Essen-auf-Rädern ist eines der ältesten Projekte der NBH-Unterschleißheim. Essensfahrerin Suzanna Bouquetova liefert neben der grünen Box immer auch ein Lächeln mit.
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Essen-auf-Rädern ist eines der ältesten Projekte der NBH-Unterschleißheim. Essensfahrerin Suzanna Bouquetova liefert neben der grünen Box immer auch ein Lächeln mit.

Nachbarschaftshilfe baut Angebot Essen-auf-Rädern aus

Warmes Essen und täglich ein Kontakt

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Mit einer dritten Tour soll die Kapazität beim Essen-auf-Rädern in Unterschleißheim auf 14 000 Essen wachsen.

Unterschleißheim – „Hähnchenbrust mit Kartoffeln und Rote Bete-Salat“ oder lieber fleischlos mit „Gemüsebratlingen“? Dazu als Vorspeise „Paprikacremesuppe“ und zum Nachtisch „Erdbeerpudding“. Die Speisekarte des Küchenchefs im Haus am Valentinspark liest sich gut. Seine Menüs liefert die Nachbarschaftshilfe (NBH) derzeit an 58 Kunden nach Hause.

Täglich um 10.30 Uhr beladen zwei Fahrer ihre Autos am Seniorenzentrum und schwärmen in die Stadt aus. Bis 13 Uhr sind beide Touren beendet und die letzten Essensboxen überreicht.

Eines der ältesten Projekte der NBH Unterschleißheim

Seit der Gründung vor 50 Jahren gehört das „Essen auf Rädern“ zu den ersten Aufgaben des Familienzentrums Unterschleißheim. 2019 lieferte die NBH 10 000 Essen aus, 2020 waren es 10 500. „Nach Weihnachten gab es coronabedingt einige akute Anfragen“, berichtet Zweite Vorsitzende Gudrun Gebhard in der Sitzung des Sozialausschusses. Jetzt baut die NBH das Angebot aus. Mit einer dritten Tour soll die Kapazität auf 14 000 Essen wachsen.

Ansprache ist vielen Kunden wichtig

Viele Kunden wollen auch im hohen Alter unabhängig zuhause wohnen. Und selbst wenn das Einkaufen und Kochen zu mühsam wird, legen sie Wert auf ein gesundes warmes Essen. „Es gibt Kunden, denen unsere Fahrerinnen und Fahrer nur das Essen liefern“, berichtet die Leiterin des Projekts „Essen-auf-Rädern“, Barbara Braun. Andere Senioren suchen auch das Gespräch. Manchmal sei die Lieferung der grünen Styroporbox der einzige Kontakt am Tag. „Für sie ist die Ansprache wichtig, weil sie auch einsam sind. Aber dafür sind wir ja die Nachbarschaftshilfe und nicht nur ein Lieferdienst“, sagt Braun.

Die Mitarbeiter würden sich Zeit nehmen und kleine Hilfestellungen leisten. Dann wird das Essen auf dem Teller angerichtet, ein Getränk aus dem Keller geholt oder das Zimmer gelüftet. Die Mitarbeiter schauen täglich vorbei, bekommen mit, wenn etwas nicht in Ordnung ist, halten Rücksprache mit den Senioren oder alarmieren notfalls weitere Hilfen. „Das beruhigt unsere Kunden und deren Kinder. Sie wissen, dass regelmäßig jemand nach ihren Eltern schaut“, sagt Braun.

Stundenlohn der Essensfahrer wird erhöht

Bisher verfügt das Projekt Essen-auf-Rädern über zwei Autos und sechs Fahrer, die als Minijobber Dienst tun. Für die dritte Tour ist ein weiteres Fahrzeug nötig. Den Kauf eines gebrauchten Autos wird die Stadt mit 15 000 Euro bezuschussen, das beschloss der Sozialausschuss einstimmig. Weitere Fahrer werden ins Team aufgenommen, und der Stundensatz soll von 10,50 auf 12 Euro angehoben werden.

Kostendeckend läuft das Projekt aber nicht. Benjamin Straßer (SPD) fragte nach der Preisgestaltung. „Wir haben den Preis für ein Menü in den vergangenen Jahren von 7,90 auf 8,40 und jetzt 9,10 Euro erhöht, um Kosten aufzufangen“, sagte Gudrun Gebhardt. 2020 sei das Projekt aber umsatzsteuerpflichtig geworden. Der NBH ist es wichtig, weiterhin ein niedrigschwelliges Angebot zu machen und den Preis nicht weiter zu erhöhen. „9,10 Euro ist für einige viel Geld“, sagte Gudrun Gebhardt. Die Stadt springt ein und übernimmt das Defizit. Der Ausschuss beschloss, den jährlichen Zuschuss zu erhöhen von bisher 17 000 auf nun bis zu 40 000 Euro.  

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