Siegfried Lenz ,Deutschstunde' auf der Bühne

Unterschleißheim - Als Schauspiel in sieben Bildern ist am Mittwoch, 6. Mai, „Deutschstunde" in Unterschleißheim zu sehen, nach dem Roman von Siegfried Lenz. Beginn ist um 20 Uhr im Bürgerhaus. Karten gibt es zu 16 Euro.

Wenn man Deutschland verstehen will, muss man Siegfried Lenz lesen. Der im vergangenen Herbst verstorbene Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels beschäftigt sich in der Deutschstunde mit der für unser Land durchaus typischen Thematik, dass Pflichterfüllung als Erziehungsideal lange vor Menschlichkeit ging, ganz besonders während der NS-Herrschaft. Der vielfach ausgezeichnete israelische Schriftsteller Amos Oz über Lenz: „Einer der wichtigsten Vertreter der Weltliteratur. Man stellt sich die Frage: Wie hätte ich mich damals verhalten? Lenz bringt uns dazu, darüber nachzudenken.“

Die Deutschstunde ist Lenz‘ wichtigstes Werk, wurde in diverse Sprachen übersetzt und ist nach wie vor Pflichtlektüre im Schulunterricht. Der kleine Dorfpolizist Jens Ole Jepsen hatte seinen Jugendfreund, den als „entartet“ gebrandmarkten und mit Berufsverbot belegten Maler Max Ludwig Nansen, bespitzelt, überwacht und denunziert. Vorlage der Figur ist der berühmte Expressionist Emil Nolde. Pflichterfüllung ging vor Menschlichkeit. Und selbst nach dem Ende des Regimes verfolgte Jepsen den Maler beharrlich weiter. Noch nie war die Deutschstunde auf einer Bühne zu sehen. Eine echte Premiere. gü

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