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Auffällige Werbung: Mit einem Nacktfoto von Micaela Schäfer wirbt die Band Frei.Wild für ihre neue DVD an der Landshuter Straße in Unterschleißheim.  

Werbung der Band „Frei.Wild“  in Unterschleissheim

„Frauenverachtend“: Nackt-Plakat empört

Unterschleißheim - Mit der nackten Micaela Schäfer wirbt die umstrittene Band Frei.Wild für ihre neue DVD. „Empörend“, findet Gabriele Reichold. Dabei ist dies schon die zensierte, brave Version.

Jeden Morgen kriegt Gabriele Reichold die Krise. Jeden Morgen ärgert sie sich maßlos, wenn sie die Landshuter Straße in Unterschleißheim entlangfährt. Denn immer wieder fällt ihr Blick auf dieses eine große Plakat. „Das ist empörend und geht gar nicht“, echauffiert sich die Haimhauserin. „Gnadenlos und frauenverachtend.“

Auf dem Plakat wirbt die Südtiroler Band Frei.Wild für ihre neue DVD. „Mit Liebe, Stolz und Leidenschaft“ heißt sie. Der Titel zieht sich in großen Lettern quer über das Plakat – und verhüllt damit die nackten Brüste des freizügigen Promisternchens Micaela Schäfer. Zwei weitere schwarze Balken laufen quer über das Bild. Einer über ihr Gesicht, einer im unteren Teil des Bildes, um delikate Zonen zu verdecken.

In einer ersten Version der Werbung gab es keine Balken. Schäfer bedeckte ihre Scham nur mit einer Hand, Gesicht und Brüste waren zu sehen. Diese „unzensierte“ Version sorgte im Dezember für Wirbel, vielen Werbefirmen und Werbeflächen-Anbietern war das Plakat zu heiß. Es folgte die bravere Version mit Balken. Schäfer gefällt diese nicht wirklich. ZurBild sagte sie damals: „Ich bin natürlich gegen Zensur. Meine Brüste und mein Gesicht waren sehr teuer – und man soll doch bekanntlich zeigen, was man hat.“

Reichold geht selbst die zensierte Version noch erheblich zu weit. „Bei der Band ist der Name Programm“, sagt sie. Frauen würden mit Freiwild verglichen, zum Abschuss freigegeben. Dabei „sind Würde und Frauenrechte ein ganz wichtiges Thema“. Sie habe nichts gegen Nacktheit, sei liberal, jeder solle tun und anziehen – oder nicht – , was er möchte. Aber diese Werbung sei fernab jeglichen guten Geschmacks.

Die Band kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Frauen mit Freiwild gleichzusetzen, „davon ist das Plakatmotiv weit entfernt“, teilt die Band auf Nachfrage in einer Stellungnahme mit. „Gerade Micaela Schäfer inszeniert sich nicht als Opfer und verwehrt sich mit dem Mittelfinger und der rausgestreckten Zunge sowie den Freiwild-Tattoos auf dem Plakat gegen eine sexuelle Verfügbarkeit. Sie ist freiheitsliebend und selbstbewusst.“ Frauen würden in zahlreichen Werbungen viel massiver als Objekte, als „schmuckes Beiwerk“ präsentiert. Solche Kampagnen „würde es bei Frei.Wild nie geben. Unser Motiv stellt genau das dar: rebellischer sein, sich in keiner Opferrolle einfinden“.

Dass die Südtiroler, die wegen ihrer harten Deutschrock-Texte immer wieder mit der rechten Szene in Verbindung gebracht werden, mit dieser Werbung „Klischees rauf und runterspielen“, wie Gabriele Reichold sagt, bestreitet die Band. Ebenso wie eine rechte Gesinnung. Die Musiker geben die Schuld anderen. „Wird Frei.Wild nicht von den Medien generell zu etwas Provokantem gemacht?“ Sie bräuchten mit dem Plakat nicht bewusst provozieren, „wenn wir das doch, egal, was wir machen, ohnehin tun – unfreiwilligerweise wohlgemerkt“.

Reichold fühlt sich sehr wohl massiv provoziert und hat mit der Stadt Unterschleißheim Kontakt aufgenommen. Aber die „ist nicht zuständig“, betont Kulturchefin Daniela Benker. „Wir haben auf die Werbung keinen Einfluss.“ Vermieter der Fläche ist die DPW Deutsche Plakat-Werbung GmbH. Von dieser war keine Stellungnahme zu bekommen. Zudem hat Reichold eine Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht. Dort schaut man sich die nackte Micaela Schäfer nun noch einmal genauer an.

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