„Combat 18“: Seehofer mit radikaler Entscheidung - Razzien in mehreren Bundesländern

„Combat 18“: Seehofer mit radikaler Entscheidung - Razzien in mehreren Bundesländern
+
Er freut sich über leuchtende Kinderaugen: Holger Schwedt im vollen Nikolaus-Ornat bei einem Auftritt im Olympiaeinkaufszentrum in München.

Seine eigenen Enkel besucht er nicht - aus gutem Grund

„Ich spiele keinen Weihnachtsmann“: Zu Gast im Haus vom Nikolaus

  • schließen

Echt wahr: Der Nikolaus wohnt in Unterschleißheim. In seinem Wohnzimmerschrank stehen die Romane von Karl May, an der Wand hängen Fotos der Enkelkinder. Wir haben ihn besucht.

Unterschleißheim – Nichts deutet darauf hin, dass in der adretten Wohnsiedlung nahe dem Lohhofer Bahnhof der Mann mit dem weißen Rauschebart wohnt, der in der Vorweihnachtszeit von einem Termin zum nächsten hetzt, weil er auf Weihnachtsfeiern und Christkindlmärkten so angesagt ist. Auf den Stellplätzen vor den Mehrfamilienhäusern parken Autos, keine Rentiere mit Schlitten. An den Fensterscheiben der Wohnungen finden sich weder Weihnachts- noch Wintermotive. Auch einen Kamin sucht man im Wohnhaus des Nikolaus vergeblich. Stattdessen gibt es einen Aufzug.

Wobei Holger Schwedt, wie der Nikolaus in Wirklichkeit heißt, mit Schlitten oder Rentieren sowieso nichts am Hut hat. „Ich spiele den heiligen Nikolaus von Myra, keinen Weihnachtsmann und erst recht keinen Santa Claus“, betont der 71-Jährige mit dem norddeutschen Zungenschlag gleich zu Beginn.

Seine Utensilien lagert der Nikolaus in einer Reisetasche

Die Utensilien, die er benötigt, hat er aus der schwarzen Reisetasche geholt, auf dem roten Sofa ausgebreitet und durchgecheckt. Liturgisches Unterkleid, Stola, Bischofsmütze, Hirtenstab, Siegelring, Bart und Nikolaussack – alles da. Nur die weißen Handschuhe fallen bei der Kontrolle durch. „Die muss ich noch waschen“, sagt Schwedt mit prüfendem Blick.

Sein wirkliches Gesicht soll keiner kennen: Bei der Kontrolle seines Kostüms lässt sich Holger Schwedt nur von hinten fotografieren.

Schwedt ist ein echter Nikolaus-Profi. Seit rund sieben Jahren schlüpft der 71-Jährige in die Rolle des Heiligen. Der ehemalige Vertriebsleiter für Motorradreifen war gerade in Rente gegangen, als überraschend seine Frau stirbt. „Da musste ich mein Leben neu sortieren“, erzählt er. Um, wie er sagt, „rauszukommen“, hat sich der aus Hannover stammende Unterschleißheimer, neue Beschäftigungen gesucht: Er testet zum Beispiel für Marketingfirmen Produkte und nimmt an U-Bahn-Zählungen teil.

Er tritt in Kindergärten und Altenheimen, auf Betriebsfeiern und in sozialen Einrichtungen auf - immer ohne Krampus

Sein Schwiegersohn, der selbst seit Jahren den Nikolaus spielt, hat ihn letztlich überredet, das Kostüm überzustreifen – für eine Agentur. Seitdem beschert Schwedt Groß und Klein in Kindergärten und Altenheimen, auf Betriebsfeiern und in sozialen Einrichtungen. Er war schon Nikolaus im Olympiaeinkaufszentrum und auf dem Christkindlmarkt in Taufkirchen. Am heutigen 6.  Dezember schreitet er als Heiliger Mann über den Viktualienmarkt und sucht das Gespräch mit den Passanten.

Auch bei Firmen ein gern gesehener Gast: Nimmt der Nikolaus die Angewohnheiten einzelner Mitarbeiter aufs Korn, freuen sich darüber meist die Kollegen.

