Nicht so viele Rucksäcke wie sonst hängen an den Garderoben in den Kitas.  SymbolFoto: dpa
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Ihren Erziehern zahlt die Stadt weiterhin 200 Euro extra pro Monat.

Verlängert bis 2022: Erzieher und Kinderpfleger bekommen weiterhin Extra-Lohn

  • vonAndreas Sachse
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Um für Erzieher und Kinderpfleger attraktiv zu bleiben, zahlt die Stadt Unterschleißheim auch weiterhin die Arbeitsmarktzulage. Diese wäre Ende des Jahres ausgelaufen.

Unterschleißheim – Ohne zusätzlichen Anreiz geht fast nichts mehr. Traditionell unterbezahlte Berufsgruppen aus dem sozialen Bereich fragen bei Anstellungsgesprächen immer öfter nach Bonusprogrammen. Wer da nicht mitzieht, geht schnell leer aus. Die Stadt Unterschleißheim verlängert daher die bis Ende des Jahres befristete Arbeitsmarktzulage für Kinderpfleger und Erzieher bis 31. Dezember 2022.

Ob Ballungs-, Großraum- oder Arbeitsmarktzulage, preisgünstiger Wohnraum, Fahrtkostenzuschuss oder extra Geld für jedes Kind – seit spätestens fünf Jahren stehen sich Städte, Gemeinden und Landkreise in einem unbarmherzigen Wettbewerb gegenüber. Der Preis sind Feuerwehrleute, Krankenpfleger und Sanitäter. Im Landkreis München geht es meist um Kinderpfleger und Erzieher. Dabei orientiert sich die Großraumzulage – anders als die an den Wohnort gebundene Ballungsraumzulage am Arbeitsplatz. Wer aus Sicht etwa des Landratsamts im Landkreis jobbt, wird vom Kreis gesponsort. Hintergrund sind die hohen Lebenshaltungskosten rund um München.

„Es bleibt uns also gar nichts anderes übrig, als so weiter zu machen.“

Im Hauptausschuss der Stadt Unterschleißheim pries Bürgermeister Christoph Böck (SPD) die Arbeitsmarktzulage als längst unentbehrlich gewordenes Instrument im Ringen um begehrte Fachkräfte. In Verbindung mit der Großraumzulage hätten sich die für Erzieher (200 Euro) und Kinderpfleger (150 Euro) monatlich zusätzlich gewährten Mittel als überaus hilfreich erwiesen, um ausreichend Personal für Kindergärten, Krippen und Horte zu akquirieren. Das Problem: „Umliegende Kommunen machen es genauso“, sagte Böck: „Es bleibt uns also gar nichts anderes übrig, als so weiter zu machen.“

Erst im Oktober setzte Oberschleißheim die Arbeitsmarktzulage für Kinderpfleger um 50 auf 200 Euro herauf. Die Nachbargemeinde verabschiedete sich damit von der jahrelang verfolgten Praxis, Kinderpfleger geringer zu bezuschussen als Erzieher. Rückwirkend zum 1. September werden beiden Berufsgruppe jeden Monat 200 Euro extra ausbezahlt. Darüber hinaus lockt Schleißheim mit preiswertem Wohnraum.

Bonusprogramm kostet die Stadt 762 000 Euro.

Im Jahr 2009 räumte der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern (KAV) Arbeitgebern aus dem Öffentlichen Dienst die Möglichkeit ein, bestimmte Berufsgruppen durch Zulagen an sich zu binden. München und der Landkreis lieferten sich bald erbitterte Duelle. Gemeinden und Städte zogen nach. Kinderpfleger und Erzieher sind nicht nur unverhältnismäßig bezahlt. Die Ausbildung gilt als zeitraubend und anspruchsvoll. Kein Wunder, dass immer mehr Kita-Trägern in Anstellungsgesprächen die Frage nach Zulagen begegnet.

Eine Vielzahl von Kommunen aus dem Umland bedient sich inzwischen der Kombination von Arbeitsmarkt- und Großraumzulage; weitere Extras inklusive. Garching und Ismaning sind genauso dabei, wie der Landkreis Freising und die Gemeinden Eching und Neufahrn. Der Bezirk Oberbayern überweist Beschäftigten einen Fahrtkostenzuschuss. Im Juli eröffnete der KAV seinen Mitgliedern die Chance, auch Gemeindemitarbeitern eine Arbeitsmarktzulage auszuzahlen. Die Zulage muss befristet sein und soll der Deckung des Personalbedarfs dienen. Abwanderungswilliges Personal darf mit Bonuszahlungen gehalten werden.

Unterschleißheim hat keine Wahl, als mitzuziehen. Ohne Extras wären die Erfolgsaussichten bei der Personalakquise eher gering, heißt es aus dem Rathaus. Man müsste sogar damit rechnen, dass sich Fachkräfte der 21 Kitas andernorts orientieren. Das Bonusprogramm kostet die Stadt 762 000 Euro.

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