Unterschleißheim: Stadträte diskutieren über eine Puppensammlung

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470 bis 500 Puppen aus einem privaten Haushalt sind für das Stadtmuseum Unterschleißheim ein Glücksfall. Davon ist der promovierte Volkskundler Stephan Bachter überzeugt. Er empfahl den Mitgliedern im Kulturausschuss, das Geschenk anzunehmen, das ein Unterschleißheimer der Stadt machen möchte.

Unterschleißheim – Der über 90-Jährige aus der Mallertshofener Straße hat das Spielzeug gemeinsam mit seiner Frau über Jahrzehnte gesammelt. Nach deren Tod bat der Witwer Forum-Leiterin Daniela Benker, die Puppen und Teddybären, die teilweise sehr alt sind, in den Fundus des Stadtmuseums aufzunehmen.

Über dieses Angebot hatten die Stadträte in der April-Sitzung kontrovers diskutiert. Schließlich wolle man eigentlich das Lager des Museums „entrümpeln“, hieß es. Stadtrat Manfred Utz (CSU) vermisste den Bezug zur Stadtgeschichte. Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) verwies das Thema daraufhin zurück in den Kulturausschuss.

Hier sprach sich jetzt eine 6:2-Mehrheit für die Annahme der rund 500 Puppen aus, deren Wert auf etwa 5000 Euro geschätzt wurde. Dagegen stimmten die beiden CSU-Stadträte Stefan Diehl und Stefan Krimmer. „Eine Puppensammlung passt nicht zu unserem Konzept“, sagte Diehl, „es gibt bestimmt viele Bürger, die irgendetwas sammeln.“

Dem widersprach Bachter: „Das Spielzeug wird den Leuten nicht langweilig.“ Er verwies auf das Maximilianmuseum der Stadt Augsburg, das seit den 1970er-Jahren in der Weihnachtszeit verschiedenste Spielzeug-Sammlungen zeige: Blechspielzeug, Lego aus den Fünfzigern oder Margarine-Sammelbilder. All das würde große und kleine Besucher erfreuen. Kooperationen mit anderen Spielzeugmuseen seien denkbar oder zusätzliche Veranstaltungen, wie ein Spielzeug-Flohmarkt.

Mit der Umbenennung in „Stadtmuseum“ ist in Unterschleißheim eine Modernisierung und Neuausrichtung verbunden. Ein Stadtmuseum müsse man „auf breitere Füße“ stellen, sagte Bachter, der die Inventarisierung des Stadtmuseums betreut: „Diese Sammlung wird ein neues Publikum ansprechen.“ Der Bezug zu Unterschleißheim sei nicht mehr das entscheidende Kriterium. Maßgeblich sei, „ob uns die Exponate Freude machen, ob sie eine Geschichte erzählen“.

Bachter erklärte: „Drei Viertel der Objekte des Stadtmuseums kommen ohnehin nicht aus Unterschleißheim.“ Vieles sei auf Flohmärkten zusammengekauft worden. „Da hat diese Puppensammlung mehr Bezug zu Unterschleißheim als das meiste andere. Sie kommt schließlich aus einem Unterschleißheimer Haushalt.“

Mit Themen aus dem Bereich Kindheit und Kinderwelten könne man jeden erreichen, ist Lissy Meyer (Grüne) sicher: „Puppen sprechen die Seele an.“ Und Antje Kolbe (SPD) entgegnete Stefan Diehl: „Ihre Argumente sind etwas für die Vernunft, eine Puppensammlung ist etwas fürs Herz.“ – „Puppen sind klein“, war das pragmatische Fazit von Jolanta Wrobel (ÖDP) in Anspielung auf die Orgel-Sammlung: „Wir haben auch schon größere Objekten angenommen. Greifen wir zu!“ Im Juni wird das Thema nun erneut auf die Tagesordnung des Unterschleißheimer Stadtrats gesetzt.

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