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Die Energiezentrale der GTU.

Unterschleißheim will Netz ausbauen

Zwei Millionen Euro für die Fernwärme

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4004, mehr als 30 Prozent, der Wohnungen in Unterschleißheim, bekommen schon Fernwärme. Es sollen noch mehr werden, doch das heiße Wasser aus der Erde reicht im Winter nicht.

Unterschleißheim – Erdwärme ist in Unterschleißheim auf dem Vormarsch. Die Geothermie Unterschleißheim AG (GTU) sucht Wege, um die Energieerzeugung weiter auszubauen. Ob eine zweite Förderbohrung in Frage kommt, ein Blockheizkraftwerk errichtet wird oder eine bessere Nutzung der Rücklauftemperatur möglich ist, das entscheidet der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Montag, 4. Dezember.

Über 30 Prozent der Unterschleißheimer Haushalte sind mittlerweile an das Fernwärmenetz angeschlossen. Für den weiteren Netzausbau gibt die Stadt als Gesellschafterin der GTU ein Darlehen von zwei Millionen Euro. Einstimmig hat der Stadtrat diesem Schritt zugestimmt.

Das Darlehen für das Ausbau-Programm sei positiv zu bewerten, sagte Bürgermeister Christoph Böck (SPD). Es unterstütze nicht nur eine gute Ökobilanz, es werde von der GTU auch verzinst zurückgezahlt. „Wir haben liquide Mittel, für die wir auf der Bank sonst Strafzinsen zahlen müssten.“ Die Zinshöhe für die Darlehensbeträge, die zwischen 2018 bis 2021 ausgezahlt werden, sollen jeweils dem am Kapitalmarkt üblichen Zinssatz angepasst sein, erläuterte Thomas Stockerl, geschäftsführender Vorstand der GTU.

Die gute Botschaft: Nicht nur die Nachfrage ist da, „auch die Finanzen entwickeln sich sehr positiv“, führte Stockerl aus. Die GTU erzielt im dritten Jahr in Folge Gewinn. Und das, obwohl die Erdwärme mit einem niedrigen Gas- und Ölpreis konkurrieren muss. Im Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete die GTU ein Plus von 266 539 Euro. „Ein schöner Gewinn, der über den Erwartungen liegt“, sagte Stockerl. Dass Gewinn sprudelt sei ursprünglich erst für das Jahr 2028 prognostiziert worden. Zurzeit hat die GTU noch 5,34 Millionen Euro Schulden, bis zum Jahr 2025 will sie diese getilgt haben. Die GTU sei, so Stockerl, ein „sehr gesundes Unternehmen mit einem ordentlichen Eigenkapitalanteil“.

Insgesamt werden in Unterschleißheim derzeit 4004 Wohnungen in 242 Gebäuden mit Erdwärme versorgt, zudem elf Gewerbe- und Bürohäuser und 14 kommunale Gebäude. Das Versorgungsvolumen liegt bei 37,62 Megawatt. „Wir überlegen uns derzeit, wie wir die Energieerzeugung ausbauen können, um zu einer Zielgröße von 60 Megawatt zu kommen“, sagte Stockerl. „Irgendwann ist die Wärme aus der Erde für unsere Anlage erschöpft.“

Die GTU sucht daher neue Wege, um ihre Kapazität zu erhöhen, und hat eine Studie in Auftrag gegeben, die am 4. Dezember mit dem Aufsichtsrat diskutiert wird. Fest steht: „Wir werden nicht immer weiter über den Gaskessel zuheizen“, sagte Stockerl. Schon heute muss im Winter über Erdgas zugeheizt werden, weil das knapp 80 Grad heiße Thermalwasser im Winter den Wärmebedarf der Kunden nur zu 70 Prozent deckt. Stockerl sagte: „Wir möchten dem Aufsichtsrat ein Konzept vorschlagen, wie wir die Rücklaufwärme besser ausnutzen können.“ Denn das Thermalwasser wird im Sommer mit 59 Grad zurück ins Erdreich gepumpt.

Manfred Riederle (FDP) fragte: „In welchem Umfang profitieren die Bürger? Gibt es ein attraktives Preisangebot, das es allen Bürgern ermöglicht, von dieser innovativen Energie zu profitieren?“ Stockerl erläuterte, es gebe zwar einen Spielraum bei der Akquise und den Verhandlungen mit Kunden, aber grundsätzlich müsse die GTU noch ihre Verluste abzahlen, bevor sie Gewinne in Form eines günstigeren Wärmepreises an die Kunden weiterreichen könne.

In diesem Zusammenhang erwähnte er den Pumpschaden im Jahr 2004. Grund für das Debakel war eine defekte Aufhängung an der Pumpe. Die GTU musste Gas zukaufen und forderte 1,5 Millionen Euro vom Pumpenhersteller zurück. Der aber ist insolvent. „Nach zehn Jahren ist das Insolvenzverfahren noch immer nicht abgeschlossen“, sagte Stockerl.

Auch Jürgen Radtke (Grüne), der im Aufsichtsrat der GTU sitzt, warb bei seinen Stadtratskollegen um Zustimmung für das Darlehen: „Wir bauen das Netz aus, Stück für Stück, und werden ein großes Wärmenetz haben.“ Bisher hat die GTU 17,5 Kilometer Fernwärmeleitungen verlegt.

Die Ökobilanz

der GTU zeigt, dass im vergangenen Jahr 51 806 Megawattstunden Wärme verkauft wurden. Das entspricht einer CO2-Einsparung von 8,9 Tonnen. Seit dem Start des Unterschleißheimer Geothermieprojekts im Jahr 2003 wurden bis heute die CO2-Emissionen um 101 950 Tonnen gemindert.

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