Weiß-Blau in voller Harmonie

Unterschleißheim - Das Etikett passt beim „Bayrischen Nachmittag" der Unterschleißheimer CSU: Die Vereine präsentieren gelebtes Brauchtum. Ministerpräsident Horst Seehofer lobt den Freistaat. Politische Inhalte bleiben in der weiß-blauen Wohlfühlatmosphäre außen vor.

Schon in der Begrüßung steckt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den Rahmen ab. „Meine Damen und Herren, liebe Landsleute“, begrüßt er die Gäste im Festsaal des Unterschleißheimer Bürgerhauses. Mehr als 450 Menschen sind zum „Bayrischen Nachmittag“ des CSU-Ortsverbandes gekommen. Jeder Platz an den weiß-blau dekorierten Tischen ist besetzt. Einige müssen stehen.

Seehofers „Landsleute“ erleben einen Ministerpräsidenten, der die bayerische Trias aus Tradition, Kirche und - wenn auch nur unterschwellig - CSU beschwört. „Die Einmaligkeit Bayerns“, sagt er, „ergibt sich nicht in erster Linie aus dem, was der Landtag tut, sondern aus dem, was die Menschen tun.“ Die zahlreichen Zuzügler kämen „nicht wegen des Ministerpräsidenten, sondern wegen der Lebensqualität“. Mit Blick ins Publikum, wo unzählige Mitglieder der Unterschleißheimer Vereine sitzen, sagt Seehofer: „Ich bedanke mich bei all denen, die sich über ihre Pflicht hinaus engagieren und das bayerische Brauchtum in ihrer Freizeit pflegen.“

Seehofer wirkt gut gelaunt, aber wenig energisch. „Die Menschen ertragen es kaum mehr, wenn wir aufeinander einschlagen“, sagt er. Sieben Wochen vor der Kommunalwahl spricht der Ministerpräsident kaum über politische Streitthemen. Lediglich in der Aussage „Wir Bayern sind sehr weltoffen. Aber die Menschen, die kommen, müssen bereit sein, ihren Lebensunterhalt zu verdienen“, klingt sein Standpunkt in Sachen Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren an.

Auch die politischen Gegner kommen an diesem Nachmittag glimpflich davon. Einziger Scherz auf Kosten der SPD: „Wenn ich Klaus Wowereit treffe, sagt der seit einigen Wochen immer zu mir: „Ich begrüße meinen Sponsor.“ Dieser und andere Scherze zünden. Den größten Lacher erntet Seehofer gleich zu Beginn: Als Reaktion auf dessen Begrüßung sagt er zum CSU-Ortsvorsitzenden Stefan Krimmer: „Sie haben mich gerade an Franz Josef Strauß erinnert. Nicht groß gewachsen und mit einem gewissen Gewicht. Da musste ich an meine erste Begegnung mit ihm denken. Strauß sagte damals zu mir: Sie sind zwar der Längere, aber der Größere bin ich.“

Ohnehin ist die Stimmung beim Publikum gut. Das mag auch an dem festlichen Rahmen liegen, den die Unterschleißheimer Vereine der Veranstaltung verleihen. Die Böllerschützen begrüßen den Ministerpräsidenten mit einem Ehrensalut. Die Fahnenträger begleiten ihn zum Defiliermarsch der Unterschleißheimer Stadtkapelle in den Saal. Der „Sängerkreis Lohhof“ tritt auf. Auch eine Gruppe des Heimat- und Trachtenvereins „Die Würmbachtaler“ tanzt.

Als zum Abschluss alle Teilnehmer mit dem Publikum die Bayernhymne singen, ist der Ministerpräsident schon verschwunden. Termine. „Ein Aufenthalt in Franken setzt einen in Oberbayern voraus. Sonst gilt das als Landesverrat“, hatte er vorher gescherzt.

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