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Das Biotop an der Sommerstraße, zwischen Wertstoffhäuschen und Spielplatz gelegen, wird als möglicher Standort für einen zweite Asylbewerber-Unterkunft in Sauerlach gehandelt. Anwohner organisierten dagegen eine Unterschriftenaktion.

Protest gegen Standort Sommerstraße

Unterschriftenaktion gegen Asylbewerberheim

Sauerlach - „Wir sagen Nein zu einer möglichen Flüchtlings-Unterkunft auf dem Biotop an der Sommerstraße“: Das besiegelten bislang 236 Sauerlacher mit ihrer Unterschrift. Initiatorinnen der Aktion sind die Künstlerinnen Eva-Maria Rohbogner und Erika Ramm. Dass über diesen Standort nicht öffentlich im Gemeinderat diskutiert wird, ist jetzt durchgesickert. Und sorgt für Aufregung.

Das besagte Biotop liegt nahe dem Sauerlacher Bahnhof, nahe am Ortskern, zwischen dem Wertstoffhäuschen und einem Kinderspielplatz. Es ist schmal, langgezogen, befindet sich direkt zwischen Straße und Gleisen, bewachsen mit dünnem Baumbestand und Sträuchern.

„Und da sollen Menschen wohnen?“, sagt Eva-Maria Rohbogner und schüttelt den Kopf. Die 75-jährige Sauerlacherin ist beunruhigt, so viele Gedanken schießen ihr derzeit durch den Kopf. Sie wohnt ganz in der Nähe, schon in fünfter Generation. Die Geschichte der Familie ist mit den Schienen verwoben. Ihr Großvater Franz Xaver Schmalzgruber (1875-1942) war als königlich bayerischer Oberlokomotivführer tätig.

Probebohrungen auf dem Grundstück

Seit Mitarbeiter der Gemeinde Probebohrungen auf dem Areal machten, steht für Eva-Maria Rohbogner und Erika Ramm so gut wie fest: Dahin soll die zweite Flüchtlingsunterkunft Sauerlachs kommen. Aus einem Gerücht erwuchs für sie Gewissheit. Eva-Maria Rohbogner hat die Arbeiter direkt angesprochen, erhielt aber keine Bestätigung.

Künstlerinnen machen mobil

„Wir sind nicht gegen die Flüchtlinge und lassen uns nicht in eine braune Ecke drängen“, betont auch Ramm ausdrücklich. Genau wie ihre Mitstreiterin gehört sie dem „Künstlerkreis Feuervogel“ an. Dort arbeiten beide unter anderem an afrikanischen Skulpturen. Beide halten den möglichen Standort für ungeeignet, da zu dicht an den Gleisen und zu nah an der Straße. „Wie auf einem Präsentierteller.“ Nichts für Menschen aus Kriegsgebieten. 

Diffuse Ängste

Im Gegensatz zur bereits bestehenden Unterkunft am Lindenweg, ortsnah und doch mitten in der Natur. Aber, so gestehen die beiden Frauen ein, es plagen sie auch diffuse Ängste. „Ich kann das gar nicht richtig in Worte fassen“, sagt Eva-Maria Rohbogner. Die ungewisse Situation mache ihr einfach Angst. Die Anschläge von Paris und die Übergriffe in Köln Köln hinterlassen auch in Sauerlach Spuren.

Protest: Erika Ramm (l.) und Eva Maria Rohbogner sammelten bislang 236 Unterschriften gegen ein mögliches Asylbewerber-Heim an der Sommerstraße.

Die bislang gesammelten Unterschriften erreichten zwischenzeitlich Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV). Die meisten stammen aus dem betroffenen „Vier-Jahreszeiten-Viertel“. Bauausschuss wie auch der Gemeinderat hatten das Thema Asylunterkunft bereits auf dem Tisch – jedoch im nicht-öffentlichen Teil. „Wegen noch nicht geklärter Grundstücksangelegenheiten“, erläuterte Bürgermeisterin Barbara Bogner auf Anfrage. Sie bestätigte die Probebohrungen. Geprüft werde die Festigkeit des Geländes, weil sich dort einmal eine später verfüllte Kiesgrube befand. „Natürlich ist das Areal im Asylthema im Gespräch, so wie andere gemeindliche Grundstücke auch“, sagt Bogner. Dies sei Order des Landratsamtes.

Sauerlach hat Quote längst nicht erfüllt

204 Flüchtlinge hat Sauerlach laut Berechnungsschlüssel aufzunehmen, 64 sind bereits vor Ort. „Der Gemeinderat hat zwei weitere Unterkünfte wie am Lindenweg zu etablieren“, sagt Bürgermeisterin Bogner. Die Standorte seien bereits beschlossen, aber noch nicht zu 100-Prozent geklärt. „Das hängt unter anderem noch vom Ergebnis der Probebohrungen ab“, sagt die Rathaus-Chefin. Zwei verschiedene Standorte, keine Ghettoisierung. Der Bauantrag werde dann im Bauausschuss behandelt.

Bürgermeisterin setzt auf Helferkreis

Falls eine der Unterbringungen tatsächlich in die Sommerstraße kommen sollte, wird sie ähnlich wie die am Lindenweg ausschauen. Fest steht: Die Eröffnung soll voraussichtlich schon im Juni sein, die der weiteren Unterkunft ebenfalls in 2016. Die Gemeinde werde zeitnah informieren. Es gibt diffuse Ängste, das ist schon klar“, räumt Bürgermeisterin Bogner ein. Sie setze daher darauf, das Flüchtlings-Familien kommen. So wie auch in der Unterkunft am Lindenweg.

„Die Integration ist dank des engagierten Helferkreises einfach perfekt“, lobt Barbara Bogner. Die Kinder dort sprächen bereits Deutsch, in der Schule gibt es eine Integrationsklasse. Sie hoffe nur, dass zwischen den Eröffnungsterminen der geplanten Einrichtungen mindestens drei bis vier Monate liegen. „Der Helferkreis aus bis zu 60 Personen schafft das sonst vielleicht nicht“, befürchtet die Bürgermeisterin. Kathrin Kohnke

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