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Ulrich Papenburg (51) hofft, dass der Freistaat seine Erfindung doch noch fördert. Die Windturbine passt auf jedes Hausdach. Inklusive Steuereinheit kostet die Anlage zur Energiegewinnung rund 10 000 Euro

Energievision

Unterschleißheimer erfindet Windmühle für jedes Hausdach

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Unterschleißheim - Die Umsetzung der Energiewende lebt von Visionen, aber auch von vielen kleinen Projekten. Und von Tüftlern wie Ulrich Papenburg (51) aus Unterschleißheim.

Gegen große Windkraftanlagen gibt es in Bayern meist Widerstand, kaum werden die Pläne bekannt. Gegen die Erfindung von Ulrich Papenburg (51) aus Unterschleißheim gab es noch keinen Proteststurm. Er hat eine kleine Windturbine für Hausdächer entwickelt und zur Marktreife gebracht. Nun muss die Kundschaft entscheiden über seine außergewöhnliche Idee. 

Eigentlich arbeitet Ulrich Papenburg an Bauteilen in der Luft- und Raumfahrttechnik. Das vertikale Windrad aus Carbon hat er mit vier Zuarbeitern in den vergangenen vier Jahren gefertigt. Die Windturbine des Unterschleißheimer Ingenieurs wurde in Ultra-Leichtbauweise konstruiert, so dass sie auf Häusern, Hütten oder auf Segelschiffen angebracht werden kann.

Ein Vorteil der sich nahezu geräuschlos drehenden Anlage ist, dass sie den Wind aus allen Himmelsrichtungen aufnimmt und schon bei einer geringen Windgeschwindigkeit von 1,4 Metern pro Sekunde Strom erzeugt. Die kleine Anlage hat auch den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu großen Windrädern bei Stürmen nicht abgeschaltet werden muss und so konstant Energie erzeugt.

Das bedeutet, dass die kleine Windanlage, die auf dem Dach nicht sonderlich auffällt, sich auch in windarmen Regionen wie dem Landkreis München rechnet. „An der Nordsee amortisiert sich die Investition nach etwa fünf Jahren, hier in Unterschleißheim ist das nach rund 15 Jahren der Fall“, sagt Ulrich Papenburg.

Die Anlage kostet rund 8000 Euro, dazu braucht es noch eine Steuereinheit für 2000 Euro. Papenburg wirbt mit dem Argument von „wartungsfreien Betrieb mit nahezu uneingeschränkter Lebensdauer“. Der Entwickler dieser Kleinwindturbine testet sein Produkt auch auf seinem eigenen Haus. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass Familien etwa 30 bis 50 Prozent des eigenen Strombedarfs selbst erzeugen können. „Die Windturbine ist ideal in der Kombination mit einer Solaranlage“, sagt der Unterschleißheimer.

Ulrich Papenburg bedauert nur, dass es derzeit für seine Windturbine keine staatlichen Förderungen in Bayern gibt. Er hat bereits die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf angeschrieben und darauf hingewiesen, dass mit Förderanreizen Innovationen aus Bayern mit in Deutschland gefertigten Bauteilen der Bevölkerung näher gebraucht werden könnten. „Im Ausland ist der Markt für solche Windanlagen am Wachsen“, sagt Papenburg.

Er gibt auch zu bedenken, dass seine Technik an vielen öffentlichen Anlagen angebracht werden könne, vom Mobilfunkmast bis zu Schilderbrücken an Autobahnen. Sein Projekt befindet sich nun an dem Punkt, an dem es sich auf dem Markt etablieren muss. „Ich bin ein Privatmann und irgendwann geht mir die Luft aus“, sagt der Unterschleißheimer. 

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