Verärgert über „Strafzinsen“

Zu viel auf dem Konto ? Das gibt es mittlerweile auch. Die Kreissparkasse fordert dafür ab Februar einen sogenannten Negativzins. Zahlen soll die Gemeinde Haar. Und die wehrt sich.

Haar – Die Kreissparkasse (KSK) nennt es „Verwahrentgelte“, die Kommunen, die es trifft, nennen es „Strafzinsen“. Und zumindest die Gemeinde Haar will es nicht kommentarlos hinnehmen, dass sie ab 1. Februar 0,4 Prozent Negativzinsen auf große Guthaben bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg zahlen muss (wir berichteten). „Wir sind schon sehr enttäuscht von der Vorgehensweise“, sagte Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) im Hauptausschuss. „Das ist eigentlich unsere ureigene Bank.“ Die Kommunen und Landkreise seien Besitzer der Kreissparkasse – und dann so etwas. Die Gemeinde Haar hat den Vorstand und den Verwaltungsrat der Kreissparkasse – die Landräte Christoph Göbel (Kreis München) und Robert Niedergesäß (Kreis Ebersberg) angeschrieben, um ihrem „großen Unmut“ Ausdruck zu geben. „Bin mal gespannt, was sie antworten, die Herren“, sagt Bürgermeisterin Müller.

Vermutlich werden die Herren das antworten, was die Kreissparkasse bereits auf Anfrage des Münchner Merkurerklärt hatte. Die Negativzinsen seien wegen der Gebühren nötig, die die Kreissparkasse selbst bei der Einlagerung der Gelder bei der Europäischen Zentralbank zahlen muss. Mit dem Schritt, diese negativen Geldmarktzinsen in Form von Verwahrentgelten an die Kunden weiterzugeben, habe sich die KSK lange zurückgehalten, erklärte Sprecherin Kerstin Brehm. Nachdem aber Konkurrenten diese Verwahrentgelte eingeführt hätten und bereits Mittel von deren ehemaligen Kunden bei der Kreissparkasse geparkt würden, müsse man handeln.

Nicht nur Kommunen sind betroffen, sondern auch Unternehmen; nämlich Neukunden und Firmenkunden mit „besonders großvolumigen Einlagenveränderungen“. Privatkunden trifft es bislang nicht.

Für die Kommunen gibt es eine Freibetragsregelung. Die Hälfte des Guthabens, das die Gemeinden 2015 durchschnittlich bei der Kreissparkasse hatten, soll auch künftig ohne Verwahrentgelt bleiben. Alles was darüber hinausgeht, belastet die Sparkasse mit einem Negativzins von 0,4 Prozent. Bei einem Betrag von zehn Millionen Euro wären dies zum Beispiel 40 000 Euro zusätzliche Gebühren im Jahr. „Diese Größenordnung wäre bei uns in etwa der Fall“, sagte Markus Kasper, Kämmerer des Landkreises München.

Bürgermeisterin Müller macht auch die Rechnung mit den zehn Millionen Euro auf. Die 40 000 Euro Gebühr könne die Gemeinde Haar weit sinnvoller ausgeben: „Da würde sich jeder meiner Vereine freuen!“ Die Gemeinde wird sich anschauen, welche Konditionen andere Banken bieten. Günter Hiel

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