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Wohnen am Südrand der Stadt: Auf den rot markierten Flächen, südlich der Valerystraße und am sogenannten Erdbeerfeld könnten neue Wohngebiete entstehen. Gelb eingezeichnet ist eine landwirtschaftliche Nutzfläche. 

Bürgerbegehren 

Unterschleißheimer wollen sich gegen Zuzug wehren

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Unterschleißheim - Die Interessensgemeinschaft „Für ein lebenswertes Unterschleißheim“ (IG) will sich gegen den neuen Flächennutzungsplan der Stadt wehren. Ziel ist es, die Ausweisung von Neubaugebieten zu verhindern und die Grünflächen zu schützen. 

Sollte der Stadtrat diese Planungen mit einem Beschluss konkret verfolgen, will die IG ein Bürgerbegehren starten. Kann das in Zeiten des enormen Wohnungsdrucks in einer Stadt wie Unterschleißheim überhaupt funktionieren?

Schon vor sieben Jahren kamen in Unterschleißheim Planungen auf, am Südrand neue Wohngebiete auszuweisen. Doch nach massiven Protesten der Bürger beschloss der Stadtrat damals, von dieser Idee wieder abzusehen – vorerst. Bis jetzt wähnten sich die Anwohner in Sicherheit. Doch mit der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes kommen diese Flächen wieder ins Gespräch. Nicht grundlos. Unterschleißheim steht wie die meisten Kommune im Landkreis München unter dem enormen Druck, dem Bedarf nach Wohnraum gerecht zu werden. Jedes Jahr wächst die Kommune mäßig, aber stetig. Inzwischen leben knapp über 28 000 Menschen hier.

Angebot an Wohnungen sehr knapp

Die Region München boomt. Immer mehr Menschen drängen deshalb in den Speckgürtel. Das Angebot an Wohnungen ist in Unterschleißheim besonders knapp. Damit steigen auch die Preise. Nicht umsonst hat es Unterschleißheim auf Platz zwei der teuersten Städte in Deutschland geschafft – direkt hinter München. Das hat eine Untersuchung der F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt GmbH ergeben.

Mit dem

Bau des Business Campus auf dem ehemaligen Gelände von Airbus,mit der Ansiedelung des BMW-Forschungszentrums und dem neuen Gewerbepark „Opus Plaza“ könnte sich die Situation um einiges verschärfen. Neue Wohngebiete müssen her. Und die sollen beispielsweise südlich des Münchner Rings entstehen, jenseits der Valery- und Ringhofferstraße, sowie am sogenannten Erdbeerfeld. Dort, wo jetzt noch Feld und Wiesen sind.

Brigitte Wagner ist Sprecherin der IG

Die Interessensgemeinschaft „Für ein lebenswertes Unterschleißheim“ rund um Sprecherin Brigitte Wagner ist deshalb wieder aktiv geworden. Sie will die Ausweisung neuer Wohngebiete verhindern – notfalls mit einem Bürgerbegehren. Noch ist nichts konkret, Beschlüsse seitens des Stadtrates gibt es auch noch keine. Dennoch verteilt die IG bereits Infoblätter an die Bürger in Vorbereitung auf ein Bürgerbegehren. 1800 solcher Zettel sind gedruckt. Eine mögliche Fragestellung, die für den Antrag eines Bürgerentscheids zwingend erforderlich ist, werde derzeit vorsorglich juristisch abgeklärt, heißt es auf der Homepage der IG.

„Ich habe schon von sehr vielen Menschen hier gehört, dass sie gegen die Vorschläge im neuen Flächennutzungsplan sind“, sagt Brigitte Wagner, die selbst mit ihrem Mann an der Valerystraße wohnt. Unterschleißheim sei eine der am dichtesten besiedelten Kommunen in ganz Deutschland. „Wir haben nur noch 3,6 Prozent Grünfläche. Irgendwann ist auch mal Schluss“, sagt Wagner. Es sollten in Unterschleißheim keine neuen Wohngebiete ausgewiesen werden. Statt immer breiter in die Fläche zu bauen, sollte bestehender Wohnraum nachverdichtet oder leer stehende Gewerbegebäude umgenutzt werden. Das ist nur eine der Forderungen der Interessensgemeinschaft.

Furcht vor noch mehr Verkehr

Im Grunde soll ungezügeltem Zuzug ein Riegel vorgeschoben werden – Wohnungsdruck hin oder her. „Mit noch mehr Menschen steigt ja auch die Verkehrsbelastung“, gibt Wagner zu bedenken. Der Münchner Ring etwa sei jetzt schon extrem ausgelastet. Sollten die Wohngebiete am südlichen Ortsrand tatsächlich ausgewiesen werden, könnten hier laut IG bald rund 3500 Menschen mehr leben. Und Wagner fragt sich: „Wie soll das erst werden, wenn dann noch die Menschen dazu kommen, die am Business Campus und im Open Plaza arbeiten?“

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