Ein Krampus begleitet ihn dabei nicht. „Aus dem Zeitalter sind wir raus“, findet er. Man müsse den Kindern keine Angst machen. Der Nikolaus in seinem vollen Ornat sei für die Kleinen beeindruckend genug. „Ich möchte, dass den Kindern im Gedächtnis bleibt: Der Nikolaus ist ein lieber Mann, der ist eigentlich ganz nett.“ Deshalb trage er auch nicht nur vor, sondern beziehe die Kinder mit ein. Dabei erzählt er vom echten Nikolaus oder thematisiert das Nehmen und Geben. „Ich rede dabei so mit ihnen, wie ich zu meinen Enkeln auch rede. Das funktioniert. Die Kinder sind dann meist völlig offen zu mir.“

Wenn Eltern ihm vor privaten Hausbesuchen schreiben, was er den Kindern zu sagen hat, will Schwedt, dass das Positive im Vordergrund steht. Eltern, für die er als Nikolaus die Kinder nur ausschimpfen sollte, hat er auch schon Abfuhren erteilt und sie gebeten, sich einen anderen Nikolaus zu suchen. „Die Holzhammer-Methode ist nicht die meine. Ich will die Kinder stärken.“

Nur die eigenen Enkel besucht er nicht

Der 71-Jährige will sich bei seinen Auftritten auch nicht verstellen müssen. Deshalb kam es für ihn nie infrage, als Heiliger Mann bei den eigenen Enkeln vorbeizuschauen. „Die hätten mich sofort erkannt“, sagt Schwedt.

Stattdessen ist einer seiner Enkel bereits in seine Fußstapfen getreten. „Er hat im letzten Jahr für die Höhenkirchner Burschen den Nikolaus gespielt“, erzählt der Opa stolz. Bahnt sich da ein Generationenwechsel an? „Solange es mir gut geht und ich Lust dazu habe, mache ich weiter“, stellt Schwedt klar. Schließlich gibt ihm die Rolle des Nikolaus einiges. „Natürlich verdiene ich mir mit den Auftritten gerne etwas zur Rente dazu“, gibt Schwedt unumwunden. „Aber ich freue mich vor allem über die glänzenden Kinderaugen und das positive Feedback der Eltern. Denn bei mir Zuhause habe ich ja niemanden mehr, der mir dieses Feedback gibt.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

1600 oder 4000 neue Arbeitsplätze? Verwirrspiel um Unterschleißheimer Büropark 
Ein Gewerbegebiet, zwei Zahlen und jede Menge Verwirrung: In Unterschleißheim legt kommende Woche die Freo-Group den Grundstein für den neuen Büropark „Koryfeum“. Doch …
1600 oder 4000 neue Arbeitsplätze? Verwirrspiel um Unterschleißheimer Büropark 
Hier schmeckt’s ausgezeichnet: Vier Gaststätten im Landkreis erhalten Qualitätssiegel 
Für ihre „Ausgezeichnete Bayerische Küche“ haben 25 Gastronomiebetriebe jetzt das Qualitätssiegel mit den weiß-blauen Rauten erhalten. Darunter sind auch vier Betriebe …
Hier schmeckt’s ausgezeichnet: Vier Gaststätten im Landkreis erhalten Qualitätssiegel 
Bewohner fliehen vor Flammen in sechsstöckigem Haus: Großeinsatz der Feuerwehr
Eine Wohnküche in einem sechsstöckigen Haus in Ottobrunn ist am Mittwochnachmittag ausgebrannt. Der Bewohner wurde verletzt, meldet die Feuerwehr.
Bewohner fliehen vor Flammen in sechsstöckigem Haus: Großeinsatz der Feuerwehr
Beim Bremsen kracht es plötzlich: Feuerwehr muss Schwerverletzte (75) freischneiden
Als sie von der Straße in ein Grundstück einbiegen wollte, krachte es: Eine Seniorin aus Aying ist bei einem Unfall schwer verletzt worden - offenbar ohne eigene Schuld.
Beim Bremsen kracht es plötzlich: Feuerwehr muss Schwerverletzte (75) freischneiden

Kommentare