, zuvor lag sie bei circa0,9.

Neue Stadtmitte: CSU will Gebäude auf fünf Geschosse begrenzen

Keine Mehrheit fand ein Änderungsantrag, den die CSU in der Sitzung verteilte. Brigitte Weinzierl forderte darin, dass die Gebäude auf fünf Geschosse begrenzt werden sollten und nur bei 15 Prozent der Dachflächen sieben und acht Geschosse zulässig sein sollten.

Annegret Harms (SPD) entrüstete „das Geplänkel“ der CSU. Dreieinhalb Stunden hätten sich Baureferenten und Eigentümer beraten und mit „unheimlicher Präzision den Beschlusstext formuliert“. Nur von der CSU sei leider nichts gekommen. Sie fragte die CSU: „Wollen Sie die neue Stadtmitte, ja oder nein? Was geben wir hier für ein Bild vom Stadtrat ab?“

Neue Stadtmitte: CSU verärgert andere Fraktionen

Bürgermeister Christoph Böck (SPD) äußerte den Eindruck: „Sie wollten nicht mitarbeiten, um hier mit einem Änderungsantrag aufschlagen zu können.“ Das enttäusche ihn. Martin Reichart (Freie Bürger) nannte das Umschwenken der CSU „reine Wahlkampftaktik“: „Jetzt beginnt das Knierutschen vor dem Bürger.“ Er forderte Standhaftigkeit von den Stadträten. Die Eckpunkte für den Architektenwettbewerb hatte der Stadtrat im September einstimmig beschlossen. Reichart erklärte, dass sich die Grundeigentümer mit so niedrigen Höhenvorgaben, wie von der CSU beantragt, nicht zufrieden geben würden. „Das wäre auch weder wirtschaftlich noch praktizierbar.“ Beide FB-Stadträte stimmten gegen die Reduzierung der Baudichte.

Stefan Diehl (CSU) wies die Kritik zurück: „Wir haben uns eindeutig gegen das Ausmaß der Bebauung und die Höhe geäußert.“ Bernd Knatz (ÖDP) warnte: „Der Antrag der CSU würde uns weit zurückwerfen.“

Eine Jury wird am 18. November aus den drei überarbeiteten Entwürfen einen Sieger küren. Am 2. Dezember wird er den Bürgern vorgestellt.

Lesen Sie auch: Wegen Protest der Bürger: Wohnturm schrumpft - so hoch soll er jetzt werden

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Supermarkt-Brand ist die Wiedereröffnung noch ungewiss
Der Rewe-Markt muss zum Teil saniert werden. Zum Glück ist aber nicht der ganze Warenbestand durch den Brand zerstört worden. Rewe-Sprecherin Rosmarie Daubenmerkl sagt, …
Nach Supermarkt-Brand ist die Wiedereröffnung noch ungewiss
Jazzgröße bringt Publikum zum Tanzen
Das Experiment ist gelungen. Im voll belegten Hinterhof des Bürgerhauses haben „Sydney Ellis and her Midnight Preachers“ das Publikum beim Open-Air begeistert. 
Jazzgröße bringt Publikum zum Tanzen
Coronavirus im Landkreis München: Nur eine Neuinfektion - Zahl der aktiven Fälle sinkt
Das Coronavirus ist immer noch präsent im Landkreis München. Doch die Infektionen werden deutlich weniger. Alle Informationen gibt es hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Nur eine Neuinfektion - Zahl der aktiven Fälle sinkt
Junge TU-Professorin (34): So sieht der Verkehr in 20 Jahren aus
Mit nur 34 Jahren ist Agnes Jocher neue Professorin an der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München. Wir sprachen mit ihr über Raumfahrt und …
Junge TU-Professorin (34): So sieht der Verkehr in 20 Jahren aus

Kommentare