Aschheims Amerikaner: Charles Matthew Eberhardt ist der dritte von links in der hinteren Reihe. Sein Sohn Michael hat vergangenes Jahr die Gemeinde besucht.

Ein US-Bomber fällt vom Himmel: Aschheimer erinnern sich an Kriegsende

Aschheim - Das Neudegger-Haus in Schutt und Asche; Ochsengespanne, die Trümmer abtransportieren; der Mord in der Wendl-Mühle: Über die Kriegs- und Nachkriegszeit in Aschheim hat Ortschronist Peter Stilling eine beeindruckende Fotosammlung zusammengetragen. Mit dem Zeitzeugen Josef Scharl blickt er zurück.

Charles Matthew Eberhardt war einer von sieben Amerikanern, die am 18. März 1944 den Absturz ihres Fliegers, Teil eines B 17-Bombergeschwaders, über dem Uhlmannhof überlebt haben. Drei Kameraden von ihm starben, ihre Leichen wurden im örtlichen Friedhof in aller Form begraben, was keinesfalls eine Selbstverständlichkeit gewesen ist. Und was den Aschheimern, als am 1. Mai die ersten Panzer der Amerikaner einrollten ins Dorf, durchaus „Bonuspunkte“ brachte, wie Peter Stilling erzählt.

Eberhardt selbst sprach noch an der Unglücksstelle zwei Jugendliche an, die sich ins Wrack gestohlen und dort amerikanische Fliegerjacken und Hauben entwendet hatten. Ob sie Schokolade wollten oder Zigaretten? Marke Chesterfield? Er sprach Deutsch, seine Vorfahren kamen aus Württemberg. Hans Westermayr und Adolf Finkenzeller, die beiden Buben, lehnten dankend ab. Rannten in den neuen Jacken ins nächste Wäldchen, die so genannte Bauernschneider Dick - und wurden dann noch, weil sie jetzt aussahen wie Amerikaner, beschossen von deutschem Militär. „Die haben um sich die Kugeln nur so pfeifen gehört“, sagt Peter Stilling. Josef Scharl wiederum war gerade auf dem Heimweg mit dem Radl von der Arbeit in Feldkirchen, als die drei Amerikaner vom Himmel fielen. Ihre Körper krachten in die gefrorene Schneedecke. „Sie waren zusammengestaucht und hatten nur noch die Größe von Kindern“, dieses Bild sei ihm nie mehr aus dem Kopf gegangen.

Dann? Stand am 16. August 2014 in Aschheim plötzlich Besuch aus Texas vor der Tür: Michael Eberhardt, der Sohn des damals in Gefangenschaft gekommenen Fliegers. An der Unglücksstelle suchte er mit einer Metallsonde nach Überresten des Bombers. „Ich war unglaublich gerührt“, sagt Stilling.

Derweil, sagt er, haben Hans Westermayr und Adolf Finkenzeller ihre erbeuteten Fliegenjacken noch lang getragen, auch bei der Feldarbeit. ak

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