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Die letzte Predigt: Nach 33 Jahren verlässt Karin Kittlaus den Altar der Genezareth-Kirche.

Pfarrerin Karin Kittlaus geht in Ruhestand

Ihre Offenheit hat viele Türen geöffnet

Eine Ära ist zu Ende. Pfarrerin Karin Kittlaus hat sich nach 33 Jahren von der Genezareth-Kirche in Unterschleißheim verabschiedet – in den Ruhestand. Sie zieht heute nach Dachau.

„Ich wäre gerne in Unterschleißheim geblieben, weil die Stadt meine Heimat geworden ist“, sagt die 65-Jährige, „aber ich habe hier keine Wohnung gefunden, die ich hätte bezahlen können“. Nun steht das Pfarrhaus in der Alleestraße erst einmal leer. Jahrzehntelang hat die engagierte Pfarrerin das Gesicht der evangelischen Kirchengemeinde geprägt. „Unterschleißheim ist eine lebendige Stadt, es gibt Traditionen, aber auch immer Raum und Begeisterung für Neues“, sagt sie, „das habe ich immer ausgenutzt.“

 Ein Hauch von Wehmut lag in der Luft während des Abschiedsgottesdienstes in der Genezareth-Kirche. Viele Gemeindemitglieder und Kollegen waren gekommen. Die Bürgermeister von Unterschleißheim und Haimhausen überreichten Geschenke und hielten Reden. Gotteslob und Dankbarkeit stellte Kittlaus in den Mittelpunkt ihrer Predigt und betonte, wie viel Kraft der Psalm 148 geben könne. 

Besonders bewegend war der Moment, als ihr Bruder Michael Grabow, der Regionalbischof von Augsburg, und Dekan Uli Seegenschmiedt die scheidende Theologin segneten. Seegenschmiedt würdigte ihr vielfältiges Engagement: Die große Offenheit, mit der Karin Kittlaus auf Menschen zugeht, hat ihr in der Stadt Türen geöffnet. Sie begleitete viele Menschen bei der Suche nach Antworten auf das Leben. Eine psychotherapeutische Zusatzausbildung kam ihr bei der Seelsorge zugute. In den 90er Jahren unterstützte die ledige Pfarrerin die Friedensbewegung und setzte auch Umweltprojekte um, sie sammelte Müll in der Gemeinde mit Konfirmanden, Vertretern der Jusos und der Jungen Union. Sie ließ Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Gemeindehauses installieren. Im Team „Fair-Trade-Town“ arbeitet sie für die Idee eines sozial gerechten Handelns mit. Mit ihren katholischen und muslimischen Kollegen stärkte sie die Ökumene in der Stadt. Gerne sang sie bei offiziellen Terminen ein Lied: „Ich singe mit Begeisterung“, sagt Karin Kittlaus, einige Jahre nahm sie Gesangsunterricht. 

Beim Stehempfang im Gemeindehaus verabschiedeten sich viele per Handschlag oder Umarmung und wünschten Karin Kittlaus alles Gute für den Ruhestand. Sie freut sich nun auf Ausstellungs- und Opernbesuche – und auf das Singen in einem Dachauer Chor. Ihre Verbundenheit mit Unterschleißheim will Karin Kittlaus durch ehrenamtliche Tätigkeit erhalten, Anfragen habe sie schon bekommen. icb

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