Unterschleißheimer Autoverkäufer wegen Hehlerei vor Gericht

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Unterschleißheim - Ein großer Griff ist Fahndern in einem Unterschleißheimer Autohaus gelungen. Ferrari, Porsche, BMW: Sechs in Italien gestohlene Luxus-Limousinen sollten über das Autohaus dem deutschen Markt zugeführt werden. Wegen gewerbsmäßiger Bandenhehlerei muss sich ein Mitarbeiter (55) des Autohauses derzeit vor dem Amtsgericht Freising verantworten.

Seit sieben Jahren schwelt das Verfahren bereits. Ein Anruf aus dem Freisinger Landratsamt ließ die Polizei im Oktober 2009 hellhörig werden. Ein Mitarbeiter des Autohauses versuchte, in Italien zugelassene Automobile umschreiben und mit deutschen Papieren ausstatten zu lassen. Bei den Dokumenten soll es sich allerdings um derart dilettantische Fälschungen gehandelt haben, dass Amtsrichter Michal Geltl fassungslos war.

Deutlich erkennbare Radierungen, falsche Zulassungsnummer, dazu unterschiedliche Nummern auf Fahrzeugbrief und -schein. Eine Reihe von Merkmalen wiesen die Papiere als Fälschungen aus. Die Kripo geht davon aus, dass die Papiere Teil einer 2004 in Foggia, Italien, entwendeten Charge von Blankodokumenten sind. Vom Hof des Autohauses beschlagnahmten die Fahnder daraufhin zwei Ferrari, zwei BMW, einen Porsche und einen Mercedes CL 500, den speziell der Angeklagte versucht haben soll, unters Volk zu bringen. Selbst die Verteidigung geht davon aus, das der vormalige Eigentümer, ein italienisches Leasing-Unternehmen, die Limousinen unterhalb des Radars von Strafverfolgungsbehörden hatte verschieben wollen. Dem Mandanten sei Hehlerei keineswegs anzulasten, da der notwendig vorausgehende Diebstahl der Autos nicht nachgewiesen sei. Merkwürdigerweise waren sowohl der Mercedes als auch einer der Ferraris erst Wochen, nachdem der 55-Jährige die Autos erwarb, als gestohlen gemeldet worden.

Dreieinhalb Jahre waren die Autos anschließend sichergestellt worden, bis sie ihren Besitzern wieder ausgehändigt werden mussten. Selbst auf dringende Bitte um Rechtshilfe hatten italienische Behörden nicht reagiert. Der Mandant habe den Mercedes vor drei Jahren verkauft, sagte der Anwalt. „Bis heute hat niemand versucht, das Auto zurück zu bekommen.“ Überaus merkwürdig in dem Zusammenhang erschien es Richter Geltl, dass es dem 55-Jährigen gelungen sein soll, den Wagen mit eben jenen gefälschten Papieren anzumelden und zu verkaufen, die den Fall erst ins Rollen gebracht hatten. Als nicht hilfreich zudem erwies sich, dass der in den Zeugenstand gerufene Polizist, wie viele seiner Kollegen, die gefälschten Papiere bloß in Kopie zu Gesicht bekommen hatte.

„Wie soll ich ein Urteil wegen Hehlerei fällen, wenn der Diebstahl nicht feststeht?“ Geltl setzte den Prozss aus, ordnete umfangreiche Nachermittlungen an. Fast sieben Jahre sind inzwischen ins Land gegangen. Irgendwer muss die falschen Papiere doch original gefälscht gesehen haben und irgendwie müsste sich doch klären lassen, wie die Limousinen in Italien abhanden kamen. Wurden sie gestohlen, unterschlagen? Steckt die Leasingfirma dahinter oder fanden sie am Ende doch regulär den Weg über die Alpen?

Andreas Sachse

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