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Die Einsatzkräfte waren rund zwölf Stunden am Bahnhof im Einsatz.

Unterschleissheim unter Wasser

Falsche Pläne schuld am Rohrbruch?

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Ein Rohrbruch am Bahnhof versetzte Unterschleißheim am Montag in Ausnahmezustand. Mittlerweile gibt es Vermutungen, was zu dem Unglück geführt haben könnte.

Unterschleißheim – Ausnahmezustand in Unterschleißheim: Ein Rohrbruch an der Baustelle am S-Bahnhof hat am Montag die Unterführung, Straßen, Keller und Tiefgaragen überflutet. Die Feuerwehr war die ganze Nacht im Einsatz. Inzwischen weiß man: Die von der Bahn beauftragte Firma hat das Leck an der Hauptleitung verursacht. Doch wie konnte es dazu kommen? Und wer kommt für den Schaden auf?

Als die Feuerwehr kurz vor 17 Uhr alarmiert wurde, war die Bahnunterführung am S-Bahnhof Unterschleißheim schon bis unters Dach mit Wasser vollgelaufen. Die Pegasus- und Siriusstraßen hatten sich in Bäche verwandelt. Eine Tiefgarage an der Siriusstraße und Aufzugsschächte und Keller in der Pegasusstraße liefen voll Wasser. Der S-Bahnverkehr war lahmgelegt. Und ein Ende der Flut war nicht in Sicht. Rund 600 Liter Wasser sprudelten pro Sekunde aus der zerstörten Hauptleitung an der Baustelle am S-Bahnhof. Der wird aktuell barrierefrei ausgebaut. Und hier liegt auch der Ursprung der Misere.

Unterschleißheimer Bahnhof unter Wasser: Einsatzkräfte bis in die Nacht im Einsatz

Nach Informationen von Unterschleißheims Feuerwehr-Kommandant Markus Brandstetter hatte die beauftragte Baufirma tonnenschwere Spundwände in den Boden gerammt und dabei die gusseiserne Hauptleitung durchtrennt. Der Firma liegen eigentlich die Pläne vor, wo welche Leitungen im Untergrund verlaufen. Nach Angaben eines Sprechers der Bahn war aber ausgerechnet diese Leitung in den Plänen nicht eingezeichnet. „Niemandem ist das aufgefallen“, sagt der Bahnsprecher. 

Der Übeltäter: Das zerstörte Rohr der Wasserleitung in Unterschleißheim.

Baufirmen sind verpflichtet, sich vorab Sparteninformationen einzuholen über Gas-, Wasser- und Elektroleitungen. Woher der Plan stammt, den die Firma vorliegen hatte, ist noch unklar. „Wir müssen jetzt selbst erst einmal schauen, wo die Ursache lag“, sagt Bürgermeister Christoph Böck (SPD). Wie es also zu dem folgenschweren Fehler kommen konnte, ist unklar. Und damit auch, wen die Schuld trifft und wer für den Schaden letztlich aufkommt. Wie hoch der entstandene Schaden ist, wird sich wohl erst in den kommenden Tagen herausstellen.

Einsatzkräfte bis 6 Uhr morgens vor Ort

Ohne weiteres ließ sich der Wasserstrom am Montagabend jedenfalls nicht stoppen. Denn zunächst registrierte das System des Wasserwerks der Unterschleißheim lediglich einen Abfall des Wasserdrucks. Das System geht dann von einem erhöhten Bedarf aus und schiebt noch mehr Wasser nach. Also sprudelte die Fontäne fleißig weiter. Händisch mussten die Wasserrohre an acht Punkten mit sogenannten Schiebern verschlossen werden. 

Somit waren mehrere Anwohner und auch Firmen viele Stunden von der Wasserversorgung abgeschnitten. Das Wasserwerk der Stadt hat noch am Montagabend eine Notwasserversorgung eingerichtet. Für die Dauer der Reparaturen an der Hauptleitung wird das Wasser in Unterschleißheim vorerst weiter umgeleitet.

Erst als die Hauptleitung zugedreht war, konnten die Feuerwehr Unterschleißheim und die Feuerwehr Riedmoos mit dem Auspumpen beginnen. „Vorher hätte das keinen Sinn gemacht, weil immer wieder Wasser nachgekommen wäre“, erklärt Kommandant Brandstetter. Insgesamt 40 Einsatzkräfte waren bis in die frühen Morgenstunden beschäftigt, Baugrube, Unterführung, Keller und Tiefgaragen von den Fluten zu befreien. Bis 6 Uhr waren die Feuerwehrleute vor Ort, um die Einsatzstelle am S-Bahnhof auszuleuchten und mit Strom zu versorgen. „Noch zwei Tage wird es sicherlich dauern, bis wir alle Geräte wieder gereinigt und einsatzbereit gemacht haben“, sagt Brandstetter.

„Können froh sein, dass Gleise nicht unterspült wurden“

Knapp eine halbe Stunde war der S-Bahnverkehr am Montagabend komplett lahmgelegt. Viele Fahrgäste saßen am Bahnsteig fest und mussten sich einen Weg zur Le Crès-Brücke bahnen. Nachdem ein Sachverständiger der Bahn geprüft hatte, ob die Züge sicher über die Gleise fahren können, wurde der Zugverkehr eingeschränkt freigegeben. In langsamem Tempo durften die Regionalzüge den Bahnhof passieren, dann folgten die S-Bahnen. Es kam zu massiven Verspätungen und Zugausfällen. 

„Wir können aber froh sein, dass die Gleise nicht unterspült wurden. Das wäre dramatisch gewesen“, sagt Bürgermeister Böck. Denn das hätte eine umfangreiche Sanierung und Sperrung des Bahnverkehrs nach sich gezogen. Gleichzeitig ließen es sich Böck, Brandstetter und Zweiter Bürgermeister Stefan Krimmer (CSU) nicht nehmen, allen Unterschleißheimern für ihre Hilfsbereitschaft am Montagabend zu danken.

Die Bauarbeiten am S-Bahnhof können laut Bahnsprecher fortgesetzt werden. Es sind keine Schäden entstanden, die die Arbeiten beeinträchtigen würden. Für die Anwohner bedeutete der Rohrbruch aber eine ordentliche Portion Arbeit. Für sie begann das große Aufräumen nämlich erst am Dienstagmorgen.

Patricia Kania

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