+
Der Grundstein für den Büropark wird kommende Woche gelegt. Wie viele Arbeitsplätze entstehen, ist unklar.

Angst vor dem Verkehrskollaps

1600 oder 4000 neue Arbeitsplätze? Verwirrspiel um Unterschleißheimer Büropark 

  • schließen

Ein Gewerbegebiet, zwei Zahlen und jede Menge Verwirrung: In Unterschleißheim legt kommende Woche die Freo-Group den Grundstein für den neuen Büropark „Koryfeum“. Doch jetzt gibt es Verwirrung um die Zahl der neuen Arbeitsplätze und große Sorge, was das für den Verkehr auf der Landshuter Straße bedeutet. 

Unterschleißheim – In Unterschleißheim legt kommende Woche die Freo-Group den Grundstein für den neuen Büropark „Koryfeum“. Doch jetzt schwirrt eine Zahl durch die Stadt, die die Unterschleißheimer Grünen aufhorchen lässt. Die Zahl 4000. So viele Arbeitsplätze vermarktet die Freo-Group. Die Stadt geht von 1600 aus.

Grünen-Kandidat befürchtet Verdopplung des Verkehrs

Der Bürgermeisterkandidaten der Grünen, Tino Schlagintweit, fürchtet eine Verdopplung des Verkehrs auf der Landshuter Straße und wittert ein Wahlkampf-Thema. In einer Pressemitteilung und in einem Facebook-Beitrag spricht er von „Wirrwarr“ in der Planung, weil das Verkehrsgutachten 1600 Beschäftigte zu Grunde legte. Auf diesem Gutachten basiert unter anderem die Genehmigung für den Büropark. Er kritisiert, dass so etwas in einer Stadt wie Unterschleißheim nicht passieren dürfe. Er prophezeit für das Jahr 2030 einen Verkehr „wie auf der Verdistraße“.

Es ist Wahlkampf, und Schlagintweit ist ein erklärter Gegner von neuer Gewerbeansiedlung und urbanen Vierteln. Das hat er bei seiner Vorstellung als Bürgermeisterkandidat klar gemacht. Die Zahl von 4000 Arbeitsplätzen, die die Freo-Group genannt hat, und die nicht so ganz zusammenpassen will mit den Angaben der Stadt, nimmt Schlagintweit zum Anlass, um für sich, die Grünen und ein „gesamtstädtisches Mobilitätskonzept“ zu werben.

Bürgermeister Böck: Zahlen basieren auf Verkehrsgutachten

Bürgermeister Christoph Böck (SPD) betont in einer Stellungnahme, dass die Zahlen des Verkehrsgutachtens, das 2016 erstellt und 2017 akutlaisiert wurde, gültig sind. „Es legt eine Mitarbeiterzahl von rund 1600 und insgesamt 1500 Kfz zugrunde, die täglich in den Gewerbepark ein- und ausfahren, das ergibt 3000 Fahrzeugbewegungen.“ Die Angabe von 4000 Arbeitsplätzen könne Böck nicht nachvollziehen.

Das sagt die Freo-Group

Auf Nachfrage des Münchner Merkurteilt die Freo-Group mit: „Die Anzahl der zukünftig im Koryféum Beschäftigten hängt maßgeblich von den Mietgesuchen sowie den Nutzungsarten und einer noch nicht konkretisierbaren Belegungsdichte der Mieter in den künftigen Büroräumen ab.“ Denkbar seien Gastronomie-, Schulungs- und Konferenzflächen oder auch ein Hotel. Die 4000 Arbeitsplätze seien mit einem „Durchschnittswert von 20 Quadratmetern pro Arbeitsplatz“ berechnet.

Eine vage Größe also, schließlich weiß der Investor noch nicht, an welche Nutzer er am Ende vermietet. An den anvisierten 3000 Kfz-Bewegungen, die im Verkehrsgutachten stehen, werde sich aber nichts ändern, bestätigt die Freo-Group gegenüber Bürgermeister Böck.

