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Urbanes Zentrum wird konkret: Stadtrat bewilligt Entwürfe - So geht‘s jetzt weiter

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Von: Charlotte Borst

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Die neue Stadtmitte in Unterschleißheim rückt näher. Doch ohne Diskussionen gingen die Entwürfe nicht durch den Stadtrat. Genehmigt wurden sie gegen die Stimmen der CSU.

UnterschleißheimMit dem Neubau der Stadtmitte soll Leben ins brach liegende Zentrum von Unterschleißheim zurückkehren. Die beiden Eigentümer der Flächen wollen zwei Komplexe mit Wohnungen, Läden, Hotel und Gastronomie errichten. Der Stadtrat hat sich mehrheitlich mit 18:13 Stimmen in einer langen Sitzung auf den Entwurf von Steidle Architekten festgelegt, den auch die Jury – bei einer Gegenstimme – zum Sieger gekürt hatte. CSU und Manfred Riederle (FDP) waren dagegen.

Die CSU kritisiert Höhe und Masse der Baukomplexe. Zweiter Bürgermeister Stefan Krimmer (CSU) sagte, „auch der Verkehr ist ein Problem, daher wird eine solche Baumasse von uns nicht mitgetragen“. Für den 43 Meter hohen Hotelturm an der Les-Crès-Brücke sind 13 Geschosse vorgesehen (Ziffer 1). Der 38,4 Meter hohe Wohnturm im Norden würde zwölf Geschosse haben (Ziffer 2 ganz links), die übrigen Gebäude drei bis sieben Geschosse.

Neue Stadtmitte: Lob trifft auf Kritik

Riederle (FDP) bemängelte: „Den Bürgern wurden nur Entwürfe mit maximaler Baudichte vorgelegt, aber keiner mit weniger Baudichte.“

Anders beurteilt Stadtplaner Martin Birgl, der den Wettbewerb organisiert hat, den Siegerentwurf. Er reagiere „fein“ auf die bestehende Bebauung in der Nachbarschaft und habe Wohnturm und Hotelturm, „behutsam ausgearbeitet“. Dank wohlproportionierter Gebäude entstünden keine Fronten zur Bahnlinie oder zur gegenüberliegenden Ärztezeile.

Bürgerbeteiligung „war keine Alibiveranstaltung“

Aus der Bürgerbeteiligung seien viele Anregungen und Kritikpunkte eingeflossen, sagte Bürgermeister Christoph Böck (SPD): „Es war keine Alibiveranstaltung.“ Willi Bock von der Agentur Heller und Partner, die den Prozess begleitete, resümierte: „Alle Veranstaltungen waren sehr gut besucht, es kamen immer mindestens 200 Leute.“ Ein wichtiger Wunsch seien bezahlbare Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum. „Die Architekten waren zugänglich für die Kritik.“ Ein Tenor sei gewesen: „Es geht nicht ohne Kompromisse. Bitte entscheiden und bauen.“

Eine derartige Bürgerbeteiligung sei „ein Novum“, sagte Katharina Bednarek (SPD). Sie wünscht sich, „dass es zügig weitergeht und wir mal zu Potte kommen“.

ÖDP zieht mit, weil sie Entwicklung nicht verzögern will

Nicht ganz überzeugt zeigte sich Jolanta Wrobel (ÖDP), die viele Vorteile im zweitplatzierten Entwurf von Robert Meyer sah. „Er hat zwar vier Hochpunkte, aber die sind nicht so hoch.“ Birgl legte dar, dass die vier Blöcke mit zwölf, sieben, zehn und acht Geschossen „eine Front“ bildeten: „Das ist ein richtig heftiges Statement.“ Wrobel ließ sich überzeugen, „weil die ÖDP auf keinen Fall die Entwicklung verzögern will“.

Martin Reichart (FB) warnte vor einer Reduzierung der Baudichte, „sonst machen wir uns mitschuldig, zu viel Grund für zu wenig Wohnungen zu verbrauchen.“ Jürgen Radtke (Grüne) sieht die Radwegeverbindung vom Klosterfeld noch nicht als gelöst an und brachte eine ökologische Holzbauweise für die Komplexe ins Gespräch.

Böck: CSU nimmt in Kauf, dass weiterer Stillstand erfolgt

Bürgermeister Böck bedauert, „dass die CSU es in Kauf nimmt, dass weiterer Stillstand in der Stadtmitte erfolgt“. In der Vergangenheit habe sich die CSU für Hochhäuser stark gemacht, so vor acht Jahren für ein 96 Meter hohes Hotel an der Carl-von-Linde-Straße. Dem entgegnete Stefan Diehl (CSU), es habe sich damals um Hochhäuser in Gewerbegebieten gehandelt. Im vorliegenden Entwurf sei der Hochpunkt mit Wohnungen „eine Katastrophe“, die „Leute im nördlichen Bereich werden durch die „voluminöse Baudichte belastet“.

SPD, Grüne, Freie Bürgerschaft und ÖDP stimmten für den Steidle-Entwurf. Die Stadt wird nun mit den Grundeigentümern einen Vertrag nach den SoBon-Linien aushandeln. Die Verkehrserschließung über die Robert-Schuhmann-Straße und die Lage des Busbahnhofs stehen noch auf dem Prüfstand. Zudem sollen die Architekten den nördlichen Wohnturm reduzieren und die Fläche auf den südlichen Hotelturm umverteilen, um dessen Dominanz zu stärken.

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