Der bemalte Container am Eingang des Urban Gardening-Projekts in Unterschleißheim am Münchner Ring enthält das Gartenwerkzeug, das die Gartenfreunde gemeinsam nutzen.
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Zum Urban Gardening-Projekt in Unterschleißheim am Münchner Ring gehört auch ein Container, in dem die gemeinsamen Gartenwerkzeuge aufbewahrt sind.

Stadt will nach Kritik aus dem Landratsamt das rechtliche Fundament für das Projekt legen

Urban Gardening darf am Münchner Ring Wurzeln schlagen

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Das Urban Gardening-Projekt in Unterschleißheim hat mit „baurechtswidrigen Bauten“, wie einem Container und einem Zaun, die Kritik des Landratsamtes auf sich gezogen. Jetzt will die Stadt die Fläche am Münchner Ring auf ein rechtlich einwandfreies Fundament stellen. 

Unterschleißheim – 30 E-Mails haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Das Urban Gardening Projekt in Unterschleißheim darf zwischen Waldfriedhof und Gymnasium Wurzeln schlagen. Die Gartenfreunde müssen nicht nach Riedmoos umziehen. Der Bauausschuss stellte sich geschlossen hinter die Nutzer der Gartenparzellen am Münchner Ring.

Alle 125 Parzellen sind vergeben

Sehr zur Freude der etwa 15 Gartenfreunde, die die Diskussion im Festsaal verfolgten und von denen sich nach dem Beschluss viele mit einem „Danke“ verabschiedeten. Sie hatten den Stadträten in zahlreichen E-Mails beschrieben, wie viel ihnen das Projekt bedeutet, und dass es in der Mitte der Stadt bleiben sollte. Pächter Michael Bauer initiierte das Gemeinschaftsprojekt 2018 in Unterschleißheim und traf einen Nerv. Inzwischen hat er 40 weitere Gärten vergeben. Auf den 8700 Quadratmetern zwischen Waldfriedhof und Gymnasium bauen die Bürger auf 125 Parzellen Gemüse, Blumen und Obst an und zahlen dafür pro Parzelle 165 Euro im Jahr. Auch einige Bienenkästen stehen mittlerweile am nördlichen Ende der Fläche.

Die Stadt wird das Projekt nun auf ein rechtlich sicheres Fundament stellen. Das Bauamt soll ein Bauleitplanverfahren einleiten, der Flächennutzungsplan wird geändert und die notwendige artenschutzrechtliche Prüfung durchgeführt.

Parzellen liegen im Außenbereich

Denn Container, Zaun, Gewächshäuser missfallen dem Landratsamt, das die Stadt aufgefordert hat, diese „baurechtswidrigen Zustände“ zu beseitigen. Schließlich liegt die Fläche im Außenbereich, wo höchstens Landwirtschaft erlaubt ist. Die Aufsichtsbehörde befürchtet sogar, dass eine Splittersiedlung auf dem Acker entstehen könnte.

Doch da beruhigte die Stadtverwaltung die Kollegen im Landratsamt gleich, schließlich sei mit dem Container, in dem das gemeinsam genutzte Gartenwerkzeug aufbewahrt wird, nur ein Bauwerk entstanden.

Stadträte loben das Projekt

Während das Unterschleißheimer Bauamt vorgeschlagen hatte, dass das Urban Gardening Projekt auf einer anderen Fläche – zum Beispiel in Riedmoos – fortgesetzt werden sollte, stimmten Bürgermeister Christoph Böck (SPD) und der gesamte Bauausschuss für einen anderen Weg. „Das Projekt ist hervorragend“, sagte Böck, „der Standort ist optimal.“ Tino Schlagintweit (Grüne) und Bernd Knatz (ÖDP) sprachen sich für die Fortführung des „einzigartigen Projekts“ aus, ebenso wie Jürgen Radtke (Grüne). Thomas Breitenstein (SPD) lobte, dass viele soziale Kontakte entstanden seien, und stellte fest: „Riedmoos wäre kaum mehr mit dem Rad zu erreichen.“ Allerdings sollte die Stadt präzise formulieren, „was auf dem Areal erlaubt ist und was nicht“.

Pächter sollen sich an Kosten beteiligen

Brigitte Weinzierl (CSU) hält es für richtig, dass die Pächter an den 17 000 Euro beteiligt werden, die die Stadt für die Umwidmung der Fläche investieren muss. Martin Reichart (FB) sieht das sogar als „Pflicht“ der Stadt an. Der Bitte von Sybille Bichlmeier (SPD) sind die Gartenfreunde schon gefolgt, wie Michael Bauer auf Nachfrage berichtet. Sie hatte gebeten, „die Plastiksachen zu verstauen“, weil sie „keinen schönen Anblick bieten“.

Kamelmist zum Düngen

Michael Bauer berichtet, dass nach der Sitzung umgehend eine Besichtigung stattgefunden habe, und Mitglieder aufgefordert wurden, Plastikplanen zu entfernen und auch Gewächshäuser, die ohnehin in den Statuten nicht erlaubt seien. Bis auf wenige Ausnahmen seien alle dieser Aufforderung nachgekommen. Vom Zirkus Barum holen sich die Gärtner derzeit übrigens Kamelmist zum Düngen, im Gegenzug freut sich der Zirkus über eine Spende. 

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