Immobilienexperte sagt: 4000 Arbeitsplätze sind zu hochgegriffen

„Viel heiße Luft“, kommentiert Richard Salzmann die Aufregung um die Zahlen. Der Unterschleißheimer Immobilienexperte hatte ursprünglich auf dem Areal seinen „Opus Office Plaza“ geplant, aber 2017 die Fläche an die Freo-Group verkauft. Auch er bestätigt, dass 1600 Arbeitsplätze im Koryfeum realistisch seien. „Man muss nur Business Campus und Koryfeum vergleichen“, sagt Salzmann. Im benachbarten Business Campus, der im Endausbau 200 000 Quadratmeter Geschossfläche erreichen wird, werden bis zu 4500 Arbeitsplätze entstehen. Das bestätigt Campus-Geschäftsführer Stephan Hof. „Das Koryfeum mit 80 000 Quadratmetern ist um das 2,5-Fache kleiner“, rechnet Salzmann vor. 4000 Arbeitsplätze seien da sehr hochgegriffen. Ohnehin könne heute keiner sagen, wie viele Menschen 2025 im Koryfeum arbeiten werden. „Das hängt davon ab, welche Mieter einziehen“, und ob neben Büros auch Ausstellungsflächen, Lager oder vielleicht ein Hotel entstehen – also Nutzungen mit viel Fläche und wenig Personal.

Freo-Group ist sich sicher: Landshuter Straße reicht als Verkehrsader

Plausibel wird das Verhältnis von 4000 Arbeitsplätzen und nur 3000 Fahrzeugbewegungen pro Tag, falls im Koryfeum moderne Bürokonzepte umgesetzt werden. Dann könnte es sein, dass ein Schreibtisch von drei Mitarbeitern genutzt wird: „Einer ist im Homeoffice, einer arbeitet im Außendienst und einer ist tatsächlich auch physisch anwesend“, stellt Hof fest, „und nur dieser eine verursacht Verkehr.“

Die Erschließung über die Landshuter Straße bereitet der Freo-Group und Stephan Hof jedenfalls keine Bauchschmerzen: „Die Landshuter Straße reicht als Verkehrsader, auch wenn das Koryfeum und das Gartenquartier bezogen sind“, sagt Hof.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach 42 Jahren: Der Heimatbeamte von Sauerlach geht in Rente
Über vier Jahrzehnte hat Robert Maier für denselben Arbeitgeber gearbeitet: Seine Heimatgemeinde Sauerlach. Nun geht eine Ära zu Ende.
Nach 42 Jahren: Der Heimatbeamte von Sauerlach geht in Rente
Drogenlabor auf dem Uni-Campus der Bundeswehr
Auf dem Gelände der Bundeswehr-Universität in Neubiberg soll ein Student ein illegales Doping-Labor betrieben haben. Nun steht er vor Gericht.
Drogenlabor auf dem Uni-Campus der Bundeswehr
„Die Party ist vorbei“: Rücklagen schmelzen von 490 Millionen auf 35 Millionen Euro
Unterföhring gilt seit Jahren als eine der wohlhabendste Kommune Deutschlands. Doch die millionenschweren Investitionen der letzten Zeit lassen die Rücklagen massiv …
„Die Party ist vorbei“: Rücklagen schmelzen von 490 Millionen auf 35 Millionen Euro
Krise im Further Bad: Saisonbetrieb noch nicht gesichert - Bademeister und Vorstände hören auf
Krisenstimmung herrscht derzeit hinter den Kulissen des Vereins „Freunde des Further Bads“. Dem Naturbad in Oberhaching ist der Vorstand auseinandergebrochen. Weil jetzt …
Krise im Further Bad: Saisonbetrieb noch nicht gesichert - Bademeister und Vorstände hören auf

Kommentare