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Was ist dagegen die Amtskette eines bayerischen Bürgermeisters? Petra Halbig (r.) mit „Queen Mama“ Amesinu II, und Chief Togbe Akliku Ahorney II im Dorf Dadaboe in Ghana.

In Eigeninitiative

Unterschleißheimer Radlbeauftragte plant Entwicklungshilfe in Ghana

Unterschleißheim - Zweimal ist Petra Halbig (52) im Rahmen der Klimapartnerschaft der Stadt Unterschleißheim mit dem „Ho Municipal District“ nach Ghana gereist. Danach wollte sie die Partner persönlich kennen lernen. Daraus erwuchs ein zweiwöchiger Aufenthalt in einem 800-Seelen-Dorf – und die Idee für ein neues Hilfsprojekt.

In Maif Dadaboe will Petra Halbig ein Entwicklungshilfeprojekt aufziehen. Ihr zur Seite stehen Chief Togbe Akliku Ahorney II, „Queen Mama“ Amensinu II und die Dorfältesten. Der Chief ist einer der Ansprechpartner der 2014 in Unterschleißheim angelaufenen Klimapartnerschaft mit Ho, der 60 000 Einwohner zählenden Hauptstadt des gleichnamigen Municipal Districts in Ghana, der so genannten Volta-Region.

Chief Togbe hatte von Anfang an ein offenes Ohr für Petra Halbigs Wunsch, tiefer einzutauchen in das Leben vor Ort. So lud er sie ein nach Mafi Dadaboe, seinem Heimatdorf nahe Ho, zweieinhalb Autostunden von der ghanaischen Metropole Accra entfernt. Als Fahrradbeauftragte der Stadt Unterschleißheim beteiligt Petra Halbig sich an dem Klimaprojekt ihres Arbeitgebers. Nach Mafi Dadaboe aber kam sie als Privatperson. Darauf legt sie großen Wert.

Kaum Infrastruktur

„Das Land, die Menschen, ihr Leben dort; das hat mich tief beeindruckt“, sagt Petra Halbig, wenige Tage nach ihrer Rückkehr aus Ghana. In vollem Ornat war sie von Chief Togbe Akliku Ahorney II, Queen Mama Amensinu II und den Dorfältesten begrüßt worden. Als Gast im Haus des Chiefs war sie vom ersten Tag an eingebunden in den dörflichen Alltag. Mafi Dadaboe ist ein Dorf, wie es typisch ist für Westafrika. Hütten aus Lehm, Dächer aus Reisig. Der Nähe zur District-Hauptstadt und dem Einsatz des Chiefs verdankt der Ort ein klein wenig mehr Luxus. Togbe Akliku Ahorney II. arbeitet in einem Ministerium in Ho, wo seine Frau und seine drei Kinder leben. In Mafi Dadaboe drückt Luxus sich in Form von Infrastruktur aus. Es gibt Strom, eine Wasserstelle am Dorfplatz, eine kleine Schule, eine Kirche. Der Chief bewohnt eines der wenigen Häuser aus Stein. Mit Queen Mama verbindet ihn der Job. Amensinu II ist für Frauenangelegenheiten zuständig. Verheiratet sind die beiden nicht.

Frauen tragen die Hauptlast

Abgesehen von den infrastrukturellen Errungenschaften ist das Leben im Dorf so hart und entbehrungsreich, wie anderswo in Ghana. Petra Halbig packte überall mit an. Wann genau ihr die Idee kam zu ihrem Entwicklungshilfeprojekt „Friendship without Boarders“, Freundschaft ohne Grenzen, weiß sie nicht so genau. Womöglich an dem Tag, als die Steine für den Schulanbau falsch abgeladen wurden. Für den nächsten Morgen bestellte der Chief Helfer zum Transport der Ziegel ein. Die Schule sollte ein Klohäuschen bekommen. „Ich wollte natürlich dabei sein, war um 7 Uhr da“, sagt Petra Halbig. Aber außer ihr erschien zunächst niemand. „Als Deutsche ist man nun mal pünktlich“, resümiert sie im Nachblick. Schließlich halfen alle mit.

Wasserholen ist Frauensache: Wasserstelle in Dadaboe.

Vor allem die Frauen blieben ihr in Erinnerung, die jede mit zwei Ziegeln auf dem Kopf zum Schulhaus liefen, während die Männer den Frauen bloß die Steine reichten. Petra Halbig würde den Menschen in Mafi Dadaboe den kraftraubenden Alltag gern erleichtern. Gemeinsam mit dem Chief, der „Queen“ und den Dorfältesten begann sie ein Konzept zu entwickeln für „Friendship without Boarders“.

Projekt "Friendship without Borders"

Das Projekt befindet sich noch im Anfangsstadium. Petra Halbig sucht nach einer geeigneten Organisationsform, evtl. einem Verein. Unterstützer und Mitglieder wären willkommen. Ein erstes Konzept sieht als Projekte unter anderem vor: Maßnahmen zur Hygiene und Gesundheitsvorsorge. Wasseranschluss für jeden Haushalt. Aufklärung zum Thema frühe Schwangerschaften und Malaria ICT-Ausbildung (Informations- und Kommunikation stechnik) Information über Fair-Trade. Jobs schaffen durch Fair-Trade. Klassenräume ausbauen, eine Bücherei aufbauen Bäume pflanzen Alternative Energiequellen (Gas statt Holz) Solarstrom für ICT und die Schule Müllvermeidung Kontakt: Tel.: 0160 93727148 Mail: petra.halbig@gmail.com

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