1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Unterschleißheim

Nach Bürgerprotest: Wohnturm wird zwanzig Meter kürzer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Charlotte Borst

Kommentare

null
Autofrei mit Gässchen und Plätzen: Das neue Viertel an er Alfred-Nobel-Straße verspricht Wohnqualität. Das Konzept von Architekt Gernot Vallentin reagiert auf einen Trend: Private Wohnungen werden kleiner zugunsten von Gemeinschaftsräumen, wie Co-Working-Plätze, Gästeapartments und einen Raum für Feste. © Grafik: DV Immobilien

Der Wohnturm im neuen Quartier am Business Campus in Unterschleißheim wird mit 50 Metern kleiner als ursprünglich geplant. Heute entscheidet der Stadtrat über die überarbeiteten Pläne.

Unterschleißheim – Die Erfahrungen mit Neubauprojekten im Landkreis zeigen, dass Hochhäuser bei den Anwohnern meist nicht gut ankommen. Sie verschatten die umliegende Bebauung, sorgen für Parkplatznot und verändern den Charakter einer Kleinstadt, so der Tenor, der auch im Juni aufkam, als erstmals der Wettbewerbsentwurf zum Wohnquartier am Business-Campus vorgestellt wurde. Die DV Immobilien-Gruppe präsentierte als Eigentümerin und Investorin im geplanten Viertel ursprünglich einen 70 Meter hohen Wohnturm als Landmarke. Das lehnten viele ab.

Wie sich dieser erste Entwurf durch die Bürgerbeteiligung verändert hat, haben die DV Immobilien-Gruppe und die Stadt Unterschleißheim jetzt erstmals präsentiert, heute Abend debattiert der Stadtrat über den überarbeiteten Entwurf ab. „Wir gehen den nächsten Schritt zu einem zukunftsweisenden Wohnbauprojekt“, sagte Bürgermeister Christoph Böck (SPD) bei der Präsentation. „Das Quartier begeistert mich nach wie vor.“

Unterschleißheimer haben Vorrang bei der Vergabe von Wohnungen

Architekt Gernot Vallentin hat Anregungen und Kritikpunkte berücksichtigt. Der Wohnturm wurde von 70 Meter auf 50 Meter gekappt und die Baudichte von einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 1,33 auf 1,23 reduziert. Denn die Bürger hatten gefordert, dass sich das Viertel an einer GFZ von 1,2 orientieren sollte, was der Dichte in anderen neueren Wohnvierteln in Unterschleißheim entspricht. Zwei der 15 Punkthäuser wurden gestrichen und Baukörper gedreht, um die Belichtung zu optimieren.

In vier Jahren könnten rund 900 Bewohner auf den 33 450 Quadratmetern leben, die aktuell als Parkplatz dienen.

Unterschleißheimer sollen bei einem Großteil der Wohnungen Vorrang haben, sobald diese vergeben werden – darin waren sich Bürgermeister Böck und Stephan Hof, Geschäftsführer von DV Immobilien, einig.

„Man spürt, dass der Bedarf da ist“

„In der Stadt sind in den vergangenen acht Jahren keine größeren Wohnquartiere entstanden. Man spürt, dass der Bedarf da ist“, sagte Böck. Die Stadt ist aufgrund der SoBoN-Richtlinie Eigentümerin eines Drittels der Fläche. Bei der Frage, wie viele Wohnungen verkauft beziehungsweise vermietet werden, steht die Entscheidung noch aus. Ebenso sei die Anzahl der städtischen Wohnungen noch Verhandlungssache.

Weitere Neuerungen: Eine sechsgruppige Kindertagesstätte, die in Workshops und per Online-Beteiligung gefordert wurde, wird integriert. Gewerbeflächen und Gemeinschaftsräume sind an der Alfred-Nobel-Straße platziert. Die Tiefgarage wurde vergrößert, sodass 467 Stellplätze entstehen, statt bisher 428, wobei auch die Parkplätze selbst auf 2,50 Meter verbreitert ist, „damit ihre Akzeptanz verstärkt wird, und die Bewohner nicht in der Nachbarschaft parken“, sagte Hof.

Wünsche „nicht mit Widerwillen eingearbeitet“ 

Die bereits verankerte Idee, dass die Wohnbebauung von der niedrigen Nachbarschaft zu den hohen Gewerbebauten des Businessparks hin ansteigt, wurde nochmals verstärkt, um die Anwohner zu entlasten.

Die Wohnungsgrößen wurden reduziert, bei gleicher Zimmerzahl. „Wir nutzen die Flächen effizienter. Dadurch sinken die Wohnkosten, und es können mehr Wohnungen entstehen“, erklärte Hof. Auf dem Prüfstand stehen noch die Verkehrsverbindung für Fußgänger und Radfahrer zur Keltenschanze und die Frage nachhaltiger Baumaterialien.

Lesen Sie auch: Haushalt 2020: Stadt investiert 52 Millionen Euro

Die überarbeitete Planung sei kein „fauler Kompromiss“ heißt es vonseiten des Investors. Ob der Entwurf durch die Bürgerbeteiligung gewonnen habe? „Wir haben die Wünsche, die an uns herangetragen wurden, nicht mit Widerwillen eingearbeitet“, sagt Architekt Vallentin. „Das Konzept hat genügend Freiräume, um die Anliegen aufzunehmen.“ Allerdings erwähnt er offen, dass ihn persönlich die 70 Meter hohe Landmarke überzeugt hätte.

Heute im Stadtrat

Heute um 19 Uhr werden die  überarbeiteten Entwurfspläne im Stadtrat vorgestellt. Bei einer Informationsveranstaltung am 8. Januar präsentieren DV Immobilien und die Stadt die Pläne im Bürgerhaus.

Auch interessant

Kommentare