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Großbaustelle Schützen-Festzelt.

Unterschleißheimer bauen Schützen-Festzelt

Wiesn-Aufbau: Andreas Vollrath lebt seinen Traum

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Unterschleißheim -  120 Laster Baumaterial verbauen die Handwerker vom „Bau-Team“ in Unterschleißheim auf 5000 Quadratmetern. Sie bauen derzeit das Schützen-Festzelt fürs Oktoberfest auf. Ein Besuch auf der Baustelle.

Hier wird das Schützen-Festzelt auf der Wiesn aufgebaut

Es riecht nach Holz. Auf der Teerstraße, die die Theresienwiese in zwei Hälften teilt, flimmert die Sonne. Im Schützen-Festzelt surrt die Hebebühne, hin und wieder wird das Geräusch von einem dumpfen Knall durchbrochen. Und wieder liegt eine Holzbohle für den Fußboden der Galerie im Schützen-Festzelt. Zwei Mitarbeiter von Andreas Vollrath aus Unterschleißheim bringen das Holzbrett in die richtige Position, manchmal hilft ein liebevoller Fußtritt. 

Geschäftiges Treiben auf der Großbaustelle Oktoberfest. Die Wiesn wächst. Im Vergleich zu so manch anderem der insgesamt zwölf Zelte ist das Schützen-Festzelt schon weit gediehen. 

Das Holzskelett steht, das große Namensschild prangt auf dem Dach, und ein Großteil der Außenwände – Fertigelemente aus Holz inklusive Sprossenfenster – verdecken die tragenden Stützen. In der Dachmitte schützt bereits eine weiße Plane vor der Sonne. Sie aufs Dach zu bekommen, „erinnert ans Segeln“, sagt Andreas Vollrath, 43, Sonnenbrille und gestylte Haare. Er ist der Chef des Zimmerer- und Holzbau-Unternehmens „Das Bau-Team“ in Unterschleißheim. Zu sechst haben die Handwerker die Plane aufs Zelt gehievt. Mit kräftigem „Hauruck“.

Das halbe Dach ist schon drauf.

Und über allem thront die Bavaria am tiefblauen Münchner Himmel. Die Patronin schaut direkt aufs Schützen-Festzelt, hat Vollrath und sein Team immer fest im Blick. Die Wiesn, „das war schon immer mein Traum“, sagt Vollrath, seine Augen leuchten. Er lacht. Und nun darf er mit seinem Team zum ersten Mal antreten in der „Königsdisziplin“: Wiesnzelt-Aufbau. 

Seit dem 8. Juli, drei Tage vor dem offiziellen Baustart, verbringen zwölf von insgesamt 19 Mitarbeitern des „Bau-Teams“ jeden Tag acht bis zehn Stunden auf der Theresienwiese. „Wir sind die Neulinge hier und genießen Welpenschutz“, sagt Vollrath. Für die „Neuen“ auf der Wiesn gab es drei Tage Vorsprung. Aber „uns kennt auch jeder hier“. Und natürlich „schaut auch jeder“, wer in diesem Jahr das Schützen-Festzelt aufbaut. 

Großbaustelle Schützen-Festzelt.

Auch Behördenvertreter. Gerade kommt Robert Schellerer vom Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Oberbayern vorbei. „Passt soweit alles“, sagt er und nickt. Sein Aufgabengebiet: sozialer und technischer Arbeitsschutz. Schellerer hat ein Auge darauf, dass „die Arbeiter, die hier ihren Lohn verdienen, diesen auch gesund ausgeben können“ – und nicht vom Zeltdach stürzen. 

Er kommt vorbei und schaut auf jeder der zwölf Großbaustellen nach dem Rechten. Unangekündigte Stippvisiten. Eigentlich. Aber man kennt Schellerer. Kommt er durchs Tor am Haupteingang, hat sich sein Besuch schnell herumgesprochen. Auch bis zum Schützen-Festzelt. 

Aber dort bleibt der Zimmerer- und Maurer-Meister, zeitgleich Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses, gelassen. Vollrath ist die Sicherheit seiner Mitarbeiter wichtig. Nur mit ihnen kann er seinen Traum leben. Wahr werden lassen hat den ein Kollege der Zimmererzunft. Der baut schon seit Jahren das Armbrustschützenzelt und die Fischer-Vroni auf. Als er gefragt wurde, ob er zusätzlich das Schützen-Festzelt übernehmen könne, lehnte er ab – und empfahl das Unterschleißheimer „Bau-Team“, erzählt dessen Chef. Seine Zimmerei und Mitbewerber „wurden durchleuchtet, es gab Bewerbungsrunden“, dann den Zuschlag. 

Vollrath wollte wissen, warum ausgerechnet er bauen darf. Die Antwort: „Wir haben das Leuchten in Ihren Augen gesehen.“ Und wieder leuchten sie, die blauen Augen des Chefs. Er ist völlig entspannt, „wir liegen gut in der Zeit“. Es ist nicht das erste Großprojekt für sein „Bau-Team“. Im Münchner Umland hat es schon etliche Holzhäuser und Großbauten hochgezogen. 

Aber es ist auch noch einiges zu tun. Bis nächsten Mittwoch muss das Zelt komplett stehen, dann geht’s an den Innenausbau. Schänken, rund 6400 Sitzplätze und die Bühne gilt es bis 16. September dort zu errichten, wo derzeit auf 5000 Quadratmetern eine Kiesfläche den Boden bedeckt. 100 bis 120 Lkw-Ladungen voll Schrauben, Holzbohlen, Zeltplanen und Metallstreben müssen die Zimmerer verbauen. Mit purer Unterschleißheimer Manneskraft. 

Vollrath bestellt Lieferung per Lieferung aus Fürstenfeldbruck, wo die Einzelteile des Festzelts eingelagert sind. Der Chef auf der Baustelle schafft an. Und muss die Fläche auch wieder lupenrein an die Stadt München übergeben. Nach dem Abbau darf kein Nagel übrig bleiben. „Danach wird sogar mit einem Magneten gesucht“, erzählt Vollrath. 

Nur um die Elektroarbeiten, die Dekoration und Sanitäranlagen kümmern sich andere Gewerke. Zudem gilt es Absprachen mit der Brauerei und dem Festwirt Eduard Reinbold zu treffen. Ausgeschenkt wird Löwenbräu. Erstmals beim Anstich am 17. September. Am Vorabend müssen die Unterschleißheimer die Wiesn räumen. Auch wenn es schon vorgekommen sein soll, dass „vorne die Musi rein und hinten die Handwerker rausmarschieren aus dem Zelt“, erzählt Vollrath. 

Solche Anekdoten sprechen sich rum, auch bei den Neulingen auf der Wiesn-Baustelle. Aber so stressig soll es beim Schützen-Festzelt nicht werden. Die Unterschleißheimer wollen den besten Eindruck hinterlassen – und 2017 gerne wiederkommen. Einmal angekommen in der „Königsdisziplin“ würde Vollrath seinen Traum gerne weiterleben.

Janine Tokarski

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